Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Sektor des Wohnungswesens und ökonomischer Ungleichheit.
Dafür werden zunächst stilisierte Fakten zu der langfristigen Entwicklung von Hauspreisen in entwickelten Volkswirtschaften präsentiert.
Anschließend wird ein Multisektor-Modell, in dem der Sektor des Wohnungswesens isoliert betrachtet werden kann, dargestellt. Das Modell wird einem Schock hinsichtlich der Preise von Investitionen in Wohngebäude und einem Schock hinsichtlich der Quantität von Wohngrundstücken ausgesetzt. Zudem wird für beide genannten Variablen ein Alternativpfad modelliert. Die Ergebnisse der Reaktion des Modells auf die Schocks und die Modellierung der Alternativpfade bieten Grundlage für eine These der „Knappheit“: Wenn die Konsumentennachfrage nach Behausungen hinreichend unelastisch ist, kann der Anstieg des Anteils von Wohnkapital im aggregierten Kapitaleinkommen durch steigende Preise für Investitionen in Wohngebäude und eine wachsende Knappheit von Wohngrundstücken erklärt werden.
Im nächsten Schritt wird überprüft, inwiefern die ökonomische Größe des Nettokapitalanteils mit Ungleichheit zusammenhängt.
Abschließend wird der Einfluss des Besitzes von Wohnkapital auf ökonomische Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft diskutiert.
Im Fazit werden die Ergebnisse zusammengefasst und kritisch erörtert.
Die steigende Ungleichheit in entwickelten Ökonomien ist spätestens seit der Veröffentlichung von Thomas Pikettys (2014) Bestseller Das Kapital im 21. Jahrhundert ein sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Fachliteratur (Nolan et al., 2014; Stiglitz 2012) stark diskutiertes Thema. Eine Vielzahl von Autoren (Arundel, 2017; Bonnet et al., 2014; Rognlie, 2015) legen im Zuge der Untersuchung von ökonomischer Ungleichheit ein besonderes Augenmerk auf eine besondere Form von Vermögen: Wohnkapital.
Schon im frühen 19. Jh. setzte sich der Ökonom Ricardo (1817) mit der langfristigen Entwicklung von Miet- und Grundstückspreisen und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Konsequenzen auseinander.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Globaler Hauspreisindex
- 2.1 Daten
- 2.2 Ergebnisse
- 2.3 Zerlegung der langfristigen Hauspreise
- 2.3.1 Baukosten
- 2.3.2 Grundstückspreise
- 3. Wohnungswesen und Nettokapitalanteil und Ungleichheit
- 3.1 Nettokapitalanteil
- 3.2 Entwicklung des Nettokapitalanteils in G7-Staaten
- 3.3 Multisektor-Modell
- 3.3.1 Konstruktion des Multisektor-Modells
- 3.3.2 Reaktion des Nettokapitalanteils auf endogene Schocks
- 3.4 Nettokapitalanteil und Einkommensungleichheit
- 3.4.1 Daten und Analyse
- 3.4.2 Ergebnisse
- 4. Wohnkapital und Ungleichheit
- 4.1 Umverteilende Effekte sekundärer Ordnung
- 4.2 Die wachsende Bedeutung von Wohnkapital
- 5. Diskussion und Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Beziehung zwischen dem Sektor des Wohnungswesens und ökonomischer Ungleichheit. Sie analysiert die langfristige Entwicklung von Hauspreisen in entwickelten Volkswirtschaften und untersucht den Einfluss des Nettokapitalanteils, insbesondere im Bereich des Wohnungswesens, auf die Einkommensungleichheit.
- Langfristige Entwicklung von Hauspreisen in entwickelten Volkswirtschaften
- Bedeutung des Sektors Wohnungswesen für den Nettokapitalanteil
- Zusammenhang zwischen Nettokapitalanteil und Einkommensungleichheit
- Einfluss von Wohnkapital auf ökonomische Ungleichheit in der Gesellschaft
- Diskussion der Auswirkungen steigender Hauspreise und Knappheit von Wohnraum
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung: Die Arbeit beleuchtet das Thema der steigenden Ungleichheit in entwickelten Ökonomien und führt die Bedeutung von Wohnkapital als eine wichtige Form von Vermögen ein. Sie stellt die Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen Wohnungswesen und ökonomischer Ungleichheit und skizziert den Aufbau der Arbeit.
- Kapitel 2: Globaler Hauspreisindex: Dieses Kapitel präsentiert stilisierte Fakten zur langfristigen Entwicklung von Hauspreisen in entwickelten Volkswirtschaften und zeigt, dass die Hauspreise bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts konstant blieben, aber seit den letzten Jahrzehnten stark ansteigen.
- Kapitel 3: Wohnungswesen und Nettokapitalanteil und Ungleichheit: Dieses Kapitel analysiert die Entwicklung des Nettokapitalanteils in G7-Staaten und zeigt, dass der Anstieg des Nettokapitalanteils hauptsächlich auf den Sektor des Wohnungswesens zurückzuführen ist. Es wird ein Multisektor-Modell entwickelt, das den Einfluss von Schocks im Bereich des Wohnungswesens auf den Nettokapitalanteil untersucht.
- Kapitel 4: Wohnkapital und Ungleichheit: Dieses Kapitel untersucht den Zusammenhang zwischen dem Besitz von Wohnkapital und ökonomischer Ungleichheit. Es werden die umverteilenden Effekte von Wohnkapital und die wachsende Bedeutung von Wohneigentum im Kontext von Ungleichheit diskutiert.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themen ökonomische Ungleichheit, Wohnkapital, Hauspreise, Nettokapitalanteil, Einkommensungleichheit, Multisektor-Modelle, Wohnungsmarkt, Knappheit, G7-Staaten und die gesellschaftlichen Auswirkungen von steigenden Hauspreisen.
Häufig gestellte Fragen
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Hauspreisen und ökonomischer Ungleichheit?
Steigende Hauspreise erhöhen den Anteil des Wohnkapitals am aggregierten Kapitaleinkommen, was insbesondere in entwickelten Volkswirtschaften zu einer Zunahme der Vermögensungleichheit führen kann.
Was besagt die Knappheitsthese im Bereich des Wohnungswesens?
Die These besagt, dass bei einer unelastischen Nachfrage die wachsende Knappheit von Wohngrundstücken und steigende Investitionskosten die Preise treiben und so den Kapitalanteil erhöhen.
Wie haben sich die Hauspreise historisch entwickelt?
Daten zeigen, dass Hauspreise in entwickelten Ökonomien bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts weitgehend konstant blieben, seit den letzten Jahrzehnten jedoch einen starken Anstieg verzeichnen.
Welche Rolle spielt Wohnkapital für den Nettokapitalanteil in G7-Staaten?
Analysen zeigen, dass der Anstieg des Nettokapitalanteils in den G7-Staaten maßgeblich auf den Sektor des Wohnungswesens zurückzuführen ist.
Was sind umverteilende Effekte sekundärer Ordnung beim Wohnkapital?
Dabei handelt es sich um Effekte, bei denen der Besitz von Wohnkapital die ökonomische Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft durch Wertsteigerungen und Mieterträge weiter verschärft.
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- Anonym (Author), 2020, Der Einfluss von steigenden Hauspreisen für den Kapitaleinkommensanteil, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1298351