Die vorliegende Arbeit handelt von der Frage, inwieweit die Momente Heimat und Fremde in Märchen eine Rolle spielen und wie sie speziell an einem Beispiel umgesetzt werden. Eine umfassende Definition der beiden Begrifflichkeiten Heimat und Fremde sind daher obligatorisch darzulegen. Im darauffolgenden, dritten Kapitel wird der Fokus auf das Märchen in seiner literaturwissenschaftlichen Gattung und Besonderheit offengelegt, um späterhin herauszufinden, warum sich gerade die Textgattung „Märchen“ mit dem Thema Heimat und Fremde auseinandersetzt. Anschließend folgt eine kurze Inhaltsangabe des Märchens „Hans im Glück“ der Brüder Grimm, um einen Eindruck über die Handlung zu erlangen. Im nächsten und wichtigsten Schritt dieser Arbeit wird analysiert, inwieweit die Momente der Heimat und Fremde anhand des Beispiel-Märchens realisiert werden. Nach der Analyse folgt schlussendlich ein Fazit, indem die wichtigsten Argumentationsstrukturen wiedergegeben werden und ein Ausblick auf weitere Forschungsgebiete gegeben wird.
Was bedeutet Heimat konkret? Ist es ein geografisch lokalisierter Ort? Ist es der Ort, an dem man geboren wurde oder der Ort, an dem man gerade Zuhause ist? Oder ist es sogar „nur“ ein Gefühl? Erfährt man Heimat mit Nähe oder kann es auch in der Ferne liegen? Heimat konstituiert sich immer mithilfe der Distanz und der Entfremdung. Es gibt anscheinend keine Heimat ohne Fremde, denn des Öfteren bilden sich Heimatgefühle erst dann, wenn man sich fernab der Heimat, in der Fremde befindet. Erst in der Ferne bemerkt man, was man zuvor nie wahrgenommen hat. "Der Mensch hat immer eine Heimat und wär es nur der Ort, wo er gestern war und heute nicht mehr ist. Entfernung macht Heimat, Verlust, Besitz." , sagte einst der österreichische Schriftsteller Alexander von Villers.
Auch die Gebrüder Grimm, die Sprachwissenschaftler und Volkskundler namens Jacob und Wilhelm Grimm, die durch ihre Kinder- und Hausmärchen weltberühmt wurden, bedienten sich eines ganz speziellen Charakteristikums ihrer Märchen: der Dialektik zwischen Heimat und Fremde. In vielen ihrer Märchen muss der:die Held:in aufgrund einer Notlage (zum Beispiel Hunger, Krieg, Streit oder Arbeitslosigkeit) aus der Heimat fliehen und begibt sich somit auf eine Reise in die Fremde. Dort angekommen nimmt der:die Held:in wahr, wie sehr die Heimat fehlt und es nichts Vergleichbares gibt. Eine Art Heimweh tritt in den Mittelpunkt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Heimat und Fremde
- Märchen aus literaturwissenschaftlicher Sicht
- „Hans im Glück“
- Analyse des Heimatbegriffs im Beispiel-Märchen „Hans im Glück“
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Rolle von Heimat und Fremde in Märchen. Sie untersucht, wie die Dialektik zwischen diesen beiden Begriffen in der literarischen Gattung des Märchens umgesetzt wird. Darüber hinaus analysiert sie anhand des Beispiels „Hans im Glück“ den Heimatbegriff im Kontext von Märchen.
- Definitionen der Begriffe „Heimat“ und „Fremde“
- Der Einfluss der Dialektik zwischen Heimat und Fremde auf die Gestaltung von Märchen
- Die literaturwissenschaftliche Gattung „Märchen“ und ihre spezifischen Merkmale
- Analyse des Heimatbegriffs im Märchen „Hans im Glück“
- Interpretation der Handlung von „Hans im Glück“ im Kontext von Heimat und Fremde
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Arbeit ein und beleuchtet den Begriff der Heimat als komplexes, vielschichtiges Konzept. Sie stellt die Relevanz des Themas Heimat und Fremde im Kontext von Märchen heraus und gibt einen Überblick über die Kapitelstruktur der Arbeit.
Im zweiten Kapitel werden die Begriffe „Heimat“ und „Fremde“ aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Dabei werden unterschiedliche Definitionsansätze und die Beziehung zwischen den beiden Begriffen erläutert. Es wird betont, dass Heimat und Fremde in einer dialektischen Beziehung zueinander stehen und sich gegenseitig konstituieren.
Kapitel drei befasst sich mit dem Märchen als literaturwissenschaftlicher Gattung. Es werden die wichtigsten Merkmale des Märchens beschrieben, wie z.B. die Formelhaftigkeit, die Ort- und Zeitlosigkeit, die Vorliebe für bestimmte Requisiten und die Happy-End-Struktur.
Kapitel vier bietet eine kurze Inhaltsangabe des Märchens „Hans im Glück“. Das Kapitel bereitet den Leser auf die Analyse in Kapitel fünf vor und gibt einen Überblick über die Handlung des Märchens.
Schlüsselwörter
Heimat, Fremde, Märchen, literaturwissenschaftliche Gattung, „Hans im Glück“, Analyse, Dialektik, Selbstbild, Fremdbild, Identität, Vertrautheit, Sicherheit, Raumorientierung, existenzphilosophische Betrachtung.
Häufig gestellte Fragen zu Heimat und Fremde in Märchen
Wie wird "Heimat" in Märchen der Gebrüder Grimm definiert?
Heimat ist im Märchen oft ein Ort der Sicherheit und Vertrautheit, der jedoch häufig durch Not (Hunger, Armut) verlassen werden muss, um sich in der Fremde zu bewähren.
Was bedeutet die Dialektik zwischen Heimat und Fremde?
Sie besagt, dass Heimat oft erst durch die Distanz in der Fremde als solche wahrgenommen wird. Der Verlust oder die Entfernung konstituiert das Gefühl von Heimat erst richtig.
Wie wird das Thema Heimat in "Hans im Glück" umgesetzt?
Hans tauscht materielle Werte gegen Leichtigkeit ein, während er sich auf den Weg zurück zu seiner Mutter (Heimat) macht. Heimat wird hier als ein Zustand innerer Zufriedenheit und Rückkehr zum Ursprung interpretiert.
Warum müssen Märchenhelden oft in die Fremde ziehen?
Der Aufbruch in die Fremde ist ein notwendiger Schritt zur Identitätsfindung und Reifung. Erst durch Prüfungen in der Fremde kann der Held eine neue oder gefestigte Position in der Welt einnehmen.
Sind Märchen orts- und zeitgebunden?
Nein, Märchen zeichnen sich durch eine typische Ort- und Zeitlosigkeit aus ("Es war einmal..."), was ihre universelle Anwendbarkeit auf menschliche Grundkonflikte wie Heimatverlust stärkt.
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- Anonym (Author), 2017, Heimat, Fremde und Identität in Märchen. Eine begriffliche Herangehensweise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1289659