Wie lässt sich rassistische Diskriminierung in der beruflichen Bildung entgegenwirken und welche Handlungsansätze ergeben sich daraus?
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, rassismuskritische (Bildungs-)Arbeit und damit einhergehend ausgewählte rassismuskritische Handlungsansätze als mögliche Ansätze zu diskutieren. Diese werden auf den Bereich der beruflichen Bildung bezogen, um rassistischer Diskriminierung auf individueller, struktureller und institutioneller Ebene entgegenzuwirken.
Rassismus wird gerade in Deutschland bis heute noch als recht einseitiges, rechtsextremes Phänomen verstanden, welches meist mit einer intentionalen diskriminierenden Absicht und dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird. Dabei ist Rassismus strukturell und institutionell in unserer Gesellschaft verankert und stellt ein noch gegenwärtiges und vielschichtiges Phänomen dar. Auch in Bildungsinstitutionen wirken Rassismen. Dies gilt ebenso für den Bereich der beruflichen Bildung, wo sich Effekte rassistischer Strukturen in Form von Diskriminierung feststellen lassen. Obgleich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) eine gesetzliche Grundlage gegen Diskriminierung setzt (§1 AGG), wird bestimmten Menschen aufgrund von Unterscheidungspraxen die berufliche Teilhabe und damit auch ein stückweit die gesellschaftliche Teilhabe verwehrt. Die wachsende Heterogenität wird im Bereich der Bildung meist als Problem sowie als Bewältigungsaufgabe fokussiert. Dabei werden institutionelle Strukturen in Bezug auf Benachteiligung von Schüler*innen oder Auszubildenden, denen ein sogenannter ‚Migrationshintergrund‘ zugeschrieben wird, in der (Ursachen-)Forschung weniger in Betracht gezogen. Da Rassismus oft zu kurz gedacht wird, mangelt es an ausreichender Thematisierung in vielen gesellschaftlichen Räumen. Der rassismuskritische Ansatz will sich der Aufgabe annehmen, jene Ebene mitzudenken. Rassismus und Diskriminierung erfordern eine tiefgreifende Auseinandersetzung. Die Loslösung und Erweiterung des recht einseitigen Blickes auf das Phänomen Rassismus ist gerade in einer rassismuskritischen Sicht notwendig. Dabei baut das Konzept auf den Kritikpunkten des interkulturellen und antirassistischen Ansatzes auf. Sowohl Akteur*innen und Schüler*innen in Bildungseinrichtungen sollen angeregt werden, diskriminierende Strukturen zu hinterfragen und sich die eigene Mitwirkung in dem Gefüge bewusst machen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretische Grundlagen
1.1 Rassismus
1.1.1 Alltagsrassismus
1.1.1.1 Individuelle Ebene des Rassismus
1.1.1.2 Strukturelle und institutionelle Ebene des Rassismus
1.2 Berufsbildung und Rassismus
1.2.1 Berufliche Bildung
1.2.2 Rassismus im Bildungs- und Ausbildungssektor
2. Forschungsfrage
3. Ansätze zur Reduzierung rassistischer Diskriminierung in der beruflichen Bildung
3.1 Der interkulturelle Ansatz
3.2 Der antirassistische Ansatz
3.3 Der rassismuskritische Ansatz
4. Handlungsansätze rassismuskritischer (Bildungs-)Arbeit in der beruflichen Bildung
4.1 Der Anti-Bias-Ansatz
4.2 Der Critical-Whiteness- Ansatz (die kritische Weißseinsforschung)
4.3 Der Empowerment -Ansatz
5. Schwierigkeiten und Herausforderung rassismuskritischer (Bildungs-) Arbeit in der beruflichen Bildung
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht rassismuskritische Handlungsansätze im Kontext der beruflichen Bildung, um rassistischer Diskriminierung auf individueller, struktureller und institutioneller Ebene gezielt entgegenzuwirken und berufliche Teilhabechancen zu fördern.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Rassismus und dessen institutioneller Verankerung.
- Kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Ansätzen (interkulturell, antirassistisch).
- Vorstellung und Diskussion rassismuskritischer Kernkonzepte (Anti-Bias, Critical Whiteness, Empowerment).
- Aufarbeitung von Herausforderungen und Schwierigkeiten bei der Umsetzung in Bildungssettings.
Auszug aus dem Buch
Einleitung
„The first thing you do is to forget that I'm Black. Second, you must never forget that I'm Black “ (Parker, 1978, o. S.).
Das einleitende Zitat macht die Komplexität rund um das Thema Rassismus deutlich. Rassismus wird gerade in Deutschland bis heute noch als recht einseitiges, rechtsextremes Phänomen verstanden, welches meist mit einer intentionalen diskriminierenden Absicht und dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird (Scharathow, 2018, S. 275; Bukow & Cudak, 2017, S. 386). Dabei ist Rassismus strukturell und institutionell in unserer Gesellschaft verankert und stellt ein noch gegenwärtiges und vielschichtiges Phänomen dar. Auch in Bildungsinstitutionen wirken Rassismen (Gomolla & Radtke, 2009, S. 83ff.). Dies gilt ebenso für den Bereich der beruflichen Bildung, wo sich Effekte rassistischer Strukturen in Form von Diskriminierung feststellen lassen (Scherr, Janz, & Müller, 2015, S. 15ff.).
Obgleich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) eine gesetzliche Grundlage gegen Diskriminierung setzt (§1 AGG), wird bestimmten Menschen aufgrund von Unterscheidungspraxen die berufliche Teilhabe und damit auch ein stückweit die gesellschaftliche Teilhabe verwehrt. Die wachsende Heterogenität wird im Bereich der Bildung meist als Problem sowie als Bewältigungsaufgabe fokussiert. Dabei werden institutionelle Strukturen in Bezug auf Benachteiligung von Schüler*innen oder Auszubildenden, denen ein sogenannter ‚Migrationshintergrund‘ zugeschrieben wird, in der (Ursachen-)Forschung weniger in Betracht gezogen (Kalpaka, 2011, S. 25ff.). Da Rassismus oft zu kurz gedacht wird, mangelt es an ausreichender Thematisierung in vielen gesellschaftlichen Räumen. Der rassismuskritische Ansatz will sich der Aufgabe annehmen, jene Ebene mitzudenken. Rassismus und Diskriminierung erfordern eine tiefgreifende Auseinandersetzung (Leiprecht, 2015, S. 121ff.). Die Loslösung und Erweiterung des recht einseitigen Blickes auf das Phänomen Rassismus ist gerade in einer rassismuskritischen Sicht notwendig (Scharathow, Melter, Leiprecht, & Mecheril, 2011, S. 11). Dabei baut das Konzept auf den Kritikpunkten des interkulturellen und antirassistischen Ansatzes auf. Sowohl Akteur*innen und Schüler*innen in Bildungseinrichtungen sollen angeregt werden, diskriminierende Strukturen zu hinterfragen und sich die eigene Mitwirkung in dem Gefüge bewusst machen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Überblicksartige Einführung in die Thematik Rassismus im Bildungssystem sowie Darlegung von Relevanz, Zielsetzung und Aufbau der Arbeit.
1. Theoretische Grundlagen: Definition von Rassismus als vielschichtiges Phänomen sowie Betrachtung der spezifischen Wirkungsweisen im Sektor der beruflichen Bildung.
2. Forschungsfrage: Herleitung der zentralen Forschungsfrage zur Bekämpfung rassistischer Diskriminierung in der beruflichen Bildung aus den theoretischen Erkenntnissen.
3. Ansätze zur Reduzierung rassistischer Diskriminierung in der beruflichen Bildung: Kritische Analyse des interkulturellen und antirassistischen Ansatzes als Vorstufen für eine rassismuskritische Perspektive.
4. Handlungsansätze rassismuskritischer (Bildungs-)Arbeit in der beruflichen Bildung: Detaillierte Darstellung des Anti-Bias-Ansatzes, von Critical Whiteness und Empowerment als konkrete Interventionsmöglichkeiten.
5. Schwierigkeiten und Herausforderung rassismuskritischer (Bildungs-) Arbeit in der beruflichen Bildung: Diskussion der Hürden, wie etwa Affekte und institutionelle Widerstände, bei der Implementierung rassismuskritischer Maßnahmen.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen bezüglich notwendiger zukünftiger Forschungsanstrengungen.
Schlüsselwörter
Rassismuskritik, Berufliche Bildung, Institutionelle Diskriminierung, Anti-Bias-Ansatz, Critical Whiteness, Empowerment, Intersektionalität, Bildungssektor, Machtverhältnisse, Selbstreflexion, Migrationshintergrund, Rassismus, Antisemitismus, Heterogenität, Bildungsgerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit fokussiert sich auf die kritische Auseinandersetzung mit Rassismus im Bildungssystem und exploriert Handlungsmöglichkeiten für die berufliche Bildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind Rassismuskritik, pädagogische Ansätze zur Reduzierung von Diskriminierung sowie die institutionellen Rahmenbedingungen beruflicher Bildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Wie lässt sich rassistische Diskriminierung in der beruflichen Bildung entgegenwirken und welche Handlungsansätze ergeben sich daraus?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die aktuelle Erziehungswissenschaftliche Diskurse und Studien zum Thema Rassismuskritik auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine kritische Bestandsaufnahme bisheriger Ansätze und die Vorstellung spezifischer Interventionen wie Anti-Bias, Critical Whiteness und Empowerment.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Rassismuskritik, institutionelle Diskriminierung, berufliche Bildung und Empowerment.
Warum ist die Unterscheidung zwischen interkulturellem und rassismuskritischem Ansatz so wichtig?
Der Autor argumentiert, dass interkulturelle Ansätze die strukturelle Machtdimension oft vernachlässigen, während rassismuskritische Ansätze die eigene Verstrickung in gesellschaftliche Machtverhältnisse in den Fokus rücken.
Welche Rolle spielen Betriebe bei der Umsetzung dieser Ansätze?
Da Betriebe einer der zwei zentralen Lernorte sind, müssen auch sie in rassismuskritische Prozesse eingebunden werden, um beispielsweise bei der Lehrstellenvergabe diskriminierungsfreie Strukturen zu etablieren.
- Citar trabajo
- Eli Klouvi Nana (Autor), 2021, Handlungsansätze rassismuskritischer Bildungsarbeit in der beruflichen Bildung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1288858