Zunächst sollen in der Arbeit die relevanten Begriffe und Konzepte für die Analyse von Hobbes Leviathan in Bezug auf die Identifikation mit dem Aggressor etabliert werden, und hierzu für die Arbeit anwendbare Definitionen und Konkretisierungen dieser erstellt werden. Im folgenden Abschnitt werden themenrelevante Stellen aus Hobbes Leviathan näher herausgearbeitet, und im Kontext des Werks selbst dargestellt. Ergänzend wird hierbei Carl Schmitts Analyse des Fehlschlagens des Leviathans auf der Ebene der Identifikation angewandt. Abschließend soll die Relevanz einer Identifikation mit dem Aggressor für das zuvor bearbeitete Material betrachtet werden, und sich näher mit der Notwendigkeit dieser Art der Identifikation für die Funktion von Hobbes politischer Theorie befasst werden.
Thomas Hobbes verlangt in seinem Hauptwerk, dem Leviathan, dass die Menschen sich zur Sicherung ihrer eigenen Interessen und Sicherheitsbedürfnisse der absoluten Herrschaft eines Menschen, oder auch einer Gruppe von Menschen, unterwerfen. Nur so kann das elende und kurze Leben, das nach Hobbes außerhalb der stabilen Staatlichkeit im Naturzustand herrscht, abgewendet werden. Es handelt sich also um eine Abgabe von Freiheiten im Austausch für Sicherheit. Diese Arbeit soll sich mit der Frage befassen, inwiefern diese Konstruktion, vom psychologischen Konzept bzw. Mechanismus der Identifikation mit dem Aggressor abhängig ist, wobei Hobbes Leviathan die Rolle des Aggressors einnimmt. Zur weiteren Erläuterung der Kernfrage werden andere integrale Konzepte der hobbesschen Konstruktion, wie zum Beispiel die Rolle des Vertrauens, der Angst, und der allgemeinen Identifikation mit dem Leviathan, in dieser Arbeit ausgeführt. Insbesondere die Frage der Beziehung zwischen dem Leviathan und den Menschen unter seiner Herrschaft steht im Zentrum der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 1.1 Fragestellung
- 1.2 Methodik
- 2. Die Identifikation mit dem Aggressor in der Psychologie
- 2.1 Anna Freud über die Identifikation mit dem Aggressor
- 2.2 Sandor Ferenczi über Trauma und Introjektion des Aggressors
- 2.3 Arno Gruen und der Verrat am Selbst
- 3. Angst, Vertrauen und Identifikation in Thomas Hobbes Leviathan
- 3.1 Zwei Arten der Angst im Leviathan
- 3.2 Vertikales Vertrauen im Gesellschaftszustand
- 3.3 Carl Schmitt über fehlende Identifikation mit dem Leviathan
- 4. Identifikation mit dem Aggressor anstatt Zwang zur Identifikation
- 4.1 Von der Angst zur Identifikation mit dem Leviathan
- 4.2 Introjektion des Leviathans und Aufgabe der Autonomie
- 5. Fazit und Einordung der Ergebnisse
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert, inwiefern Thomas Hobbes' Konzept der absoluten Herrschaft im Leviathan auf dem psychologischen Mechanismus der Identifikation mit dem Aggressor basiert. Sie untersucht die Rolle von Angst, Vertrauen und Identifikation in Hobbes' Konstruktion und beleuchtet die Beziehung zwischen dem Leviathan und den Menschen unter seiner Herrschaft.
- Die Identifikation mit dem Aggressor als Grundlage für Hobbes' politische Theorie
- Die Rolle von Angst und Vertrauen in der Beziehung zwischen Leviathan und Bürgern
- Die Notwendigkeit der Identifikation mit dem Leviathan für die Stabilität des Staates
- Die Introjektion des Leviathans und die Abgabe individueller Autonomie
- Die Relevanz von Carl Schmitts Analyse des Fehlschlagens des Leviathans auf der Ebene der Identifikation
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel stellt die Fragestellung und Methodik der Arbeit vor. Das zweite Kapitel beleuchtet die Identifikation mit dem Aggressor in der Psychologie aus verschiedenen Perspektiven, insbesondere von Anna Freud und Sandor Ferenczi. Das dritte Kapitel analysiert Hobbes' Leviathan und die Konzepte von Angst, Vertrauen und Identifikation. Das vierte Kapitel untersucht die Notwendigkeit einer Identifikation mit dem Aggressor im Kontext von Hobbes' politischer Theorie.
Schlüsselwörter
Identifikation mit dem Aggressor, Thomas Hobbes, Leviathan, Angst, Vertrauen, Staat, Herrschaft, Autonomie, Introjektion, Carl Schmitt.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „Identifikation mit dem Aggressor“ im Kontext von Hobbes?
Es beschreibt den psychologischen Mechanismus, bei dem sich Individuen aus Angst dem absoluten Herrscher (dem Leviathan) unterwerfen und dessen Machtansprüche verinnerlichen, um ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten.
Warum unterwerfen sich die Menschen laut Hobbes dem Leviathan?
Um dem „elenden und kurzen Leben“ im Naturzustand zu entkommen, tauschen die Menschen ihre individuelle Freiheit gegen die kollektive Sicherheit ein, die nur eine absolute Herrschaft bieten kann.
Welche Rolle spielt die Angst in Hobbes' politischer Theorie?
Angst ist die fundamentale Triebkraft: Zuerst die Angst vor dem gewaltsamen Tod im Naturzustand und später die Angst vor der Strafgewalt des Leviathans, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichert.
Wie bezieht sich Carl Schmitt auf Hobbes' Leviathan?
Die Arbeit nutzt Schmitts Analyse, um das potenzielle Fehlschlagen des Leviathans zu untersuchen, wenn die Identifikation der Bürger mit dem Staat auf psychologischer Ebene nicht dauerhaft gelingt.
Was ist mit der „Introjektion des Leviathans“ gemeint?
Dies bezeichnet die psychologische Aufnahme der staatlichen Autorität in das eigene Selbstbild, was zur Aufgabe der individuellen Autonomie führt.
- Arbeit zitieren
- Lukas Unger (Autor:in), 2021, Aspekte der Identifikation mit dem Aggressor in Thomas Hobbes "Leviathan", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1280228