Frankenstein – Ein Name, der bei jedem, der ihn hört, eine bestimmte Assoziation hervorruft. Oft verbindet man damit das Bild von Boris Karloff, der als Monster Kinobesucher in Angst und Schrecken versetze. Selten hingegen denkt man an den eigentlichen Inhaber des Namens, den Wissenschaftler Frankenstein, der mit dem Willen Gutes zu tun eine menschenähnliche Kreatur schafft. Diese schwört ihrem Schöpfer, aufgrund entsagter Liebe, Rache.
Beide Figuren sind auf eine andere Art tragisch, durchleben Zeiten voller Kummer und Leid und verändern daraufhin ihren Charakter.
Der eine erleidet einen Mangel an Liebe, der andere einen Verlust an geliebten Menschen, denn das Monster mordet analog zum steigenden Gefühl von Ungerechtigkeit und Einsamkeit. Schließlich kommt es zum finalen Kampf im arktischen Eis, in dem beide den Tod finden.
In dieser Abhandlung möchte ich anhand des Romans von Mary Shelley das Verhältnis von Gut und Böse herausarbeiten. Dabei soll es um die Frage gehen, ob die Protagonisten moralisch böse handeln, welche Motivationen sie haben und ob ihre Taten zu rechtfertigen sind.
Zunächst werde ich in fünf Abschnitten die Entwicklung der Geschichte und der Charaktere darlegen und analysieren. Am Ende soll unter einem ethischen Gesichtspunkt geklärt werden, in welchem moralischen Sinne die Protagonisten handeln und wie ihre Taten zu bewerten sind.
Inhaltsverzeichnis
1.) Der moderne Prometheus und sein ungeliebtes Geschöpf
1.1.) Einleitung
1.2.) Die fünf Akte des Bösen
I. Akt: Der Wille, Gutes zu tun
II. Akt: Die Schöpfung
III. Akt: Die Sünde
IV. Akt: Die Wiedergutmachung
V. Akt: Die Rache
2.) Rezeption
3.) Von Natur aus gut und zum Bösen getrieben oder Das Gute und das Böse in Frankenstein – Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Gut und Böse in Mary Shelleys Roman Frankenstein. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die Protagonisten moralisch böse handeln, welche individuellen Motivationen ihrem Handeln zugrunde liegen und inwiefern ihre Taten ethisch zu bewerten oder zu rechtfertigen sind.
- Analyse der prometheischen Ambitionen von Victor Frankenstein und deren Auswirkungen.
- Untersuchung der psychologischen Entwicklung des Monsters vom friedlichen Wesen zum Mörder.
- Reflexion über die Rolle der Gesellschaft bei der Stigmatisierung des Fremden.
- Betrachtung der Dialektik von Schöpfer und Geschöpf als Doppelgänger-Motiv.
- Ethik der Schöpfung und die Verantwortung des Wissenschaftlers.
Auszug aus dem Buch
I. Akt: Der Wille, Gutes zu tun
Victor Frankenstein, von Robert Walton als bewundernswerter und Sympathie erweckender Mann bezeichnet, wollte große Taten im Sinne der Menschheit vollbringen. „Ich hatte mein Leben mit menschenfreundlichen Absichten angetreten, und mich hatte nach der Gelegenheit gedürstet, diese in die Praxis umzusetzen und mich für meine Mitmenschen nützlich zu machen.“ Genauso wie Walton, der für neue Erkenntnisse sein und das Leben seiner Mannschaft riskiert, stürzte sich Frankenstein früh mit ganzem Eifer in die Erforschung unergründeter Gebiete, ohne Rücksicht auf seine Gesundheit und die langfristigen Konsequenzen der Arbeit. „Leben oder Tod eines Mannes scheinen nur ein geringer Preis zu sein für die Kenntnisse, nach denen ich suche“.
Im Nachhinein zeigt sich Frankenstein zwar besorgt über Waltons Eifer und sinniert über die unheilvolle Rolle des Ehrgeizes, aber in jungen Jahren zeigte er ein ähnlich engagiertes Verhalten, weshalb Frankenstein ihm seine Lebensgeschichte erzählt. „Lernen Sie von mir, wennschon nicht aus meinen Lehren, so doch wenigstens aus meinem Beispiel, wie gefährlich es ist, Wissen zu erwerben, und wie viel glücklicher jener Mann ist, der seine Heimatstadt für die Welt hält, als jener, der über seine Natur hinauswachsen will!“
Frankenstein bezeichnet seine Kindheit als eine einzige Kette von Freuden. Weder im Zusammenleben mit seiner „Schwester“ Elizabeth noch mit seinen Eltern wurde er mit Streitsituationen konfrontiert. „Ich brauche nicht zu sagen, daß uns alle Arten von Streit und Unannehmlichkeit fremd blieben.“ Diese Ausschließlichkeit einer harmonischen Gemeinschaft, machte ihn möglicherweise blind dafür, an das Böse und seine Ursachen zu glauben.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Der moderne Prometheus und sein ungeliebtes Geschöpf: Einleitende Analyse der Protagonisten und der fünf Phasen ihrer tragischen Entwicklung, die den Rahmen für die moralische Bewertung ihres Handelns bilden.
2.) Rezeption: Untersuchung des Romans als gattungsübergreifendes Werk zwischen Schauerliteratur und Science Fiction sowie der literaturwissenschaftlichen Einordnung des Stoffes.
3.) Von Natur aus gut und zum Bösen getrieben oder Das Gute und das Böse in Frankenstein – Zusammenfassung: Synthese der ethischen Fragestellungen, die zeigt, dass Gut und Böse in Frankenstein untrennbar miteinander verwoben sind und die Rollen von Täter und Opfer im Verlauf verschwimmen.
Schlüsselwörter
Frankenstein, Mary Shelley, Das Böse, Gut und Böse, Prometheus, Moral, Ethik, Monster, Schöpfung, Doppelgänger, Verantwortung, Wissenschaft, Gotik, Science Fiction, Menschwerdung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das moralische Spannungsfeld zwischen Victor Frankenstein und seiner Kreatur im Roman von Mary Shelley, wobei die ethische Bewertung ihres Handelns im Fokus steht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Missbrauch wissenschaftlicher Macht, die psychologische Prägung durch soziale Ausgrenzung, die Dualität von Schöpfer und Geschöpf sowie die philosophische Differenzierung von Gut und Böse.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob die Handlungen der Charaktere als böse eingestuft werden können oder ob sie als Konsequenz einer unverantwortlichen Schöpfung und gesellschaftlicher Ablehnung verstanden werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romantextes, unterstützt durch den Einbezug fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zu den Themen Prometheus-Mythos, Horror-Genre und Ethik.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert den Werdegang von Frankenstein und seinem Geschöpf in fünf Akte, beginnend beim initialen Schöpfungswillen bis hin zur finalen Rache und gegenseitigen Vernichtung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Publikation?
Die zentralen Schlagworte umfassen Frankenstein, Moral, Ethik, das Böse, Prometheus-Mythos und die psychologische Entwicklung der Protagonisten.
Wie unterscheidet sich Frankensteins Schöpfung vom antiken Prometheus?
Im Gegensatz zum antiken Prometheus, der Verantwortung für sein Werk trägt, handelt der moderne Frankenstein aus Egoismus und vernachlässigt sein Geschöpf nach der Erschaffung, was die Tragödie auslöst.
Inwiefern ist das Monster eine Allegorie auf den Menschen?
Die Arbeit verdeutlicht, dass das Monster durch seine soziale Isolierung und die ihm entgegengebrachte Ablehnung gezwungen wird, menschliche Züge zugunsten von Brutalität abzulegen, was die zerstörerische Kraft gesellschaftlicher Diskriminierung widerspiegelt.
- Quote paper
- Kristina Hötte (Author), 2008, Das Böse in Mary Shelleys Roman "Frankenstein" oder der Glaube an das Gute vereint das Moralische wie das Unmoralische, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127976