Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wieso der Mensch es noch heute als selbstverständlich ansieht, andere nicht-menschliche Lebewesen töten und verzehren zu dürfen.
Die Debatte um das Tierwohl ist eine derzeit sehr häufig anzutreffende Auseinandersetzung in Deutschland. Diese wird meistens im Zusammenhang mit der Nahrungsmittelherstellung und dem Konsum von Fleisch thematisiert, dabei jedoch in der öffentlichen Diskussion häufig vermischt mit Thematiken wie der ökologischen Nachhaltigkeit sowie einer ethisch und moralisch ‚richtigen‘ Ernährungsweise.
Diesen Fragen nachgehend soll die in allen Kulturkreisen verbreitete, aber heute kritisch betrachtete Annahme einer anthropologischen Differenz, nach der die Menschen anderen nicht-menschlichen Lebewesen aufgrund ihrer einzigartigen Fähigkeiten überlegen seien, geprüft werden.
Auch das Konzept des Speziesismus, einer moralischen Diskriminierung und Degradierung anderer Arten ausschließlich aufgrund ihrer Artzugehörigkeit, wird dabei eingezogen.
Menschen, die das Töten von Tieren ablehnen, argumentieren auf der anderen Seite gegen die Vertretbarkeit des Tötens von Tieren, mit der Fähigkeit dieses Leid zu empfinden. Ist die Leidensfähigkeit von Tieren also ein Kriterium, weshalb diese nicht getötet werden dürfen, auch wenn der Mensch den oben genannten Konzepten zufolge dem Tier doch als überlegen gilt? Und wie plausibel ist auf der anderen Seite eine selbstverständliche Grenzziehung zwischen den auf Basis ihrer Leidensfähigkeit schützenswerten Tieren und den Pflanzen, die der Mensch selbstverständlich töten darf?
Schließlich handelt es sich auch bei Pflanzen um Lebewesen, denn einiges spricht dafür, dass nicht nur ‚das liebe Vieh, sondern auch Gemüse- und Getreidepflanzen empfindungsfähig sind. Auch hier kommt es, zugeschrieben durch den Menschen, zu einer Überhöhung der Tiere gegenüber den Pflanzen. Woher kommt diese Selbstverständlichkeit, mit der wir Menschen anderen Arten ihren Platz zuweisen?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Überhöhung des Menschen gegenüber anderer Lebewesen
- Das Konzept des Speziesismus
- Anthropologische Differenz
- Das Kriterium der Empfindungs- / Leidensfähigkeit
- Das Problem mit der Leidensfähigkeit
- Die Empfindungsfähigkeit der Pflanzen als entkräftigendes Argument?
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ethischen Frage, ob und inwieweit der Mensch berechtigt ist, andere Lebewesen zu töten und zu verzehren. Sie untersucht die anthropologische Differenz und das Konzept des Speziesismus, die eine moralische Überlegenheit des Menschen gegenüber anderen Spezies postulieren. Des Weiteren wird die Leidensfähigkeit von Tieren als Kriterium für ihre moralische Berücksichtigung diskutiert.
- Die anthropologische Differenz und ihre Relevanz für die Rechtfertigung des Tötens von Tieren
- Das Konzept des Speziesismus als Form der Diskriminierung aufgrund der Artzugehörigkeit
- Die Rolle der Leidensfähigkeit von Tieren in der ethischen Debatte um das Töten und Verzehren
- Die Grenzen der moralischen Berücksichtigung: Der Vergleich von Tieren und Pflanzen
- Die Notwendigkeit einer ethischen Reflexion der Mensch-Tier-Beziehung
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Das Kapitel führt in die Thematik des Tierwohls und die Frage nach der Stellung des Menschen in der Natur ein. Es stellt die zwei zentralen Thesen der Arbeit vor: die Unzulänglichkeit der anthropologischen Differenz zur Rechtfertigung des Tötens von Tieren und die Defizitäre Argumentation, die allein auf der Empfindungsfähigkeit von Lebewesen beruht.
- Die Überhöhung des Menschen gegenüber anderer Lebewesen: Dieses Kapitel beleuchtet die historische und gegenwärtige Annahme einer anthropologischen Differenz zwischen Mensch und Tier. Es wird das Konzept des Speziesismus eingeführt und seine Auswirkungen auf die moralische Bewertung von Tieren erläutert.
Schlüsselwörter
Anthropologische Differenz, Speziesismus, Tierethik, Leidensfähigkeit, Empfindungsfähigkeit, Mensch-Tier-Beziehung, moralische Berücksichtigung, Fleischkonsum, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Speziesismus?
Speziesismus bezeichnet die moralische Diskriminierung von Lebewesen ausschließlich aufgrund ihrer Artzugehörigkeit, ähnlich wie Rassismus oder Sexismus.
Was ist die „anthropologische Differenz“?
Es ist die Annahme, dass der Mensch aufgrund spezifischer Fähigkeiten (wie Vernunft oder Sprache) anderen Lebewesen grundsätzlich überlegen und daher moralisch höhergestellt sei.
Warum ist die Leidensfähigkeit ein zentrales Kriterium in der Tierethik?
Ethiker argumentieren, dass die Fähigkeit, Schmerz und Leid zu empfinden, das entscheidende Merkmal ist, das uns verpflichtet, Tieren moralische Rechte einzuräumen.
Sind auch Pflanzen empfindungsfähig?
Die Arbeit diskutiert kritisch, ob die Grenzziehung zwischen schützenswerten Tieren und "nutzbaren" Pflanzen haltbar ist, wenn man neue Erkenntnisse zur Sensibilität von Pflanzen einbezieht.
Darf der Mensch Tiere für Nahrung töten?
Diese ethische Grundfrage wird in der Arbeit vor dem Hintergrund von Speziesismus und anthropologischer Überhöhung kritisch hinterfragt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Die Überhöhung des Menschen gegenüber anderen Lebewesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1279059