Zusammenfassende Darstellung aller aktuellen Alterstheorien und ihrer Umgangsweise mit dem Thema "Altern". „Überwiegt die Mangelseite, so versinkt die Welt in einem depressiven Jammertal, alles ist aussichtslos, mit einem Grauschleier überdeckt. Lichtblicke werden kaum bemeerkt, haben wenig Gewicht.“ (zitiert nach Eisenmann, 2000).
Die Defizittheorie begründet sich auf einer empirischen Studie von Yerkes aus dem Jahre 1921, bei der Leistungs- und Intelligenzmessungen bei Militärangehorigen der US-Streitkräfte zur Zeit des ersten Weltkriegs durchgeführt wurden, da man glaubte, daraus auf die Karriere der Untersuchten schließen zu können.Hierbei beobachtete man einen Anstieg der Intelligenz bis in das dritte Lebensjahrzehnt und danach einen kontinuierlichen Abfall.Leider schloss man daraus, dass dieser Umstand auch auf alle anderen menschlichen Funktionen in physischer und psychischer Hinsicht zuträfe, was in den folgenden Jahren mehrfach widerlegt worden ist.
Diese Defizittheorie betrifft also im Wesentlichen die Perspektive des Mangels, des Fehlens bestimmter Fähigkeiten oder Fertigkeiten, das Gefühl von etwas Unfertigem.Teilweise wird sie sogar als eine bloße Beschreibung von medizinischen und psychologischen Beobachtungen dargestellt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Defizittheorie
2. Kompetenz-Modell
3. Aktivitätstheorie
4. Disengagementtheorie
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit verschiedenen wissenschaftlichen Theorien auseinander, die versuchen, den Prozess des Alterns aus psychologischer, soziologischer und leistungsorientierter Perspektive zu erklären und zu bewerten.
- Gegenüberstellung von Defizit- und Kompetenzmodellen
- Analyse der Bedeutung von Aktivität für das Wohlbefinden im Alter
- Diskussion des Disengagement-Konzepts als sozialen Rückzug
- Betrachtung von Rollenverlusten und gesellschaftlichen Erwartungen
- Reflektion über die Veränderbarkeit individueller Fähigkeiten im Lebensverlauf
Auszug aus dem Buch
Aktivitätstheorie:
„Wer aktiv ist, ist glücklicher.“ (zitiert nach Eisenmann, 2000)
Nach Rudolf Tartler , einem der bedeutendsten Forscher auf diesem Gebiet der 60er Jahre haben wir es hier mit einer programmatischen Idee des erfolgreichen Alterns zu tun, welche versucht, den Verlust des Berufslebens durch adäquaten Ersatz zu kompensieren.
Glück und Zufriedenheit eines Menschen hängen vom Umfang seines aktiven Einflusses auf die Umwelt und von seinem Gebrauchtwerden ab. Die älteren Menschen werden unfreiwillig aus Beruf und Familie ausgegliedert, zur Passivität gezwungen. Die älteren Menschen werden aus sozialen Bezugsgruppen wie Familie oder Beruf ausgegliedert, weil sie für diese keinen wichtigen Funktionen mehr erfüllen. Durch den immer schneller werdenden Wandel gesellschaftlicher Werte und Normen erweist sich seine Lebenserfahrung scheinbar als untauglich und veraltet, die Großfamilie ist out. Bei Erreichen gesellschaftlich festgelegten Altersgrenze, sprich dem Renteneintrittsalter, wird er aus dem Arbeitsleben ausgegliedert, ob er will oder nicht, ob er noch Leistung erbringen kann oder nicht. Durch diese Rollenverluste, Auflösung des Familienlebens und der Berufsaufgabe, erleidet der ältere Mensch einen Funktionsverlust und dadurch eine erhebliche Begrenzung seiner Handlungsspielraums: er fühlt sich überflüssig.
Zusammenfassung der Kapitel
Defizittheorie: Beschreibt das Altern primär als einen Prozess des körperlichen und geistigen Abbaus, der durch eine pessimistische Grundhaltung und den Vergleich mit der eigenen Jugend geprägt ist.
Kompetenz-Modell: Fokussiert auf die bewusste Akzeptanz des Alterns und betont die Fähigkeit, durch den Erwerb und die Verbesserung vorhandener Kompetenzen ein lebenswertes Alter zu gestalten.
Aktivitätstheorie: Postuliert, dass Glück und Zufriedenheit im Alter eng mit einem aktiven Einfluss auf die Umwelt und der Vermeidung von Passivität verbunden sind.
Disengagementtheorie: Betrachtet den sozialen Rückzug des älteren Menschen als eine natürliche und notwendige Vorbereitung auf das Lebensende, bei der Rollen an Jüngere abgegeben werden.
Schlüsselwörter
Altern, Defizittheorie, Kompetenzmodell, Aktivitätstheorie, Disengagementtheorie, Lebensabend, Rollenverlust, soziale Teilhabe, Leistungsfähigkeit, psychische Gesundheit, Lebensqualität, Alternsforschung, Anpassung, soziale Kontakte, Selbstbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine Übersicht über zentrale theoretische Ansätze der Alternsforschung, die das Altern als biologischen, sozialen und psychologischen Prozess betrachten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Bewertung des Alters aus der Defizit-Perspektive, die Bedeutung von Kompetenzentwicklung, der Zusammenhang zwischen Aktivität und Zufriedenheit sowie das Konzept des sozialen Rückzugs.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Ziel ist es, die verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven auf das Altern einander gegenüberzustellen, um ein differenziertes Bild darüber zu vermitteln, wie ältere Menschen ihre Lebenssituation wahrnehmen und gestalten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse bekannter Modelle der Alternsforschung, ergänzt durch zitierte empirische Studien und Forschungsbeiträge.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander die Defizittheorie, das Kompetenz-Modell, die Aktivitätstheorie und die Disengagementtheorie detailliert erläutert und kritisch hinterfragt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Altern, Kompetenz, Aktivität, Disengagement, Rollenverlust und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Lebensphase Alter.
Wie unterscheidet sich das Kompetenz-Modell von der Defizittheorie?
Während die Defizittheorie den Fokus auf Verlust und Abbau legt, betont das Kompetenz-Modell die bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Schwächen, um durch Anpassung und Kompetenzerhalt eine hohe Lebensqualität zu sichern.
Warum wird die Disengagementtheorie heute kritisch gesehen?
Die Theorie gilt als weitgehend überholt, da sie den sozialen Rückzug als notwendigen biologischen Prozess missversteht und die individuellen Chancen auf eine aktive und selbstbestimmte Gestaltung des Lebensabends vernachlässigt.
- Arbeit zitieren
- Dipl.Sportwissenschaftler Christian Ovelhey (Autor:in), 2007, Sozialwissenschaftliche Theorien des Alterns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127787