Der Versuch, Thomas Manns Romanschluss von "Lotte in Weimar" als Beleg für dessen christlichen Jenseitsglauben heranzuziehen, erweist sich nicht nur als methodisch unsachgemäß, sondern auch als inhaltlich inadäquat. Im mehrfach verspiegelten und verschlüsselten Traumfinale erdichtet die desillusionierte Hofrätin Kästner in Goethes zur Poetisierung der Biographie anregendem Reisewagen kompensatorisch das ersehnte lieto fine ihrer Jugendliebesgeschichte, das ihr der reservierte Geheime Rat in der Wirklichkeit nicht gewährt hat. Insbesondere die intertextuellen Referenzen zum Schluss von Goethes Wahlverwandtschaften widerlegen durch die Kontexte bei Goethe und beim zitierenden Thomas Mann sowohl die Christlichkeit als auch den Jenseitsglauben auf der Erzählerebene wie auf der Werkebene.
Inhaltsverzeichnis
- Goethes „Erscheinung“
- Träumerei
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text analysiert den Schluss von Thomas Manns Goethe-Roman „Lotte in Weimar“ und erforscht die komplexe Verbindung zwischen Realität und Traum, sowie die Rolle der Metaphysik im Werk.
- Goethes „Erscheinung“ und die Transformation der Realität
- Die Funktion von Träumen in Thomas Manns Werk
- Die Bedeutung von Mythen und Symbolen im Roman
- Die Ambivalenz der Beziehung zwischen Charlotte Kestner und Goethe
- Die philosophische Grundlage von Manns Roman
Zusammenfassung der Kapitel
Goethes „Erscheinung“
Das erste Kapitel befasst sich mit der Begegnung von Charlotte Kestner und Goethe in Weimar. Die Autorin analysiert den Verlauf der Begegnung, insbesondere Goethes Zurückhaltung gegenüber der Hofrätin, und stellt die literarische und philosophische Bedeutung dieser Szene dar.
Träumerei
Das zweite Kapitel untersucht die Rolle des Traums im Finale von „Lotte in Weimar“. Der Text betont die Abkehr von der Realität und die Verlagerung in den Bereich der Imagination. Die Autorin zeigt, wie sich die Handlung im Traumhafte auflöst, und wie diese Auflösung mit dem philosophischen Hintergrund des Werkes zusammenhängt.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Lotte in Weimar, Goethe, Traum, Wirklichkeit, Metaphysik, Epiphanie, Symbolismus, Versöhnung, Imagination, Philosophie, Schopenhauer, Literaturgeschichte, .
Häufig gestellte Fragen
Wie endet der Roman "Lotte in Weimar" von Thomas Mann?
Der Roman endet mit einem mehrfach verspiegelten Traumfinale in Goethes Reisewagen, in dem Charlotte Kestner sich ein versöhnliches Ende ihrer Jugendliebe erdichtet.
Welche Rolle spielt der Traum im Finale des Romans?
Der Traum dient als kompensatorisches Element für die desillusionierte Hofrätin, um die Reserviertheit des realen Goethe in Weimar zu überwinden.
Warum ist der Romanschluss kein Beleg für Manns christlichen Jenseitsglauben?
Die Arbeit zeigt, dass die intertextuellen Referenzen und die Traumstruktur sowohl die Christlichkeit als auch einen realen Jenseitsglauben auf Werkebene widerlegen.
Welche Referenzen gibt es zu Goethes "Wahlverwandtschaften"?
Thomas Mann nutzt gezielte Zitate und Motive aus den „Wahlverwandtschaften“, um die Ambivalenz und die metaphysische Ebene des Romanschlusses zu unterstreichen.
Was symbolisiert Goethes "Erscheinung" im Werk?
Goethes Erscheinen wird als Transformation der Realität und als Epiphanie dargestellt, die Charlotte zwischen Mythos und Wirklichkeit schwanken lässt.
Welche philosophischen Einflüsse prägen den Roman?
Die Arbeit verweist unter anderem auf Schopenhauer als philosophische Grundlage für Manns Darstellung von Wille, Vorstellung und Imagination.
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- Werner Frizen (Author), Über den Schluss von Thomas Manns Goethe-Roman und die Letzten Dinge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1275920