Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge von Rainer Maria Rilke haben als zentrales Thema die Veränderung und die damit einhergehende Identitätskrise. Maltes Ich-Verlust wird beeinflusst durch seine Gegenwart in der Großstadt Paris, Erinnerungen an seine Kindheit sowie erinnerte und erzählte Inhalte und Lektüren. Durch verschiedene Anlässe wie Wahrnehmungen, Erfahrungen und Erinnerungen wird seine Veränderung und Entwicklung ausgelöst. Dieser Wandel spiegelt sich auch in seinem Schreiben, das in dieser Bachelorarbeit näher untersucht wird.
Malte Laurids Brigge ist der Ich-Erzähler und Verfasser der Aufzeichnungen. In den ersten Abschnitten wird jedoch deutlich, dass er sich als Dichter in einer Krise befindet. Nach nur drei Wochen in Paris bemerkt Malte, dass er sich verändert. Malte verliert sein stabiles Ich. Damit reihen sich die Aufzeichnungen in die Thematik der Krise der Subjektivität ein, die an der Jahrhundertwende u.a. von Nietzsche, Freud und Ernst Mach reflektiert wurde. Maltes unbekanntes Inneres lässt sich mit dem Unbewussten nach Freud vergleichen. Nach Freud ist Maltes Ich nicht mehr Herr im eigenen Haus. In ihm ist etwas Fremdes.
Maltes Veränderung wirkt sich auf sein Schreiben aus. Durch die Erkenntnis, keine Briefe mehr schreiben zu können, entsteht ein Bruch zwischen dialogischem Schreiben und den monologischen Aufzeichnungen. Malte entscheidet sich für die Einsamkeit und zieht sich zurück. Dadurch wird die Perspektive seiner Subjektivität verstärkt. Die Aufzeichnungen enthalten seine Gefühle und Gedanken. Es gibt keine weitere Erzählinstanz, die eine andere Position zulassen würde. Diese Isolation ist Voraussetzung für Maltes weitere Entwicklung. Malte beschreibt seine Veränderung neutral. Er weiß nicht, wodurch sie entstanden ist und wie sie sich auswirken wird. Die Isolation scheint der einzige Weg zu sein, daher ist der Prozess für ihn nichts Negatives.
Am Ende der vierten Aufzeichnung stellt sich jedoch die Frage, ob Malte überhaupt noch schreiben kann. Ihm sei es unmöglich, an fremde Leute zu schreiben. Als Dichter kennt man jedoch den Großteil seiner Leser nicht. Wenn er für keine Leser mehr schreiben kann, bleibt er sein einziger Leser.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Schreiben und Lesen gegen die Furcht
- Schreiben gegen den Selbstverlust
- Schreiben auf Grundlage von Erfahrungen
- Neues Sehen und neues Schreiben
- Abschreiben und Diktieren
- Intertextualität: Baudelaire
- Das Diktat von Graf Brahe
- Das Erzählen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Bachelorarbeit analysiert das Schreiben des Ich-Erzählers Malte Laurids Brigge in Rainer Maria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge". Im Zentrum steht Maltes Identitätskrise, die durch seinen Aufenthalt in Paris, Kindheitserinnerungen und literarische Einflüsse ausgelöst wird. Die Arbeit untersucht, wie sich Maltes Wandel in seinem Schreiben widerspiegelt und welche Rolle das Schreiben für seine Bewältigung der Krise spielt.
- Maltes Identitätskrise im Kontext der Jahrhundertwende
- Die Rolle des Schreibens als Ausdruck und Verarbeitung der Veränderung
- Maltes Auseinandersetzung mit der Großstadt Paris und ihren Auswirkungen auf sein Selbstbild
- Die Bedeutung von Erinnerung und Literatur für die Entwicklung von Maltes Identität
- Der Bruch zwischen dialogischem und monologischem Schreiben
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung führt in die Thematik der Identitätskrise und des Schreibens in Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" ein. Die Arbeit analysiert den Zusammenhang zwischen Maltes Ich-Verlust und seinem Schreiben sowie die Bedeutung der literarischen und gesellschaftlichen Einflüsse auf seine Veränderung.
Schreiben und Lesen gegen die Furcht
Dieses Kapitel untersucht, wie Malte mit dem Schreiben seine Angst vor dem Tod und die Unsicherheit in der Großstadt Paris bekämpft. Es wird argumentiert, dass Maltes Schreibprozess eine therapeutische Funktion hat und ihm hilft, seine Erfahrungen zu verarbeiten.
Schreiben gegen den Selbstverlust
In diesem Kapitel werden die Auswirkungen von Maltes Veränderung auf sein Schreiben näher betrachtet. Es werden verschiedene Aspekte seiner Schreibpraxis beleuchtet, wie z. B. die Rolle von Erinnerungen und Erfahrungen sowie der Einfluss literarischer Vorbilder.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Identitätskrise, Schreiben, Großstadt, Erinnerung, Literatur, Intertextualität, Selbstverlust, Furcht, Tod, Jahrhundertwende, und Subjektivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Rilkes „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“?
Das zentrale Thema ist der Ich-Verlust und die Identitätskrise des jungen Malte, ausgelöst durch seine Erfahrungen in der Großstadt Paris.
Welche Rolle spielt das Schreiben für Malte?
Schreiben dient Malte als Mittel gegen die Furcht und den Selbstverlust; es ist ein Versuch, seine fragmentierten Wahrnehmungen und Erinnerungen zu ordnen.
Was bedeutet der Bruch zwischen dialogischem und monologischem Schreiben?
Malte stellt fest, dass er keine Briefe mehr schreiben kann. Sein Schreiben wird monologisch, was seine Isolation und radikale Subjektivität unterstreicht.
Wie beeinflusst Paris Maltes Identität?
Die Reizüberflutung und das Elend der Großstadt zerstören Maltes stabiles Ich-Bild und zwingen ihn zu einer neuen Art des Sehens und Erlebens.
Gibt es Parallelen zu Freuds Psychoanalyse?
Ja, Maltes Erleben eines „fremden Inneren“ lässt sich mit Freuds Konzept des Unbewussten vergleichen, in dem das Ich nicht mehr „Herr im eigenen Haus“ ist.
- Citar trabajo
- Annalena Held (Autor), 2017, Rainer Maria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge". Maltes Schreiben in der Identitätskrise, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1273668