Gottesbeweise beziehungsweise Argumente für die Existenz Gottes sind seit der Antike ein Phänomen der westlichen Philosophie. Zu unterscheiden sind erfahrungsunabhängige (auch ontologische) Gottesbeweise und erfahrungsabhängige Argumente, die aus der Beobachtung der Wirklichkeit abgeleitet sind: kosmologische und teleologische Gottesbeweise. Nachdem teleologische Gottesbeweise im neunzehnten Jahrhundert vermehrt als vergebliches Unterfangen betrachtet wurden, werden sie heutzutage als die erfolgreichsten Argumente für die Existenz Gottes gehandelt.
In einem seiner Hauptwerke, der "Summa theologiae", formuliert der italienische Philosoph und Theologe Thomas von Aquin einen solchen teleologischen Gottesbeweis. Dieses Argument ist auch bekannt als der fünfte Weg, da es im Zusammenhang mit vier weiteren Argumenten für die Existenz Gottes vorgestellt wird. Im Folgenden soll untersucht werden, ob Thomas‘ teleologischer Gottesbeweis aus moderner Perspektive ein überzeugendes Argument für die Existenz Gottes abgibt.
Dazu werden im ersten Schritt verschiedene Varianten des teleologischen Gottesbeweises sowie deren historische Entwicklung vorgestellt, um aufzuzeigen, welche Kriterien ein überzeugender Beweis dieser Gattung erfüllen sollte. Anschließend wird Thomas‘ Argumentation für die Existenz Gottes im Rahmen der sogenannten fünf Wege mit Schwerpunkt auf dem fünften Weg rekonstruiert, um diesen dann zu den im ersten Teil dargestellten Varianten zu positionieren. Ziel dieser Einordnung ist es, aufzuzeigen, dass Thomas‘ Argument tatsächlich die Kriterien eines überzeugenden teleologischen Gottesbeweises erfüllt. Im vierten Abschnitt werden verschiedene Einwände präsentiert, die sich gegen den fünften Weg einbringen lassen. Zwei Einwände, die sich unmittelbar auf Prämissen und Konklusion beziehen, werden dabei kritisch diskutiert, um sie auf ihre Rechtfertigung hin zu prüfen. Abschließend wird in einem zusammenfassenden Überblick gezeigt, ob Thomas‘ teleologischer Gottesbeweis aus heutiger Sicht ein überzeugendes Argument für die Existenz Gottes darstellt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Teleologische Argumente für die Existenz Gottes
- Varianten des teleologischen Gottesbeweises
- Zur historischen Entwicklung des teleologischen Gottesbeweises
- Thomas' teleologisches Argument für die Existenz Gottes
- Die fünf Wege
- Der fünfte Weg
- Eine Einordnung des fünften Weges
- Einwände gegen den fünften Weg
- Vorbemerkungen
- Zur Zwecktätigkeit in der Natur (P1)
- Zur Gleichsetzung des Planers mit dem christlichen Gott (K2)
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit untersucht den teleologischen Gottesbeweis des Thomas von Aquin, insbesondere den fünften Weg, und analysiert seine Überzeugungskraft aus moderner Perspektive.
- Verschiedene Varianten des teleologischen Gottesbeweises und deren historische Entwicklung
- Rekonstruktion von Thomas' Argumentation im Rahmen der fünf Wege, mit Schwerpunkt auf dem fünften Weg
- Positionierung von Thomas' Argument im Kontext der verschiedenen Varianten teleologischer Argumente
- Kritik der Einwände gegen den fünften Weg und Prüfung ihrer Rechtfertigung
- Bewertung der Überzeugungskraft von Thomas' teleologischem Gottesbeweis aus heutiger Sicht
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Gottesbeweise ein und stellt den Fokus der Arbeit auf den teleologischen Gottesbeweis des Thomas von Aquin dar. Kapitel 2 beleuchtet verschiedene Varianten des teleologischen Gottesbeweises und deren historische Entwicklung, um ein Verständnis für die Kriterien eines überzeugenden Arguments dieser Art zu schaffen. Kapitel 3 analysiert Thomas' Argumentation für die Existenz Gottes im Rahmen der fünf Wege, wobei der fünfte Weg im Detail untersucht und in den Kontext der vorherigen Kapitel eingeordnet wird. Kapitel 4 widmet sich Einwänden gegen den fünften Weg und beleuchtet die Argumente und ihre Rechtfertigung kritisch. Der Fokus liegt dabei auf zwei Einwänden, die sich unmittelbar auf die Prämissen und die Schlussfolgerung des Arguments beziehen.
Schlüsselwörter
Teleologischer Gottesbeweis, Thomas von Aquin, fünfter Weg, Zweckmäßigkeit, Zwecktätigkeit in der Natur, göttlicher Planer, Einwände, Kritik, moderne Perspektive.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der "fünfte Weg" des Thomas von Aquin?
Der fünfte Weg ist ein teleologischer Gottesbeweis, der aus der Zweckmäßigkeit und Ordnung in der Natur auf die Existenz eines intelligenten Schöpfers oder Planers schließt.
Was bedeutet "teleologisch" in diesem Zusammenhang?
Teleologisch (von griechisch 'telos' = Ziel/Zweck) bedeutet, dass Dinge auf ein Ziel hin geordnet sind. Das Argument besagt, dass vernunftlose Naturwesen nur dann zielgerichtet handeln können, wenn sie von einem intelligenten Wesen gelenkt werden.
Welche Einwände gibt es gegen den fünften Weg?
Kritiker hinterfragen oft die Prämisse der Zwecktätigkeit in der Natur (z. B. durch Evolutionstheorie) oder die Gleichsetzung des "intelligenten Planers" mit dem spezifisch christlichen Gott.
Ist Thomas' Gottesbeweis heute noch aktuell?
Die Arbeit analysiert, ob das Argument aus moderner philosophischer Perspektive noch überzeugt, insbesondere da teleologische Argumente heute oft als die erfolgreichsten der klassischen Beweise gelten.
Wo findet man diesen Gottesbeweis?
Thomas von Aquin formulierte die "fünf Wege" (Quinque viae) in seinem Hauptwerk, der "Summa theologiae".
- Quote paper
- Jan Caspers (Author), 2022, Der fünfte Weg. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem teleologischen Gottesbeweis des Thomas von Aquin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1266272