Elektronische Medien treten nicht an die Stelle, sondern an die Seite der alten Medien, doch gewinnen zunehmend an Einfluss auf sie. Neben neuem Wortschatz bilden sich auch neue Kommunikationsformen und Sprechweisen heraus. Sowohl Produzent als auch Rezipient treffen auf neue Stilformen jenseits der Standardschriftsprache. Flexible Schreibmonologe, schriftliche Dialoge und Hypertexte bringen neue Textsorten hervor.
Die Bedeutung der Sprache verändert sich, und immer mehr verschwimmen die hergebrachten Grenzen zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie zwischen sprachlichen und nonverbalen (insbesondere bild- und tongestützten) Kommunikationsweisen. Dies soll am Beispiel der E-mail und des Hypertextes verdeutlicht werden.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Alte und neue Medien
2. Bedeutungswandel von Schrift durch Multimedialisierung
3. Wortschatz
4. Medienbedingte Auswirkungen auf die Kommunikation im Netz
4.1. Unterschiedliche Kommunikationsformen in Computernetzwerken
4.2. Neue Kommunikationsverhältnisse und Textsorten
4.3. Veränderung des Stils und des Sprachgebrauchs
4.4. Neue Textdarstellungsformen
5. Textverständnis
5.1. Kohärenz und Kohäsion
5.2. Linearität
5.3. Emoticons
6. Die E-mail-Kommunikation (im Vergleich zum Brief)
6.1. Begriffsbestimmung
6.2. Motivation der Medienwahl
6.3. Merkmale
7. Hypertext
7.1. Begriffsbestimmung
7.2. Sprache verliert zunehmend an Bedeutung
7.3. Texte und Hypertexte – ein Vergleich
8. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss elektronischer Medien auf Sprache und Kommunikationsformen im Internet. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich durch den Einsatz neuer Medien, insbesondere E-Mail und Hypertexte, das traditionelle Verständnis von Schriftlichkeit, Textverständnis und sozialen Interaktionsmustern verändert.
- Transformation der Mediengeschichte und das Verhältnis alter zu neuen Medien
- Wandel des Wortschatzes und sprachliche Auswirkungen der Netzkommunikation
- Veränderung von Textstrukturen durch Multimedialisierung und Linearitätsverlust
- E-Mail-Kommunikation im direkten Vergleich zum klassischen Brief
- Konzept des Hypertextes, dessen Strukturprinzipien und die resultierende Textrezeption
Auszug aus dem Buch
Die E-mail-Kommunikation (im Vergleich zum Brief)
Freizeitnetzwerke mit ihren kreativen, jungen Nutzern treiben die Entwicklung dieses neuen Mediums ständig voran. Modifikationen bisher bekannter Kommunikationsformen verbunden mit ganz neuen Verständigungsformen prägen dabei das Bild.
6.1. Begriffsbestimmung
Unter E-Mail versteht man eine zeitversetzte, bi- oder multilaterale Form der Computerkommunikation über Datennetze. E-Mail kann sowohl das Übertragungssystem als auch das Übertragene meinen. Eine E-Mail kann im privaten und beruflichen Bereich verfasst werden und ist dann nur von den beiden an der Kommunikation beteiligten Personen zu lesen.
6.2. Motivation der Medienwahl
Die Wahl des Mediums wird durch die zu übermittelnden Inhalte (mit-)bestimmt. Um möglichst konkrete Antworten auf die Frage zu erhalten, inwiefern sich Geschriebenes in Briefen von dem in E-mails unterscheidet, habe ich Material von einer Freundin benutzt, mit der ich seit mehreren Jahren sowohl in E-mail- als auch in Briefkontakt stehe.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung skizziert, wie elektronische Medien das Verhältnis zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit verändern und kündigt die Untersuchung an.
1. Alte und neue Medien: Dieses Kapitel ordnet Medien in historische Phasen ein und analysiert, wie neue Medien bestehende Kommunikationssysteme erweitern statt sie zu ersetzen.
2. Bedeutungswandel von Schrift durch Multimedialisierung: Hier wird der Verlust der Hegemonie der Schrift und der Trend zu komplexen, multimedialen Zeichengebilden beschrieben.
3. Wortschatz: Das Kapitel behandelt die Entstehung neuer Begriffe durch technische Entwicklungen, Anglizismen und die Eigendynamik des Netzjargons.
4. Medienbedingte Auswirkungen auf die Kommunikation im Netz: Es werden verschiedene Kommunikationsformen, soziale Effekte in virtuellen Räumen und Stilveränderungen untersucht.
5. Textverständnis: Dieser Teil widmet sich der Kohärenzbildung, der Linearität von Texten sowie der Bedeutung von Emoticons zur Kompensation nonverbaler Signale.
6. Die E-mail-Kommunikation (im Vergleich zum Brief): Das Kapitel stellt Unterschiede in Struktur, Schreibmotivation und Inhalt zwischen digitaler Post und traditionellen Briefen dar.
7. Hypertext: Hier werden die Strukturprinzipien von Hypertexten, die veränderte Leserrolle und die Konsequenzen für die Textrezeption analysiert.
8. Schluss: Die Arbeit resümiert den Einfluss elektronischer Medien auf Sprache und Kommunikation und prognostiziert eine weitreichende gesellschaftliche Veränderung.
Schlüsselwörter
Internet, elektronische Medien, Kommunikation, E-Mail, Hypertext, Textverständnis, Kohärenz, Multimedialisierung, Netzjargon, Medienwandel, Emoticons, Schriftlichkeit, Mündlichkeit, digitale Kommunikation, Textstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen, die elektronische Medien und das Internet auf unsere Sprache, unser Kommunikationsverhalten und das Textverständnis haben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Mediengeschichte, die Veränderung des Wortschatzes, die spezifischen Merkmale der E-Mail-Kommunikation sowie das Konzept des Hypertextes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Einfluss von E-Mail und Hypertext auf die Kommunikation und die Art und Weise, wie wir heute Texte lesen und verstehen, aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin kombiniert theoretische Grundlagen der Medien- und Textwissenschaften mit einer qualitativen Untersuchung, etwa durch den Vergleich eigener Korrespondenzen (Brief vs. E-Mail).
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Im Hauptteil werden unter anderem die „Entlinearisierung“ von Texten, der soziale Kontext der Netzkommunikation und die Kompensation fehlender nonverbaler Signale durch Emoticons behandelt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kohärenz, Multimedialisierung, computervermittelte Kommunikation, Netzjargon und Textrezeption charakterisiert.
Warum ziehen es viele Nutzer vor, persönliche Briefe statt E-Mails zu schreiben?
Laut der Untersuchung bieten der private Raum, die behagliche Atmosphäre und die Zeit für eine bewusste Komposition bessere Voraussetzungen für das Verfassen persönlicher Inhalte als das oft anonyme, zeitdruckgeprägte Umfeld am Computer.
Inwiefern beeinflusst die "Multimedialisierung" den Leser?
Die Multimedialisierung fordert vom Leser ungewohnte Rezeptionsformen: Er muss zwischen verschiedenen Informationskanälen navigieren, wodurch das Lesen weniger linear und stärker selektiv wird.
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- Shirley Bieg (Author), 2000, E-Mail und Hypertext. Wie elektronische Medien Sprache und Kommunikation verändern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12651