In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die zentralen Sozialisationsinstanzen der DDR beschrieben und erklärt, um im Anschluss deren Vor- und Nachteile zu diskutieren.
Auch nach über 30 Jahren seit dem Mauerfall ist in manchen Bereichen noch eine Ost-West-Kluft festzustellen. Deshalb ist es unerlässlich, den Sozialisationsprozess in der DDR näher zu beleuchten, um etwaige alltagskulturelle Unterschiede und mentale Differenzen besser zu erkennen und zu verstehen, davon zu lernen und das Verständnis beider Landesteile füreinander zu vertiefen. Vielleicht lassen sich dabei auch Aspekte identifizieren, deren Adaption vorteilhaft für unsere heutige Gesellschaft wäre.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sozialisation und Sozialisationsinstanzen
3. Die zentralen Sozialisationsinstanzen
3.1 Die Familie
3.2 Die vorschulischen Erziehungseinrichtungen
3.3 Die Schule
3.4 Die außerschulischen Organisationen
4. Vor- und Nachteile der frühen Institutionalisierung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die spezifischen Sozialisationsinstanzen in der DDR zu analysieren, um das Verständnis für die dort geprägten Sozialisationsprozesse zu vertiefen und deren Auswirkungen auf die damalige Persönlichkeitsentwicklung sowie heutige mentale Differenzen zu erforschen.
- Definition der Begriffe Sozialisation und Sozialisationsinstanz
- Rolle der Familie in der DDR unter Berücksichtigung der Erwerbstätigkeit
- Bedeutung der vorschulischen Erziehung und schulischen Bildung
- Funktion staatlicher außerschulischer Jugendorganisationen
- Diskussion der Vor- und Nachteile der frühen Institutionalisierung
Auszug aus dem Buch
Die vorschulischen Erziehungseinrichtungen
Die Kinderkrippen bildeten dabei die unterste Stufe im sozialistischen Bildungssystem. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, "eine planmäßige Erziehungsarbeit zu leisten mit dem Ziel, die Grundlagen für die allseitige Entwicklung der sozialistischen Persönlichkeit zu schaffen" (Gerlach 1996: 247). "Der Versorgungsgrad in diesem Bereich war in der DDR -auch im internationalen Vergleich- zumindest in quantitativer Hinsicht außerordentlich hoch. So betrug die Versorgungsquote bei den Kinderkrippen (0-3jährige) im Jahre 1989 81 %, bei den Kindergartenplätzen (3-6jährige) belief sich dieser Wert auf 95 %" (Olk 1995: 105). "In der DDR gab es 1989 360.000 Krippenplätze in 3.600 Krippen. Die durchschnittliche tägliche Aufenthaltsdauer betrug 8,3 Stunden. Die durchschnittliche Anzahl der Kinder in einer Kindergruppe lag bei etwa 15 Kindern" (Schmeling 1995: 49). Bis in die 1970er Jahre wurden Kinder bereits wenige Wochen nach der Geburt in eine Krippe gegeben und die Mutter begann wieder zu arbeiten. Da Untersuchungen ergaben, dass dies negative Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit der Krippenkinder hatte, wurde ein bezahltes Babyjahr für die Mütter eingeführt (Hille 1985: 63f.). Dies galt ab 1976 ab dem 2. Kind und ab 1986 ab dem 1. Kind (Gerlach 1996: 270f.). Somit wurden die Kinder spätestens mit Beendigung des ersten Lebensjahres in einer Kinderkrippe untergebracht. Der Tag in der Kinderkrippe verlief nach staatlich vorgegebenem Plan, es gab feste Zeiten für das Füttern, das "auf’s Töpfchen gehen", den Mittagsschlaf und auch vorgegebene Zeiträume für angeleitetes und freies Spiel sowie Musik- und Sportübungen (Israel 2017).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Relevanz des Themas im Hinblick auf fortdauernde Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland und führt in die Begrifflichkeiten ein.
2. Sozialisation und Sozialisationsinstanzen: Definiert die theoretischen Grundlagen der Sozialisation als Lebensprozess und die Rolle der Instanzen als Vermittler gesellschaftlicher Werte.
3. Die zentralen Sozialisationsinstanzen: Beschreibt detailliert die Rolle von Familie, Krippen, Kindergärten, Schulen und Jugendorganisationen im DDR-System.
4. Vor- und Nachteile der frühen Institutionalisierung: Erörtert die kritische Abwägung zwischen gesellschaftlichem Nutzen, wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und psychologischen Risiken für die kindliche Entwicklung.
5. Fazit: Fasst zusammen, wie durch staatliche Lenkung sozialistische Persönlichkeiten geformt wurden und welche Lehren für die heutige Gesellschaft aus der DDR-Sozialisationspraxis gezogen werden können.
Schlüsselwörter
DDR, Sozialisation, Sozialisationsinstanzen, Familie, Kinderkrippe, Kindergarten, Schule, Erziehung, sozialistische Persönlichkeit, Institutionalisierung, FDJ, Pionierorganisation, Erwerbstätigkeit, Kollektiv, Bildungssystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die zentralen Sozialisationsinstanzen in der ehemaligen DDR und wie diese dazu beitrugen, Kinder und Jugendliche im Sinne eines sozialistischen Menschenbildes zu erziehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Rolle der Familie, vorschulische Einrichtungen wie Krippen und Kindergärten, das schulische System sowie die Einbindung in staatliche Jugendorganisationen wie die FDJ.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Sozialisationsprozess in der DDR zu durchleuchten, um mentale Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschen besser zu verstehen und zu prüfen, welche Aspekte für die heutige Gesellschaft adaptierbar sein könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf soziologischer Fachliteratur basiert, um die Sozialisationsstrukturen der DDR historisch und theoretisch zu fundieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der einzelnen Instanzen und eine kritische Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen der frühen staatlichen Fremdbetreuung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Sozialisation, sozialistische Persönlichkeit, institutionelle Erziehung, Kollektiv und kollektive Erziehung geprägt.
Wie wirkte sich die Erwerbstätigkeit der Mütter auf das Familienleben in der DDR aus?
Da etwa 92 % der Mütter erwerbstätig waren, wurde das Modell der staatlichen Fremdbetreuung in Krippen und Kindergärten flächendeckend und unentbehrlich, wobei die Familie ihre klassische Erziehungsrolle teilweise an den Staat abgab.
Welche Rolle spielte die Schule bei der Erziehung sozialistischer Persönlichkeiten?
Die Schule vermittelte nicht nur Wissen, sondern sollte Kinder durch die Verbindung von Lernen, Arbeit und politischer Erziehung fest im sozialistischen System verankern und auf die Anforderungen der Produktion vorbereiten.
Was kritisiert die Autorin im Hinblick auf die staatlichen Einrichtungen?
Es wird kritisiert, dass durch starre, kollektivistische Strukturen und eine frühe ideologische Indoktrination die Individualität der Kinder untergeordnet und das Risiko von Bindungsstörungen durch die frühe Fremdbetreuung erhöht wurde.
- Quote paper
- Sarah Dunkel (Author), 2022, Die zentralen Sozialisationsinstanzen der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1259287