Effektiv arbeiten bedeutet, die richtigen Dinge zu tun. Effizient arbeiten hingegen bedeutet, die Dinge richtig zu tun. Im sich weiterhin konsolidierenden deutschen Banken- und Finanzdienstleistungsmarkt liegt ein besonderes Augenmerk auf der effizienten Erfüllung des Tagesgeschäftes. Standardisierung und Spezialisierung sollen dabei eine Konzentration auf Kernkompetenzen fördern, den Kundenfokus in den Vordergrund stellen und zeitliche Freiräume für Vertriebs- und Akquisitionsaktivitäten schaffen. Besonders das Kreditgeschäft mit kleinen und mittleren Kunden ist dabei durch ein im Verhältnis zum Ertrag hohes Niveau an Administration, und damit an Aufwand, verbunden. Der Weg vom Kreditantrag über die Prüfung und die abschließende Entscheidung, die korrekte Sicherheitenstellung, die Auszahlung des Kreditbetrages bis hin zur Rückzahlung - im Regelfall erst Jahre später - ist umsäumt von gesetzlichen Regulierungen, selbst auferlegten Richtlinien und Prinzipien. Nicht zuletzt wirken darüber hinaus wirtschaftliche und andere Variablen auf die Beteiligten ein, die einmalig oder dauerhaft auf das Kreditengagement Einfluss haben. Diese Einflussfaktoren, und speziell die Ungewissheit ihres Auftretens, machen das Kreditgeschäft von Finanzdienstleistern zu einem komplexen Geschäftsfeld. Durch kleinere Losgrößen bei kleineren und mittelgroßen Kreditkunden erhöht sich hierbei als logische Konsequenz tendenziell der relative Aufwand für das kreditgebende Institut je Kunde. Mögliche Antworten auf die oben beschriebenen Hindernisse sind in der Spezialisierung und Standardisierung von Geschäftsprozessen zu suchen. Bestimmte Dienstleistungen in der Wertschöpfungskette der Kreditinstitute lassen sich heute auf Grund der fortgeschrittenen Technisierung recht einfach standardisieren.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Grundlagen der Kreditgeschäftprozesse
- Begriffsabgrenzungen
- Zum Kreditgeschäft in Banken
- Kundengruppen im Kreditgeschäft
- Definition der zu diskutierenden Organisationsformen
- Zur Kreditvergabe im deutschen Bankensystem
- Zu den Besonderheiten des deutschen Bankensystems
- Zum Ertragsproblem deutscher Banken
- Zu den Herausforderungen von Basel II
- Theorien und Konzepte der Kreditvergabe und Kreditentscheidungsprozesse
- Allgemeine Organisation des Kreditgeschäfts
- Wertschöpfungskette des Kreditgeschäfts
- Kreditlebenszyklus
- Kreditbearbeitung
- Kreditüberwachung
- Beendigung eines Kreditengagements
- Diskussion alternativer Organisationsformen im Kreditgeschäft für Privat- und Geschäftskunden
- Überblick der zu diskutierenden Organisationsformen im Marktbereich des Kreditgeschäftes
- Analyse der Problemfelder bei der Reorganisation der Kreditprozesse
- Zu den Kernrisiken des Outsourcings
- Controlling der Kernrisiken des Outsourcings als risikopolitisches Instrument
- Organisationstheoretische und effizienzbestimmende Problemdimensionen
- Personalpolitische Problemdimensionen
- Technische Problemdimension
- Zusammenfassung der Alternativendiskussion
- Praxisbeispiele der analysierten Organisationsformen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Diplomarbeit untersucht die Implementierung einer Kompetenzspitze im Vergleich zur Einschaltung einer Kreditfabrik im Kreditgeschäft für Privat- und Geschäftskunden. Ziel ist ein theoretisch-empirischer Systemvergleich beider Organisationsformen.
- Vergleichende Analyse von Kompetenzspitze und Kreditfabrik
- Untersuchung der organisatorischen und prozessualen Integration beider Modelle
- Bewertung der Risiken und Herausforderungen bei der Implementierung
- Analyse der Effizienz und Leistungsfähigkeit beider Ansätze
- Präsentation von Praxisbeispielen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Problemstellung und die Zielsetzung der Arbeit dar. Kapitel 2 erläutert die Grundlagen der Kreditgeschäftprozesse, beinhaltet Begriffsabgrenzungen, beschreibt das Kreditgeschäft in Banken und deren Kundengruppen, sowie das deutsche Bankensystem. Kapitel 3 behandelt Theorien und Konzepte der Kreditvergabe und Kreditentscheidungsprozesse, einschließlich Wertschöpfungskette und Kreditlebenszyklus. Kapitel 4 diskutiert alternative Organisationsformen im Kreditgeschäft, analysiert Problemfelder bei der Reorganisation und beleuchtet die jeweiligen Risiken und Herausforderungen. Kapitel 5 zeigt Praxisbeispiele der analysierten Organisationsformen.
Schlüsselwörter
Kompetenzspitze, Kreditfabrik, Kreditgeschäft, Privatkunden, Geschäftskunden, Bankensystem, Basel II, Outsourcing, Risikomanagement, Effizienz, Organisation, Prozessoptimierung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine "Kreditfabrik"?
Eine Kreditfabrik ist eine Organisationsform in Banken, die auf die hochgradige Standardisierung und Spezialisierung von Kreditprozessen setzt, um Effizienz zu steigern und Kosten zu senken.
Was unterscheidet eine Kompetenzspitze von einer Kreditfabrik?
Die Kompetenzspitze setzt auf gebündeltes Expertenwissen für komplexere Fälle, während die Kreditfabrik auf Massenabwicklung und Prozessautomatisierung optimiert ist.
Welche Rolle spielt Basel II im Kreditgeschäft?
Basel II stellt hohe Anforderungen an das Risikomanagement und die Eigenkapitalhinterlegung, was Banken zu effizienteren und transparenteren Kreditprüfungsprozessen zwingt.
Was sind die Risiken beim Outsourcing von Kreditprozessen?
Zu den Kernrisiken zählen Kontrollverlust, Abhängigkeit von Dienstleistern sowie personalpolitische und technische Probleme bei der Reorganisation.
Warum ist Spezialisierung im Privatkundengeschäft nötig?
Da kleinere Kredite oft einen hohen administrativen Aufwand im Verhältnis zum Ertrag verursachen, hilft Spezialisierung, zeitliche Freiräume für den Vertrieb zu schaffen.
- Quote paper
- Marco Jetschin (Author), 2006, Implementierung einer Kompetenzspitze versus Einschaltung einer Kreditfabrik im Kreditgeschäft für Privat- und Geschäftskunden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125659