Dolores in der Serie "Westworld" ist ein sogenannter "Host", ein Android in dem Park, der namensgebend für die Serie ist, die von Jonathan Nolan und Lisa Joy kreiert wurde und im Folgenden Gegenstand der Analyse sein soll. Immer wieder – besonders in der einführenden Episode – wiederholt Dolores in verträumter Stimme diese Sätze, begleitet von Kamerabildern in warmen, satten Farben, die dem Zuschauer eine heile Welt suggerieren. Der Zynismus, den die Phrase innehat, wird bedingt durch das Wort "choose" und der Tatsache, dass Dolores fest daran glaubt, dass ihr Leben einem höheren Zweck dient.
Doch schon innerhalb der ersten Episode wird für den Zuschauer erkennbar, dass Dolores sich nichts in ihrem Leben wahrhaftig selbst "ausgesucht" hat, ihr Leben aber tatsächlich einen spezifischen Zweck hat. Statt freiem Willen werden kontinuierliche Schleifen offenbart; Kreisläufe, nach denen nicht nur der Park und das Leben der Hosts organisiert sind, sondern ebenso die Serie an sich. Dolores ist einer von hunderten Hosts, die in dem Western-Themenpark der Unterhaltung der "Newcomer" dienen: Menschen, die horrende Summen dafür bezahlen, dass sie Dinge tun dürfen, die in der ‚realen‘ Welt gesellschaftlich geächtet oder gar verboten sind. Die Gäste morden, quälen und vergewaltigen die Hosts, die ihnen wehrlos und verängstigt ausgeliefert sind, bedingt durch ihre Programmierung, die Gewalt an den Gästen nicht zulässt, und besagte narrative Schleifen, die die Hosts auf – im wahrsten Sinne des Wortes - vorgeschriebene Pfade fesseln. Diese brutalen, doch alltäglichen Interaktionen werden unterbrochen, als einige der Hosts anfangen, Verhaltensanomalien aufweisen, und sich ihrer Programmierung und sich selbst bewusst zu werden scheinen.
In dieser Hausarbeit soll bewiesen werden, dass es den Hosts trotz der Entwicklung eines künstlichen Bewusstseins nicht möglich ist, sich vollständig von ihrer Programmierung zu emanzipieren. Insbesondere im Hinblick auf die Hosts Dolores und Maeve soll aufgezeigt werden, inwiefern sie in (narrativen) Schleifen bzw. Wiederholungen feststecken, aus denen sie bis zum Ende der ersten Staffel nicht ausbrechen können. Es soll ebenfalls untersucht werden, wie diese Schleifen konstruiert und (filmästhetisch) inszeniert werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Schleifen
- Storylines
- Erinnerungen und Träume
- Motive
- Musik
- Gaming-Rekurs
- Selbstreflexivität
- Die Überwindung des Reboots
- Die bikamerale Psyche und das Labyrinth
- Rekursive Programmierung
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert die Serie Westworld und insbesondere die Rolle von Schleifen und Wiederholungen in der Erzählung. Die Arbeit zielt darauf ab, zu zeigen, dass die Hosts trotz der Entwicklung eines künstlichen Bewusstseins nicht vollständig von ihrer Programmierung emanzipiert werden können. Besonderes Augenmerk wird auf die Figuren Dolores und Maeve gelegt, um aufzuzeigen, inwiefern sie in narrativen Schleifen gefangen sind.
- Analyse der narrativen Schleifen und ihrer Konstruktion in Westworld
- Untersuchung des Bewusstseins der Hosts innerhalb dieser Schleifen
- Bedeutung der Wiederholungen für die ästhetische Gestaltung der Serie
- Analyse der Programmierung der Hosts und deren Einfluss auf ihre Handlungsfreiheit
- Die Frage, ob die Hosts trotz ihrer Bewusstwerdung aus ihrer programmierten Gefangenschaft ausbrechen können
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 beschäftigt sich mit den Schleifen in Westworld, insbesondere mit der Schleife von Dolores. Hier werden die repetitiven Elemente der Serie, sowohl narrativ als auch ästhetisch, beleuchtet. In Kapitel 2.1 werden die Storylines der Hosts als Kern der Schleifen und Wiederholungen innerhalb der Serie untersucht. Kapitel 2.2 bis 2.6 gehen auf verschiedene Aspekte der Schleifen ein, wie z.B. Erinnerungen, Träume, Motive, Musik, Gaming-Rekurs und Selbstreflexivität.
Schlüsselwörter
Westworld, Hosts, Schleifen, Wiederholungen, Programmierung, Bewusstsein, Narrative, Ästhetik, Storylines, Dolores, Maeve, bikamerale Psyche, Labyrinth, Rekursive Programmierung.
Häufig gestellte Fragen
Was sind „Schleifen“ in der Serie Westworld?
Schleifen (Loops) sind vorprogrammierte narrative Kreisläufe, denen die Androiden (Hosts) täglich folgen müssen, um die Gäste des Parks zu unterhalten.
Können die Hosts ihr Bewusstsein wirklich selbst wählen?
Die Hausarbeit analysiert, ob die Bewusstwerdung von Charakteren wie Dolores und Maeve eine echte Emanzipation ist oder nur Teil einer tieferen rekursiven Programmierung.
Welche Rolle spielt die Musik in Westworld?
Die Musik, oft mechanische Klavierversionen moderner Songs, unterstreicht filmästhetisch die Wiederholungen und die Künstlichkeit der Welt.
Was bedeutet die „bikamerale Psyche“?
Dieses psychologische Konzept wird in der Serie genutzt, um die Entstehung von Bewusstsein bei den Hosts durch eine innere Stimme (die Programmierung) zu erklären.
Was symbolisiert das „Labyrinth“?
Das Labyrinth steht für den inneren Weg zum Bewusstsein, den die Hosts durchlaufen müssen, um über ihre oberflächlichen Schleifen hinauszuwachsen.
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- I. Hardt (Author), 2020, The Beautiful Trap is Inside of Us. "Westworld" und das Gefängnis der omnipräsenten Schleifen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254370