Wie anmaßend auch die Aussage des Erzidealisten Hegel zunächst sein mag, in seiner Dialektik seien die Gedanken Gottes vor der Schöpfung der Welt und eines endlichen Wesens aufgehoben - er kommt dicht an den Kerngedanken des dialektischen und historischen Materialismus heran: Die Entstehung der Welt und des Menschen aus seiner eigenen Arbeit herzuleiten und die Gesellschaft als ein Produkt des wechselseitigen Handelns der Individuen zu deuten.
Es ist zum tieferen Verständnis von Theoretikern immer aufschlussreich, ihren Hintergrund auszuleuchten, aus dem heraus sie ihre Gedankenwelt entfalten. Hegel schrieb im Bewusstsein, in einer geistfeindlichen Zeit zu leben. Er ahnte noch bevor sich die warenproduzierende kapitalistische Gesellschaft voll ausgebildet hatte, dass die bürgerliche Aufklärung durch ihre exklusive Aussprache für ein reines Nützlichkeitsdenken das Terrain für einen monotonen Konsumterror freilegen sollte, der heute nunmehr konsumierende Personen, aber keine Persönlichkeiten mehr aufkommen lässt. Marx hat den Leitfaden seiner Studien im Januar 1859 präzise vorgezeigt und seine Schüler auf diesen verpflichtet. Aber nicht alle Marxisten folgen immer dieser Spur, aus der sich der wissenschaftliche Qualitätsgehalt ihrer eigenen theoretischen Ausarbeitungen erst ergeben würde.
Zwei Entwicklungsmodelle liegen uns vor, zwischen denen wir keineswegs die Wahl haben. Welche Eckpunkte den beiden Modellen zugrunde liegen und welche Zickzackbewegungen die Weltgeschichte prägen, darüber möchte die vorliegende Arbeit einen ersten Eindruck vermitteln.
Inhaltsverzeichnis
- Hegels und Marx's Verhältnis: Ein Philosophischer Vergleich
- Hegels Jugend und die Französische Revolution
- Marx's Kritik an Hegel
- Die dialektische Methode
- Die Entwicklung der Welt: Ein dialektischer Prozess
- Hegels Phänomenologie des Geistes
- Die Bedeutung der Naturwissenschaften
- Die dialektische Methode und die Mechanik
- Von der Cartesianischen Tradition zur dialektischen Denkweise
- Die Rolle der Antinomien
- Heraklit und die Brisanz des dialektischen Denkens
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese philosophische Studie untersucht das Verhältnis zwischen Hegel und Marx und beleuchtet deren unterschiedliche Ansätze zur Entwicklung der Welt. Sie analysiert sowohl Hegels idealistische Dialektik als auch Marx's materialistische Interpretation der Geschichte und setzt diese in den Kontext der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit.
- Die Entwicklung der Welt als dialektischer Prozess
- Die Rolle der Naturwissenschaften in der Entwicklung der Welt
- Der Einfluss von Hegel und Marx auf die philosophische und gesellschaftliche Diskussion
- Die Kritik an Hegels Idealismus und Marx's materialistische Perspektive
- Die Bedeutung der dialektischen Methode für das Verständnis der Geschichte
Zusammenfassung der Kapitel
Hegels und Marx's Verhältnis: Ein Philosophischer Vergleich
Dieses Kapitel beleuchtet die unterschiedlichen Ansätze von Hegel und Marx hinsichtlich der Entwicklung der Welt und der Bedeutung der Geschichte. Es zeigt, wie Hegels idealistische Dialektik, die im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte, von Marx kritisiert wurde. Marx betonte die entscheidende Rolle der materiellen Produktionsverhältnisse für die Entwicklung der Gesellschaft.
Die Entwicklung der Welt: Ein dialektischer Prozess
Dieses Kapitel analysiert Hegels "Phänomenologie des Geistes" und zeigt auf, wie die dialektische Methode einen umfassenden Entwurf der Entwicklung der Welt und des menschlichen Bewusstseins ermöglicht. Die Analyse der Naturwissenschaften und deren Einfluss auf die Mechanik liefert neue Erkenntnisse zum Wesen der dialektischen Denkweise.
Von der Cartesianischen Tradition zur dialektischen Denkweise
Dieses Kapitel untersucht die Veränderung des Denkens von einer cartesianischen Tradition hin zu einer dynamischeren dialektischen Denkweise. Es wird herausgearbeitet, wie die mathematische Methode der Cartesianer starre Oppositionen begünstigte, während die dialektische Methode die Wechselwirkungen zwischen den Gegensätzen betont. Die Bedeutung von Heraklit's Philosophie im Kontext der dialektischen Denkweise wird ebenfalls untersucht.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den wichtigsten Schlüsselbegriffen und Fokuspunkten der Philosophie, insbesondere der dialektischen Methode, der Entwicklung der Welt, der Kritik an Hegel's Idealismus, Marx's materialistischer Perspektive, der Rolle der Naturwissenschaften und der Bedeutung von Heraklit's Denken für das Verständnis der Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet sich die Dialektik bei Hegel und Marx?
Während Hegels Dialektik idealistisch geprägt ist und die Entwicklung des Geistes betont, interpretiert Marx die Dialektik materialistisch und fokussiert sich auf die ökonomischen Produktionsverhältnisse.
Was ist das Ziel der Phänomenologie des Geistes bei Hegel?
Sie beschreibt den Prozess der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins und der Welt als einen dialektischen Fortschritt hin zum absoluten Wissen.
Welche Rolle spielt die Arbeit in Marx' Theorie?
Für Marx ist die Arbeit der zentrale Prozess, durch den der Mensch sich selbst und die Gesellschaft erschafft, wobei er die materiellen Bedingungen als Grundlage sieht.
Was kritisiert Marx an Hegels Philosophie?
Marx kritisiert, dass Hegel die Welt „auf den Kopf gestellt“ habe, indem er den Geist als Primärfaktor ansah; Marx wollte die Philosophie „vom Kopf auf die Füße stellen“ (Materialismus).
Welche Bedeutung hat Heraklit für das dialektische Denken?
Heraklit gilt als Urvater der Dialektik, da er das Werden und den Kampf der Gegensätze („Alles fließt“) als Grundprinzip der Welt erkannte.
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- Heinz Ahlreip (Author), Wie die Welt sich entwickelt. Philosophische Studie über das Verhältnis von Hegel und Marx, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1245086