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Schicht, Milieu oder Lebensstil? - Konzepte zur Analyse sozialer Ungleichheit

Titel: Schicht, Milieu oder Lebensstil? - Konzepte zur Analyse sozialer Ungleichheit

Bachelorarbeit , 2008 , 37 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Stella Fleischer (Autor:in)

Soziologie - Soziales System und Sozialstruktur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Für Theodor Geiger (1891-1952) war eine Rekonzeptualisierung bestehender Schichtungsmodelle schon im Jahr 1962 unumgänglich. Jedoch erst seit den 80er Jahren und im Zuge gesellschaftlicher Modernisierung wurde dieser Einwand Geigers zu einer wissenschaftlichen Kontroverse erhoben und Zweifel an die rein hierarchisch und meritokratisch orientierten Schichtmodelle herangetragen.
Seit dieser Zeit stellt sich die deutsche Sozialstrukturanalyse in einem wirren Licht dar. Obgleich des Konsenses, dass soziale Ungleichheit nicht nur weiterhin existiert, sondern auch Bedarf besteht, diese Ungleichheiten darzustellen und zu erklären, herrscht weitaus weniger Einigkeit hinsichtlich der Struktur sozialer Ungleichheit sowie darüber, wie diese methodologische umgesetzt werden soll. Dass die moderne Sozialstruktur differenzierter, komplexer und insgesamt unübersichtlicher geworden ist, wird kaum jemand leugnen. In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob traditionelle Ungleichheitsstrukturen durch den sich fortlaufend vollziehenden sozialen Wandel und den anhaltenden Individualisierungstrend obsolet geworden sind, und „alte“ Ungleichheiten von „neuen“ Ungleichheiten verdrängt wurden, sodass klassische Sozialstrukturmodelle an Gültigkeit eingebüßt haben. Oder anders gefragt: Wird es Zeit, die traditionellen Sozialstrukturmodelle, i. S. v. Schichtmodellen zugunsten neuer Milieu- und Lebensstilmodelle aufzugeben?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärungen

2.1 Soziale Ungleichheit

2.2 Soziale Schicht

2.3 Soziales Milieu und Lebensstil

3 Analyse sozialer Ungleichheit

3.1 Schichtforschung

3.1.1 Geiger

3.1.2 Dahrendorf

3.1.3 Gegenwärtige Ungleichheitsanalyse

3.1.4 Erklärungspotential

3.2 Milieu- und Lebensstilforschung

3.2.1 Milieu- und Lebensstilkonzepte

3.2.2 Pierre Bourdieu

3.2.3 In der Marktforschung

3.2.4 In der Sozialforschung

3.2.5 Erklärungspotential

4 Vergleich und Bewertung

5 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, ob traditionelle Modelle zur Analyse sozialer Ungleichheit, wie klassische Schichtmodelle, im Kontext einer sich wandelnden deutschen Gesellschaft an Erklärungskraft verloren haben und durch neue Konzepte wie Milieu- und Lebensstilmodelle abgelöst werden sollten.

  • Vergleich klassischer Schichtmodelle mit modernen Milieu- und Lebensstilansätzen.
  • Analyse des Wandels der deutschen Sozialstruktur und des Individualisierungstrends.
  • Untersuchung der theoretischen und methodischen Konzepte von Geiger, Dahrendorf, Bourdieu und Schulze.
  • Kritische Bewertung der Erklärungspotentiale beider Modelltypen.
  • Diskussion über eine mögliche Integration von Schicht-, Milieu- und Lebensstilforschung.

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Geiger

Einer der Soziologen, der den Begriff der sozialen Schicht zu einem soziologischen Grundbegriff und einer Grundkategorie der Sozialstrukturanalyse erhoben hat, ist Theodor J. Geiger. Mit seinem Ansatz stellt er den von Marx und Weber entworfenen Klassenmodellen ein Schichtmodell sozialer Ungleichheit entgegen.

Im soziologischen Gebrauch versteht er Schichten zunächst als Oberbegriff für sämtliche Strukturen sozialer Ungleichheit. Sein Verständnis von Schicht und Schichtung lässt sich mit dem folgenden Zitat darstellen:

„Jede Schicht besteht aus vielen Personen (Familien), die irgendein erkennbares Merkmal gemein haben und als Träger dieses Merkmals einen gewissen Status in der Gesellschaft und im Verhältnis zu anderen Schichten einnehmen. Der Begriff des Status umfasst Lebensstandard, Chancen und Risiken, Glücksmöglichkeiten, aber auch Privilegien und Diskriminationen, Rang und öffentliches Ansehen. […] Schichtung heißt also Gliederung der Gesellschaft nach dem typischen Status (den Soziallagen) ihrer Mitglieder, ohne nähre Bestimmung dieser Soziallagen oder der Merkmale, an die sie im geschichtlichen Sonderfall geknüpft sind“ (Geiger 1962:186; Hervorh. im Orig.).

Der zentrale Gedanke Geigers ist, dass soziale Schichten – neben gemeinsamen ökonomischen Faktoren – durch eine gemeinsame Mentalität geprägt sind, von denen jeweils ein bestimmtes politisches und wirtschaftliches Verhalten zu erwarten ist (vgl. Geiger 1932:77f). Dieser Gedanke ist Geigers größtes Verdienst, da er erstmalig eine sozialpsychologische Kategorie in die Schichtforschung integriert. Mentalität kann verstanden werden als „geistig seelische Disposition“ (ebd.:77), als „unmittelbare Prägung des Menschen durch seine soziale Lebenswelt“ (ebd.:77), die ihren Ausdruck u. a. in bestimmten Weisen des Konsums, der Lebens- und Freizeitgestaltung (vgl. ebd.:80), oder, um es mit einem anderen Begriff zu nennen: in einem Lebensstil findet.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Notwendigkeit, traditionelle Schichtungsmodelle angesichts gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse und Individualisierungstrends zu hinterfragen.

2 Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert und grenzt zentrale sozialstrukturrelevante Begriffe wie soziale Ungleichheit, soziale Schicht sowie soziales Milieu und Lebensstil voneinander ab.

3 Analyse sozialer Ungleichheit: Hier werden gängige Schichtmodelle sowie Milieu- und Lebensstilmodelle detailliert vorgestellt und deren jeweiliges Erklärungspotential erörtert.

4 Vergleich und Bewertung: Dieses Kapitel diskutiert kritisch die Eignung der verschiedenen Ansätze und bewertet die Möglichkeiten einer Integration von Schicht- sowie Milieu- und Lebensstilforschung.

5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass kein Modell alleinige Gültigkeit beanspruchen kann und plädiert für ein komplementäres Verständnis der verschiedenen Ansätze in der Sozialstrukturanalyse.

Schlüsselwörter

Soziale Ungleichheit, Soziale Schicht, Soziales Milieu, Lebensstil, Sozialstrukturanalyse, Individualisierung, Mentalität, Schichtungsmodell, Lebensweltansatz, Erlebnisgesellschaft, Bourdieu, Sinus-Milieus, Sozialer Wandel, Vertikale Ungleichheit, Horizontale Ungleichheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Wandel der deutschen Sozialstruktur und analysiert, inwieweit traditionelle Schichtmodelle zur Erklärung sozialer Ungleichheit durch neuere Milieu- und Lebensstilansätze ergänzt oder abgelöst werden müssen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung von Schichttheorien, die Entstehung der Milieu- und Lebensstilforschung, die Auswirkungen von Individualisierungsprozessen sowie die empirische Operationalisierung sozialer Ungleichheit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die kritische Prüfung, ob klassische Schichtmodelle angesichts moderner gesellschaftlicher Differenzierungen historisch obsolet sind oder ob sie weiterhin als Instrument der Sozialstrukturanalyse dienen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, in der verschiedene soziologische Konzepte und Modelle (von Geiger bis Schulze) gegenübergestellt, auf ihre Erklärungspotentiale hin untersucht und bewertet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der klassischen Schichtforschung, den theoretischen Grundlagen von Milieu- und Lebensstilkonzepten (z. B. Bourdieu, Sinus-Institut, Schulze) sowie ein anschließender Vergleich und eine Bewertung dieser Ansätze.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie soziale Ungleichheit, soziale Schicht, Milieu, Lebensstil, Sozialstrukturanalyse und Individualisierung charakterisiert.

Wie unterscheidet sich der Ansatz von Pierre Bourdieu von anderen Modellen?

Bourdieu verknüpft Kultur und Lebensstil über das Habituskonzept und ordnet kulturelle Praktiken und Geschmacksurteile direkt sozioökonomischen Klassenpositionen zu, was seinen Ansatz klassentheoretisch fundiert.

Was ist die „Unschärferelation der Alltagswirklichkeit“ im Kontext der Sinus-Milieus?

Dieser Begriff beschreibt das Phänomen, dass die Grenzen zwischen sozialen Milieus fließend sind, sich überschneiden und somit nicht exakt in starren Kategorien abgrenzbar sind.

Warum kommt die Autorin zu dem Schluss, dass Schichtmodelle nicht durch Milieumodelle ersetzt werden können?

Die Autorin argumentiert, dass beide Ansätze unterschiedliche Ebenen der sozialen Realität beschreiben, theoretische Defizite aufweisen und eine Integration sinnvoller ist, da Schichtkonzepte weiterhin eine wichtige Basis für das Verständnis von Ressourcenverteilung und Vertikalität bieten.

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Details

Titel
Schicht, Milieu oder Lebensstil? - Konzepte zur Analyse sozialer Ungleichheit
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,0
Autor
Stella Fleischer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
37
Katalognummer
V124334
ISBN (eBook)
9783640296743
ISBN (Buch)
9783640302246
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schicht Milieu Lebensstil Konzepte Analyse Ungleichheit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stella Fleischer (Autor:in), 2008, Schicht, Milieu oder Lebensstil? - Konzepte zur Analyse sozialer Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124334
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Leseprobe aus  37  Seiten
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