Diese Arbeit beschäftigt sich mit gezielter Tötung im Lichte des Völkerrechts am Beispiel Israels.
Gezielte Tötungen werden schon seit geraumer Zeit von konventionellen Streitkräften eingesetzt. In den letzten Jahren hat ihr Einsatz jedoch zugenommen, insbesondere im Rahmen amerikanischer Operationen zur Terrorismusbekämpfung in Übersee.
Mit dem Ereignis am 11. September 2001 wurden "targeted killings" vermehrt zum gebräuchlichen Mittel, um Terroristen auszuschalten. Doch sie sind nicht erst ab 2001 aufgekommen. Auch im Kalten Krieg wurden zahlreiche gezielte Attentate auf verschiedene Personen, beispielsweise Politiker, ausgeübt. Die ‚Lizenz zum Töten‘ umspannte die ganze Welt. Nach dem Ende des Kalten Krieges beruhigte sich die Situation, wenn auch nicht für lange.
Spätestens seit dem Auftritt des Terrorismus als Feind der Zivilgesellschaft wurden die staatlich sanktionierten Tötungen von Menschen wieder gebräuchlich. Der Pionier des "targeted killing" ist Israel, gefolgt von den USA, nach dem Geschehen des 11. September 2001.
Letztere benutzen vermehrt bewaffnete Drohnen, um Verdächtige aus der Ferne zu töten. Eine der spektakulärsten gezielten Tötungen seitens der Israeli, stellte die Ermordung des religiösen Führers der palästinischen Hamas, Scheich Yassin dar. Diese Tötung trug zu einer Verschärfung des palästinensisch-israelischen Konflikts bei.
Allerdings fanden neben den gezielten Tötungen auf Mitglieder von politischen und militanten islamischen Bewegungen auch Angriffe auf Palästinenser statt, die in keinem Zusammenhang mit Aufständen oder Demonstrationen stehen. Dazu gehören gezielte Anschläge auf palästinensische Wohngegenden, Tötungen aus Fahrlässigkeit, ziellose Schießereien und rücksichtsloses Auslöschen von Menschenleben.
Die nachfolgende Arbeit beschäftigt sich mit dem "targeted killing" am Beispiel Israels. Zum einen ist Israel der Vorreiter dieser Methode zur Terroristenbekämpfung und zum anderen treten die gezielten Tötungen durch Israel vermehrt auf und sind durch enorme Brutalität sowie die Rücksichtslosigkeit auf die Zivilbevölkerung gekennzeichnet.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Targeted killing
- 2.1 Definition
- 2.2 Beispiele für targeted killing
- 2.2.1 Gezielte Tötung von politischen Führern – Scheich Ahmed Yassin/Abd al-Aziz al Rantisi
- 2.2.2 Gezielte Tötung von Zivilisten: Iyad Da'du/Ahmad al-Kasas/Hani Yusef al-Sufi
- 3. Internationales Recht
- 3.1 Das Recht auf Selbstverteidigung
- 3.1.1 Der bewaffnete Angriff
- 3.1.2 Die Anwendungskriterien
- 3.1.3 Das Verhältnis von Art. 51 UN-Charta zu Art. 2 Ziff. 4 UN-Charta
- 3.2 Schutz der Zivilbevölkerung – Unterscheidung Kombattant und Zivilist
- 3.3 Das Recht auf Leben
- 3.4 Das Recht auf einen fairen Gerichtsprozess
- 4. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Hausarbeit analysiert das völkerrechtliche Spannungsfeld im Kontext von „Targeted Killing" am Beispiel Israels. Ziel ist es, die Rechtmäßigkeit von gezielten Tötungen im Lichte internationaler Normen und Prinzipien zu untersuchen, insbesondere unter Berücksichtigung des israelischen Vorgehens.
- Definition und Praxis von „Targeted Killing“
- Recht auf Selbstverteidigung im Völkerrecht
- Schutz der Zivilbevölkerung und Unterscheidung von Kombattanten und Zivilisten
- Recht auf Leben und fairer Gerichtsprozess
- Spezielle Herausforderungen im israelisch-palästinensischen Konflikt
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema „Targeted Killing“ ein und beleuchtet seine Bedeutung im Kontext des modernen Terrorismus. Sie setzt den Fokus auf Israel als Vorreiter dieser Praxis und skizziert die spezifischen Herausforderungen im israelisch-palästinensischen Konflikt.
- Kapitel 2: Targeted Killing: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Targeted Killing“ und beleuchtet unterschiedliche Beispiele für gezielte Tötungen, darunter die Ermordung politischer Führer und von Zivilisten.
- Kapitel 3: Internationales Recht: Der Fokus dieses Kapitels liegt auf der völkerrechtlichen Regulierung von „Targeted Killing“. Es werden verschiedene Rechtsnormen und Prinzipien untersucht, darunter das Recht auf Selbstverteidigung, der Schutz der Zivilbevölkerung und das Recht auf Leben.
Schlüsselwörter
Targeted Killing, Völkerrecht, Selbstverteidigung, Schutz der Zivilbevölkerung, Recht auf Leben, Recht auf einen fairen Gerichtsprozess, Israel, Palästina, Terrorismusbekämpfung, humanitäres Völkerrecht, internationales Strafrecht.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter „Targeted Killing“?
Targeted Killing bezeichnet die gezielte Tötung einer spezifischen Person durch staatliche Akteure, meist im Kontext der Terrorismusbekämpfung, ohne vorheriges Gerichtsverfahren.
Ist gezielte Tötung nach internationalem Recht zulässig?
Dies ist völkerrechtlich höchst umstritten. Die Rechtmäßigkeit hängt oft von der Auslegung des Rechts auf Selbstverteidigung (Art. 51 UN-Charta) und der Unterscheidung zwischen Kombattanten und Zivilisten ab.
Warum gilt Israel als Pionier des Targeted Killing?
Israel setzt diese Methode seit Jahrzehnten systematisch gegen Führer militanter palästinensischer Organisationen ein, wie etwa im Fall von Scheich Ahmed Yassin, dem Gründer der Hamas.
Welche Menschenrechte werden durch Targeted Killings berührt?
Betroffen sind primär das Recht auf Leben und das Recht auf einen fairen Gerichtsprozess. Kritiker sehen darin eine Verletzung fundamentaler rechtsstaatlicher Prinzipien.
Wie wird der Schutz der Zivilbevölkerung dabei gewahrt?
Im humanitären Völkerrecht ist die Unterscheidung zwischen legitimen militärischen Zielen und Zivilisten zwingend. Bei Targeted Killings kommt es jedoch häufig zu „Kollateralschäden“, also der Tötung unbeteiligter Zivilisten.
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- Nicole Nowakowski (Author), 2022, Targeted Killing. Gezielte Tötung in Israel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1243214