Die in der Bundesrepublik real angewandten Korporatismuskonzepte – die Konzertierte Aktion und das Bündnis für Arbeit – litten beide von Anfang an unter dem existentiellen Interessenkonflikt, der traditionell zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden besteht. Erschwerend wirken noch situationsbedingt staatliche Interessen, die einem Ausgleich der Interessen nicht immer förderlich sind.
Dadurch dass alle Seiten dazu neigen auf ihren Positionen zu beharren oder nur zu geringen Zugeständnissen bereit sind, bleibt das angestrebte Ergebnis – sofern überhaupt ein Ergebnis in Form eines Konsens erzielt werden kann und nicht von vorne herein die Blockadehaltung einer der beteiligten Parteien die Verhandlungen scheitern lässt – allzu oft an der Oberfläche, ist nicht von Dauer und lässt die notwendige tiefgreifende Reformkraft vermissen.
Ein Vergleich zwischen Pluralismus und Korporatismus bezüglich der politischen Effektivität ihrer Organisationsform zeigt, dass die Korporatismustheorie eher die Realität widerspiegelt. Man kann die Korporatismustheorie jedoch nicht als Alternative zur Pluralismustheorie ansehen, sondern als eine Weiterentwicklung dieser. Sie setzt dort an, wo die theoretischen Konzepte des Pluralismus von der Realität eingeholt werden und sich als nicht praktikabel erweisen. So kann der Frage, ob Korporatismus im Vergleich zu Pluralismus die politisch effektivere Organisationsstruktur darstellt, nicht einfach zugestimmt oder abgesagt werden, da beide Theorien nach heutiger Ansicht nicht mehr konfrontativ zueinander stehen, sondern sich eher ergänzen.
Inhaltsverzeichnis
- Zentrale Fragestellung
- Geschichte des Korporatismus
- Korporatismus
- Korporatismus versus Pluralismus
- Spezifische Theorien zur Korporatismusdebatte
- Schmitter (siehe ebenso 4. Korporatismus versus Pluralismus)
- Lehmbruch
- Neokorporatistische Austauschlogik
- Beispiele zum Korporatismus
- Konzertierte Aktion
- Das Bündnis für Arbeit
- Ziele der Akteure des Bündnisses für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit
- Organisationsstruktur des Bündnisses für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit
- Kritik am Bündnis für Arbeit
- Diskussion
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Rolle des Korporatismus in der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere im Vergleich zum Pluralismus. Dabei werden die historische Entwicklung des Korporatismus, verschiedene theoretische Ansätze und praktische Beispiele wie die "Konzertierte Aktion" und das "Bündnis für Arbeit" beleuchtet.
- Historische Entwicklung des Korporatismus
- Theoretische Ansätze zum Korporatismus und Pluralismus
- Vergleich von Korporatismus und Pluralismus
- Beispiele für korporatistische Arrangements in Deutschland
- Die Rolle der Interessengruppen in politischen Entscheidungsprozessen
Zusammenfassung der Kapitel
- Zentrale Fragestellung: Das erste Kapitel stellt die zentrale Forschungsfrage der Arbeit dar: Ist Korporatismus im Vergleich zu Pluralismus die politisch effektivere Organisationsform?
- Geschichte des Korporatismus: Das zweite Kapitel befasst sich mit der historischen Entwicklung des Korporatismus, von seinen Ursprüngen im mittelalterlichen Ständestaat bis hin zur Diskreditierung durch den Faschismus und der Wiederbelebung als Neokorporatismus in den 1970er Jahren.
- Korporatismus: Das dritte Kapitel definiert den Begriff des Korporatismus und beleuchtet verschiedene Formen der Beteiligung gesellschaftlicher Interessengruppen an politischen Entscheidungsprozessen. Die "Konzertierte Aktion" dient als konkretes Beispiel für korporatistische Arrangements.
- Korporatismus versus Pluralismus: Das vierte Kapitel vergleicht die Merkmale von Korporatismus und Pluralismus. Es werden verschiedene Charakteristika von Verbänden und Staat-Verbände-Beziehungen im Kontext beider Modelle dargestellt. Schmitters Idealtypus des Korporatismus wird vorgestellt und in der Übersicht präsentiert.
- Spezifische Theorien zur Korporatismusdebatte: Das fünfte Kapitel analysiert verschiedene theoretische Ansätze zur Korporatismusdebatte. Es werden die Theorien von Schmitter und Lehmbruch sowie die neokorporatistische Tauschhypothese diskutiert.
- Beispiele zum Korporatismus: Das sechste Kapitel beleuchtet zwei wichtige Beispiele für korporatistische Arrangements in Deutschland: die "Konzertierte Aktion" und das "Bündnis für Arbeit". Es werden die Ziele, die Organisationsstruktur und die Kritik an diesen Arrangements analysiert.
Schlüsselwörter
Korporatismus, Pluralismus, Interessenvertretung, Interessengruppen, Staat, Verbände, Konzertierte Aktion, Bündnis für Arbeit, Neokorporatismus, Austauschlogik, politische Entscheidungsprozesse, Mitgliedschaftslogik, Einflusslogik, Funktionsbedingungen, hierarchische Organisationsstrukturen, politische Effektivität.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Korporatismus und Pluralismus?
Korporatismus bezeichnet die institutionalisierte Beteiligung von Interessengruppen (wie Verbänden) an staatlichen Entscheidungen, während Pluralismus einen freien Wettbewerb dieser Gruppen betont.
Was versteht man unter der „Konzertierten Aktion“?
Dies war ein korporatistisches Konzept in der BRD, das auf eine Abstimmung zwischen Staat, Gewerkschaften und Arbeitgebern abzielte.
Was war das „Bündnis für Arbeit“?
Ein neokorporatistisches Arrangement zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, das jedoch oft an Interessenkonflikten zwischen den Beteiligten scheiterte.
Ist Korporatismus politisch effektiver als Pluralismus?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass beide Theorien sich eher ergänzen als konfrontativ gegenüberstehen, da der Korporatismus oft dort ansetzt, wo Pluralismus an Grenzen stößt.
Warum leiden korporatistische Konzepte oft unter Blockaden?
Ursache ist meist der existentielle Interessenkonflikt zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden sowie die mangelnde Bereitschaft zu tiefgreifenden Zugeständnissen.
- Quote paper
- Gero Birke (Author), 2002, Korporatismus in der BRD - Von der Konzertierten Aktion zum Bündnis für Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12432