„Die vor etwa zwanzig Jahren noch allgemein verbreitete Erwartung, daß (sic) der Krimi nicht nur leichtverständlich, leicht identifizierbar und leichtgewichtig sei, sondern sich auch als leicht analysierbar und literaturwissenschaftlich erfaßbar (sic) erweisen würde, hat sich nicht erfüllt.“ Was Ulrich Suerbaum 1984 über den Kriminalroman schrieb, besitzt auch heute noch Aktualität. Von einigen heute gewiss noch der Trivialliteratur zugeordnet, sehen andere in der experimentellen Variante des Detektivromans den postmodernen Roman schlechthin. Unbestritten jedoch ist seine kaum übertroffene internationale Popularität. Bremer sieht als Grund hierfür auch den „Vertrauensverlust in die Religion und die anderen großen `Metaerzählungen´, [welcher] bei den Lesern die Sehnsucht nach einem allmächtigen Helden [weckt], der immer dank Logik und Sammeln von Beweisen `die Wahrheit´ herausfindet“, „[...] um Chaos und der Irrationalität etwas entgegenzusetzen.“
Nach einer beinahe fünfzigjährigen Phase der Heimischwerdung und der Transkulturation des Kriminalromans in Brasilien begann seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Ausdifferenzierung der Gattung, die in Lateinamerika ihresgleichen sucht. Mit Rubem Fonsecas Roman Bufo & Spallanzani (1985) möchte die vorliegende Arbeit ein Werk des herausragenden brasilianischen Kriminalromanautors besprechen. Dazu soll zunächst ein gattungsgeschichtlicher Überblick mit besonderem Augenmerk auf die Untergattung hard-boiled school gegeben werden, welcher auch der Roman Bufo & Spallanzani zuzuschreiben ist. Anschließend wird die Rezeption der Gattung von Seiten der Literaturwissenschaft behandelt. Hier zeigt sich die deutliche Entwicklung von anfänglicher Ignoranz hin zu einer ernsthaften Beschäftigung mit dem Kriminalroman. Eine Einordnung des zu besprechenden Romans soll mit dem Versuch einer Definition des Schemas eines `klassischen Kriminalromans´ erleichtert werden. Hierbei soll ebenfalls auf Variationen des Schemas verwiesen werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Historische Entwicklung der Gattung
- Von Poe bis ins Goldene Zeitalter des Detektivromans
- Die hard-boiled school
- Phasen der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung
- Literarisches Schema und Variation
- O Romance Policial - Der brasilianische Kriminalroman
- Die Phase der Gattungsfindung
- Der Prozess der Gattungsdiversifizierung
- Rubem Fonseca
- Der harte Krimi: Bufo & Spallanzani
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den brasilianischen Kriminalroman, insbesondere Rubem Fonsecas "Bufo & Spallanzani". Die Zielsetzung ist eine gattungsgeschichtliche Einordnung des Romans, unter Berücksichtigung der "hard-boiled school", sowie eine Analyse seiner literaturwissenschaftlichen Rezeption.
- Historische Entwicklung des Kriminalromans
- Die hard-boiled school als Untergattung
- Literaturwissenschaftliche Rezeption des Kriminalromans
- Gattungsfindung und -diversifizierung des brasilianischen Kriminalromans
- Analyse von Rubem Fonsecas "Bufo & Spallanzani"
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet die anhaltende Aktualität der Debatte um den Kriminalroman und seine literarische Einordnung. Kapitel 2 bietet einen historischen Überblick über die Entwicklung der Gattung, von Poe bis zum "Goldenen Zeitalter" des Detektivromans und der "hard-boiled school". Kapitel 3 behandelt die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kriminalroman und dessen Entwicklung von anfänglicher Ignoranz zu ernsthafter Beschäftigung. Kapitel 4 fokussiert auf den brasilianischen Kriminalroman, seine Gattungsfindung und Diversifizierung. Kapitel 5 ordnet Rubem Fonseca und seinen Roman "Bufo & Spallanzani" in diesen Kontext ein.
Schlüsselwörter
Brasilianischer Kriminalroman, Rubem Fonseca, Bufo & Spallanzani, hard-boiled school, literaturwissenschaftliche Rezeption, Gattungsgeschichte, Transkulturation.
Häufig gestellte Fragen
Was zeichnet den brasilianischen Kriminalroman aus?
Nach einer Phase der Transkulturation entwickelte sich in Brasilien ab den 70er Jahren eine starke Gattungsdiversifizierung. Besonders die "hard-boiled school" prägte das Genre und verarbeitete soziale Realitäten des Landes.
Worum geht es in Rubem Fonsecas "Bufo & Spallanzani"?
Der Roman von 1985 ist ein herausragendes Beispiel für den brasilianischen Kriminalroman. Er nutzt Elemente des harten Krimis (hard-boiled), um Chaos und Irrationalität der modernen Gesellschaft zu thematisieren.
Was ist die "hard-boiled school" im Krimi-Genre?
Dies ist eine Untergattung des Detektivromans, die sich durch einen harten, realistischen Stil und oft zynische Ermittler auszeichnet. Sie entstand als Gegenbewegung zum klassischen, rein logikbasierten britischen Krimi.
Wie hat sich die literaturwissenschaftliche Sicht auf den Krimi gewandelt?
Lange als Trivialliteratur ignoriert, wird der Kriminalroman heute ernsthaft erforscht. Er gilt teilweise als der postmoderne Roman schlechthin, der tiefere Einblicke in gesellschaftliche Strukturen bietet.
Warum ist der Kriminalroman international so populär?
Ein Grund ist die Sehnsucht nach einem Helden, der in einer Welt ohne religiöse Gewissheiten durch Logik und Beweise "die Wahrheit" findet und dem Chaos Ordnung entgegensetzt.
- Arbeit zitieren
- Katharina Frank (Autor:in), 2006, Der brasilianische Kriminalroman - Eine Untersuchung anhand Rubem Fonsecas 'Bufo & Spallanzani', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123905