Man möchte schreiben. Man möchte literarisch sein und doch darf man nicht aus den Augen verlieren, dass man wissenschaftlich und objektiv über einen Aspekt eines Schriftstellerinnenlebens diskutieren soll. Man muss argumentieren. Man muss Gedanken nachvollziehbar entwickeln und stichhaltig begründen. Das Folgende ist keine Inszenierung und kein poetischer Erguss. Es enthält keine subjektiven Eindrücke und keine pathetischen Anekdoten. Man muss schreiben und wissenschaftlich bleiben, denn „was hat der Mensch dem Menschen Größeres zu geben als Wahrheit?“ (F. Schiller).
Gegenstand dieser Seminararbeit ist ein Aspekt aus dem Werk von Vicki Baum. Zum Großteil ihre Autobiographie Es war alles ganz anders - eine unvollendete Selbstinszenierung voller Lebensgeschichten, realen Begebenheiten und Erinnerungen. Diese Geschichte ihres Lebens ist der Ausgangspunkt für den literaturwissenschaftlichen Ansatz und die Fragestellung, die diese Seminararbeit bestimmen wird, nämlich den Schein, Glanz und Glamour, den diese Schriftstellerin in einigen Romanen und rund um ihre Person mittels Ironie und Trivialität inszeniert, zu entlarven bzw. sichtbar zu machen.
Hier wird ein weiterer wissenschaftlicher und exemplarischer Versuch unternommen den Mythos, dass Vicki Baum eine Trivial- und Unterhaltungsautorin sei, ein Stück weit zu zertrümmern oder auch einfach nur den Blick auf Teile ihres Lebens und Werkes zu erweitern - keineswegs durchweg neu oder innovativ, aber wichtig um eben der Wahrheit willen . Die Prämisse bzw. der Ausgangspunkt für diese Forschungsfrage ist das mit zunehmendem Alter der Autorin immer massivere, kritischere Verhältnis zu den Vereinigten Staaten.
Inhaltsverzeichnis
- Hinführung zum Thema
- Hollywood. Los Angeles. Vicki Baums ironisch-kritischer Blick
- Wahrheit finden & Inszenierung entschlüsseln: Vicki Baums Amerikakritik
- Sekundärliteratur im Blick: The Mustard Seed (dt. Kristall im Lehm)
- Es war alles ganz anders. Erinnerungen - Zwischen Wahrheit & Inszenierung (Autobiographie)
- Exkurs: Philosophischer Ansatz die Wahrheit eines Kunstwerkes zu ergründen (T.W. Adornos Ästhetikbegriff)
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit untersucht Vicki Baums kritisches Verhältnis zu den USA, insbesondere im Kontext ihrer Autobiographie "Es war alles ganz anders". Die Arbeit analysiert, wie Baum Schein und Glamour ihrer Person und ihrer Romane mittels Ironie und Trivialität inszeniert und entlarvt. Dabei wird der Mythos der "Trivial- und Unterhaltungsautorin" hinterfragt und der Blick auf ihr Leben und Werk erweitert.
- Vicki Baums ironisch-kritischer Blick auf Hollywood und die amerikanische Filmindustrie
- Die Ambivalenz von Baums Verhältnis zu den USA: Liebe und Kritik
- Die Darstellung von Wahrheit und Inszenierung in Baums Werken
- Analyse von Baums Roman "The Mustard Seed" und dessen Amerikakritik
- Die Rolle der Autobiographie als Selbstinszenierung und Quelle für die Wahrheit über Baums Leben
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in die Thematik ein und skizziert den wissenschaftlichen Ansatz der Arbeit. Kapitel zwei analysiert Baums ironisch-kritische Perspektive auf Hollywood, basierend auf ihren Erfahrungen und ihrem Roman "Leben ohne Geheimnis". Kapitel drei untersucht Baums Amerikakritik, insbesondere im Kontext von "The Mustard Seed", und bezieht Sekundärliteratur mit ein. Kapitel vier befasst sich mit Baums Autobiographie "Es war alles ganz anders", die sowohl als Selbstinszenierung als auch als Quelle für die Wahrheit über ihr Leben betrachtet wird. Ein Exkurs in Adornos Ästhetikbegriff liefert einen philosophischen Rahmen für die Auseinandersetzung mit Wahrheit und Schein in Baums Werken.
Schlüsselwörter
Vicki Baum, Amerikakritik, Hollywood, Filmindustrie, Autobiographie, Wahrheit, Inszenierung, Ironie, Trivialität, "Es war alles ganz anders", "The Mustard Seed" ("Kristall im Lehm"), "Leben ohne Geheimnis", Selbstironie, Adorno, Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
War Vicki Baum nur eine Trivialautorin?
Die Arbeit hinterfragt diesen Mythos und zeigt auf, dass Baum Ironie und Trivialität gezielt als Mittel der Inszenierung und Gesellschaftskritik einsetzte.
Wie stand Vicki Baum zu den Vereinigten Staaten?
Ihr Verhältnis war ambivalent: Einerseits lebte sie dort den „amerikanischen Traum“, entwickelte aber mit zunehmendem Alter eine massive und kritische Haltung gegenüber den USA.
Welche Rolle spielt ihre Autobiographie „Es war alles ganz anders“?
Das Werk wird als „unvollendete Selbstinszenierung“ betrachtet, in der reale Begebenheiten und literarische Konstruktion miteinander verschmelzen.
Wie blickte Baum auf Hollywood?
Sie betrachtete die Filmindustrie und das Leben in Los Angeles mit einem ironisch-kritischen Blick, den sie auch in Romanen wie „Leben ohne Geheimnis“ verarbeitete.
Was analysiert die Arbeit am Roman „The Mustard Seed“?
Anhand dieses Werks (dt. Kristall im Lehm) wird Baums tiefgreifende Amerikakritik und die Entlarvung von gesellschaftlichem Schein untersucht.
Welchen philosophischen Ansatz nutzt die Arbeit?
Sie nutzt Adornos Ästhetikbegriff, um die Wahrheit eines Kunstwerkes im Spannungsfeld zwischen Wahrheit und Inszenierung zu ergründen.
- Quote paper
- Thomas Ochs (Author), 2009, Vicki Baum zwischen Wahrheit und Inszenierung in den USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123561