Der vierte jugoslawische Erbfolgekrieg hat erneut gezeigt, dass Europa noch weit entfernt ist von einer stabilen Friedensordnung, die Kriege wie im ehemaligen Jugoslawien undenkbar macht. Der Kosovo-Krieg 1998 bis 1999 wurde aus vielen Gründen von einer Krise zu einem Krieg. Ethnische, religiöse, nationale, sozio- ökonomische und demographische Faktoren sind im Kosovo mit einer doppelten Mehrheit- Minderheiten- Problematik verwoben. Propaganda und Desinformationen wurden in neuen Maßen und Mengen eingesetzt wie nie zuvor. Sie sind keine Erfindung des 20 Jahrhunderts. Seit der Erfindung des Buchdruckes, beziehungsweise seit dem es für Krieg eingesetzt wurde, entstanden Papiere mit falschen Meldungen oder professionell übertriebenen Karikaturen. Mundpropaganda konnte sich schneller verbreiten, weil viel mehr Menschen die Erstinformation hatten. Zeitungen wurden von Beginn an selbst von Streitkräften herausgegeben und zensiert. Mit der fortschreitenden technologischen Entwicklung, veränderte sich die Art der Propaganda. Der Film setzte zu Beginn auf visuelle Aufmachungen, um Stärke zu demonstrieren. Das Radio förderte die Sprache und die Rhetorik des Krieges und der Propaganda. Heute werden Nachrichten, Telefon, Fax und das Internet für die psychologische Kriegsführung eingesetzt.
In dieser Arbeit möchte ich zuerst allgemein auf die psychologische Kriegsführung, Propaganda und Desinformationen eingehen, um dann in den darauf folgenden Kapiteln näher auf die Kommunikation und die Medienarbeit der Serben und der alliierten Streitkräfte eingehen zu können.
Daran anschließend werde ich die Medien und ihre Wirkung auf Menschen und Gesellschaften darstellen, um zu zeigen, welche Macht die Medien haben können. Das darauf folgenden Kapitel behandelt die Krisenkommunikation und wie diese in der Zukunft aussehen müsste, damit Desinformationen und Propaganda keine Chance mehr haben. Im letzten Punkt möchte ich einen Lösungsvorschlag vorstellen, wie die internationale Gemeinschaft und die Vereinten Nationen in Konflikte eingreifen und hetzerische Propaganda verhindern können.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Psychologische Kriegsführung, Propaganda und Desinformation
- 3. Kommunikation im Kosovo-Konflikt
- 3.1 Konfliktdeterminanten
- 3.2 Konfliktursachen und -konstellationen
- 3.3 Zensur und Desinformation
- 3.4 Zielgruppen serbischer Kommunikation
- 3.5 Serbische Friedfertigkeit
- 4. Die NATO und die Medien im Kosovo-Konflikt
- 4.1 Psychological Operations der NATO
- 4.2 Die Sprache der NATO
- 4.3 PR des NATO-Bündnis
- 5. Medien als Brandstifter
- 6. Krisenkommunikation der Zukunft
- 7. Medienblauhelme - eine neue Aufgabe für die UNO?
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Rolle von Medien und Kommunikation im Jugoslawien- und Kosovo-Krieg. Ziel ist es, die psychologische Kriegsführung, Propaganda und Desinformation in diesen Konflikten zu analysieren und deren Auswirkungen auf die beteiligten Akteure und die öffentliche Meinung zu beleuchten. Die Arbeit betrachtet dabei sowohl die serbische als auch die NATO-seitige Kommunikation.
- Psychologische Kriegsführung im Kosovo-Konflikt
- Propaganda und Desinformation als Instrumente der Konfliktführung
- Analyse der Medienberichterstattung im Kosovo-Krieg
- Die Rolle der NATO-Kommunikation
- Möglichkeiten der Krisenkommunikation in zukünftigen Konflikten
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema ein und beschreibt den Kosovo-Konflikt im Kontext der jugoslawischen Kriege. Kapitel 2 behandelt allgemein die psychologische Kriegsführung, Propaganda und Desinformation, ihre historischen Entwicklungen und modernen Anwendungsmöglichkeiten. Kapitel 3 analysiert die Kommunikation im Kosovo-Konflikt, insbesondere die Konfliktdeterminanten.
Kapitel 4 fokussiert auf die Medienarbeit der NATO im Kosovo-Konflikt, inklusive der Psychological Operations. Es wird die Kommunikation der NATO, deren Sprache und PR-Arbeit analysiert.
Schlüsselwörter
Kosovo-Krieg, Jugoslawienkrieg, Psychologische Kriegsführung, Propaganda, Desinformation, Medien, Kommunikation, NATO, Serbien, Krisenkommunikation, Konfliktanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielte Propaganda im Kosovo-Krieg?
Propaganda und Desinformation wurden von beiden Seiten (Serbien und NATO) in massivem Umfang eingesetzt, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, den Gegner zu dämonisieren und die eigenen militärischen Handlungen zu legitimieren.
Was versteht man unter „Psychological Operations“ der NATO?
Dies sind geplante kommunikative Maßnahmen, um die Einstellungen und das Verhalten der gegnerischen Bevölkerung oder Truppen zu beeinflussen, oft durch gezielte Informationen oder die Verbreitung von Flugblättern.
Wie nutzte Serbien die Medien während des Konflikts?
Die serbische Führung setzte auf Zensur und die Verbreitung von Narrativen über nationale Einheit und serbische Friedfertigkeit, während sie gleichzeitig Gräueltaten verschleierte oder dem Gegner zuschrieb.
Was ist die Idee hinter „Medienblauhelmen“?
„Medienblauhelme“ ist ein Lösungsvorschlag, bei dem die UNO in Konflikten eingreifen könnte, um hetzerische Propaganda zu verhindern und neutrale Informationen bereitzustellen, ähnlich wie militärische Friedenstruppen.
Wie hat sich die Kriegspropaganda technologisch entwickelt?
Von Flugblättern und Zeitungen über Radio und Film bis hin zu Internet, Fax und Telefon im Kosovo-Krieg – jede neue Technologie wurde sofort für die psychologische Kriegsführung adaptiert.
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- Marian Stüdemann (Author), 2007, Medien und Krieg am Beispiel Jugoslawiens und des Kosovo-Krieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123398