In dieser Arbeit werden die Antworten auf die folgenden Fragen gesucht:
Ob selbstständiges Lösen (entdeckendes Lernen) ohne beziehungsweise mit wenig Steuerung seitens der Lehrkraft möglich ist und ob die zur Verfügung stehenden Arbeitsmittel eine konkrete Hilfe darstellen beziehungsweise wie sie genutztwerden.
Ob die Arbeit in Kleingruppen die geeignete Methode ist, um Lösungsfähigkeiten bei der Bearbeitung von Problemaufgaben zu entwickeln.
Ob das zweite Schuljahr ein geeigneter Zeitpunkt ist, die Schüler an problemhaltige Sachaufgaben heranzuführen und welche „Strategien“ die Kinder zum Lösen einsetzen.
Ist es für alle Leistungsgruppen interessant, knifflige Sachaufgaben zu bearbeiten oder wenden sich nur die leistungsstarken Kinder gerne solchen Aufgaben zu?
Im Kern der Arbeit werden theoretische Grundlagen zu problemhaltigen Denk- und Sachaufgaben, zu Problemlöseprozessen und zur Bedeutung kooperativer Arbeits-formen für die Thematik beleuchtet, die die Grundlage für die methodische Umsetzung der Unterrichtseinheit bilden.
Die im Rahmen der Hausarbeit geplanten Unterrichtseinheiten konnten an einer Schwerpunktschule durchgeführt werden, wodurch die Möglichkeit bestand, in einigen festgelegten Stunden, in Leistungsgruppen zu arbeiten. Die Verfasserin unterrichtete in Mathematik eine Gruppe von 8 Schülern, die in diesem Fach zu den leistungsstärksten der Klasse gehören. Um die Kinder entsprechend zu fördern (und zu fordern), wählte die Autorin Problemaufgaben aus, die die Schüler in Partnerarbeit lösen sollten. Zu jeder Aufgabe wurden Materialien zur Verfügung gestellt, die ein handelndes Lösen ermöglichen. Die Autorin war einerseits erfreut über die Begeisterung, mit der diese 8 Kinder ihren Mitschülern anschließend erzählten, was sie gemacht hatten, andererseits war sie von der Qualität der Ergebnisse positiv überrascht. So reifte der Gedanke, allen Kindern der Klasse in einer Unterrichtseinheit Zugang zu problemhaltigen Denk- und Sachaufgaben zu verschaffen, die – anders als im traditionellen Mathematikunterricht, in dem Kenntnisse und Fertigkeiten unter der Führung der Lehrkraft an Beispielaufgaben vermittelt werden – die Chance bieten, durch eigene Entdeckungen und Überlegungen zu einer Lösung zu gelangen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Sachapekte
- Problemhaltige Denk- und Sachaufgaben
- Zum Begriff „Problemaufgaben“
- Verschiedene Typen von Problemaufgaben
- Aufgaben mit kombinatorischem Hintergrund als spezielle Sachaufgaben
- Problemlöseprozesse
- Der Prozesscharakter des Problemlösens
- Die Repräsentation des Problems
- Der Erwerb strategischen Lösungswissens
- Problemhaltige Denk- und Sachaufgaben
- Didaktische Aspekte
- Legitimation
- Bedeutung des Inhaltes für die Schüler
- Voraussetzungen für den Unterricht
- Entwicklungspsychologische Aspekte
- Lernvoraussetzungen und Vorerfahrungen der Klasse
- Äußere Voraussetzungen
- Zielsetzungen für die Unterrichtseinheit
- Methodische Entscheidungen und Begründungen zur Umsetzung der Thematik in Kleingruppen
- Gruppenarbeit
- Die Bedeutung kooperativer Arbeitsformen für das Thema
- Grundsätzliche methodische Überlegungen
- Medien
- Unterrichtsprinzipien
- Überblick über den Aufbau der Einheit
- Unterrichtspraktische Umsetzung der Einzelstunden
- „Legotürme bauen“ als Einstieg in die Kombinatorik (05.11.08)
- „Tiere auf der Mauer“ (07.11.08)
- „Kommissar Spürnase“ – Wir lösen den Fall auf jeden Fall! (12.11.08)
- „Häschen für Tom“ (14.11.08)
- „Blinde Sockensuche“ (19.11.08)
- „Die Geschichte vom Teufel und vom armen Mann“ (21.11.08)
- „Die Schnecke im Brunnen“ (26.11.08)
- „Petterssons Problem“ (28.11.08)
- „Lerntheke zu problemhaltigen Denk- und Sachaufgaben“ (03.12.08)
- Abschlussreflexion
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung von Lösungsstrategien bei Grundschulkindern der zweiten Klasse beim Lösen problemhaltiger Denk- und Sachaufgaben in Kleingruppen. Die Hauptziele sind die Förderung der Problemlösefähigkeit, der Kommunikationsfähigkeit und der mathematischen Sprachkompetenz der Schüler.
- Handelndes Lösen von mathematischen Problemen
- Entwicklung von Lösungsstrategien in Kleingruppen
- Kooperative Lernformen im Mathematikunterricht
- Differenzierung im Mathematikunterricht
- Förderung mathematischer Sprachkompetenz
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beschreibt den Ausgangspunkt der Arbeit: die Beobachtung der Begeisterung und des Erfolgs von leistungsstärkeren Schülern beim Lösen von Problemaufgaben in Partnerarbeit. Der zweite Teil beleuchtet die theoretischen Grundlagen zu problemhaltigen Denk- und Sachaufgaben, Problemlöseprozessen und kooperativen Arbeitsformen. Der dritte Teil widmet sich den didaktischen Aspekten, der Legitimation des gewählten Ansatzes und den Voraussetzungen für den Unterricht. Der vierte Teil beschreibt die methodischen Entscheidungen, insbesondere die Gruppenarbeit und den Einsatz von Materialien für ein handelndes Lösen. Die Kapitel 5 und 6 zeigen den Aufbau der Unterrichtseinheit und die praktische Umsetzung in Einzelstunden, wobei einige Stunden ausführlicher als andere dargestellt werden. Die Abschlusreflexion wertet die Ergebnisse der Unterrichtseinheit kritisch aus.
Schlüsselwörter
Problemhaltige Denk- und Sachaufgaben, Problemlösefähigkeit, Kooperative Lernformen, Kombinatorik, Gruppenarbeit, handelndes Lernen, mathematische Sprachkompetenz, Differenzierung, Grundschule, 2. Schuljahr.
Häufig gestellte Fragen
Können Zweitklässler bereits komplexe Problemaufgaben lösen?
Ja, die Untersuchung zeigt, dass Kinder im zweiten Schuljahr durch handelndes Lösen und Entdecken sehr wohl in der Lage sind, Lösungsstrategien für Problemaufgaben zu entwickeln.
Warum ist Gruppenarbeit für den Mathematikunterricht sinnvoll?
Kooperative Arbeitsformen fördern die mathematische Sprachkompetenz und den Austausch über verschiedene Lösungswege, was das Verständnis vertieft.
Was versteht man unter „entdeckendem Lernen“?
Es ist eine Methode, bei der Schüler Lösungen selbstständig durch Überlegen und Ausprobieren finden, statt vorgegebene Rechenwege der Lehrkraft nachzuahmen.
Welche Rolle spielen Arbeitsmittel wie Lego-Steine?
Konkrete Materialien ermöglichen ein „handelndes Lösen“, was besonders für jüngere Kinder wichtig ist, um abstrakte mathematische Probleme (z.B. Kombinatorik) begreifbar zu machen.
Sind Problemaufgaben nur für leistungsstarke Schüler interessant?
Nein, die Arbeit belegt, dass bei richtiger methodischer Aufbereitung alle Kinder einer Klasse motiviert werden können, knifflige Sachaufgaben zu bearbeiten.
- Quote paper
- Christine Leßmeister (Author), 2009, Problemhaltige Denk- und Sachaufgaben handelnd lösen. Entwicklung von Lösungsstrategien in Kleingruppen in der 2. Klasse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/123185