Nach 1945 haben vor allem zwei Autoren zur Weiterentwicklung der Komödie beigetragen. Friedrich Dürrenmatt und Peter Hacks. Seine These, dass den gegenwärtigen Zuständen nur noch die Komödie beikomme, bezog er ohne Unterscheidung auf die sozialistischen Strukturen der DDR als auch auf die nicht-sozialistischen der BRD. Bernhard Greiner schreibt, Dürrenmatt predige wie von einer Kanzel über die Widrigkeiten der Welt und verliere sich z.T. in zu ernsten Sinnfragen. Darüber wird in dieser Arbeit zu diskutieren sein. Zu beantworten wird die Frage sein, handelt es sich bei Dürrenmatts „Physikern“ um eine Komödie oder eher um eine Tragikomödie?
Um sich Friedrich Dürrenmatts Werk nähern zu können, ist es entscheidend, seine Welt-und Theaterauffassung zu kennen. Die Auseinandersetzung mit dieser wird den ersten Teil der Arbeit umfassen, in zweiten Teil wird über die formalen Auswirkungen auf „Die Physiker“ zu sprechen sein und im Schlußteil wird versucht, die Gattungsfrage zu lösen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Intentionen der Dramatik Dürrenmatts
3. Die Theorie der Komödie
4. Formale Auswirkungen der Komödientheorie auf „Die Physiker“
5. Das Komische in Friedrich Dürrenmatts Komödie "Die Physiker"
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gattungsfrage von Friedrich Dürrenmatts Drama „Die Physiker“ und analysiert, ob es sich dabei um eine reine Komödie oder um eine Tragikomödie handelt. Dabei wird insbesondere Dürrenmatts Theaterauffassung und seine Theorie der Komödie, insbesondere die Nutzung der Groteske, des Zufalls und des Einfalls, beleuchtet.
- Untersuchung der dramaturgischen Intentionen Dürrenmatts.
- Analyse der Komödientheorie und ihrer Anwendung auf das Werk.
- Die Bedeutung der Groteske als stilistisches Mittel zur Gesellschaftskritik.
- Der Einsatz des Zufalls als zentrales Element in Dürrenmatts Dramaturgie.
- Einordnung der „Physiker“ als Tragikomödie im Kontext des 20. Jahrhunderts.
Auszug aus dem Buch
Die Theorie der Komödie
Wie schon beschrieben, lehnt Dürrenmatt jede politische Aussage in seinen Stücken ab und doch orientiert sich die Komödientheorie in großen Teilen am epischen Theater Bertolt Brechts. Ein ganz entscheidender Punkt bei beiden Autoren ist die Demontage der Illusion, das Nicht-identifizieren des Schriftstellers mit Publikum und so die Distanzierung desselben vom Bühnengeschehen. Als Ziel seiner Arbeit betrachtet Dürrenmatt die kritische Auseinandersetzung des Zuschauers mit dem Sujet. Denn der Betrachter erkennt sich in dem tragischen Helden wieder und distanziert sich stattdessen von den komischen Personen und vom Komischen. Es stimmt, kein Zuschauer würde sich z.B. mit einem Narr oder Irren und dessen Unfähigkeit, Dinge des Alltags zu bewältigen, gleichsetzen. Eine Komödie, die das Komische als Stilelement einsetzt, macht eine Abwendung des Publikums vom Bühnengeschehen möglich.
Im Gegensatz zum epischen Theater Brechts, der die Handlung seiner Stücke durch Lieder, Kommentare, Projektionen etc. immer wieder zum Anhalten bringt, und somit beim Zuschauer Distanz und die Möglichkeit des Nachdenkens schafft, erzeugt Dürrenmatt diesen Verfremdungseffekt, das wichtigstes Prinzip des brechtschen Theaters durch das Komische selbst. Die Komik ist das stilistische Mittel, welches Distanz erzeugt. "Gelächter ist die Kraft, die den komischen Gegenstand von uns weg treibt." Dürrenmatt deutet die Realität um als Parodie und bildet nicht etwa die Wirklichkeit, nein die Verfremdung dessen nach. Die Handlung ist nicht absurd, sie hat nur einen widersprüchlichen Bezug zum Realen, der dem Betrachter vorgeführt wird. Die Dialoge in Dürrenmatt Dramen sind oft völlig paradox.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob es sich bei Dürrenmatts „Physikern“ um eine Komödie oder eine Tragikomödie handelt.
2. Die Intentionen der Dramatik Dürrenmatts: Dieses Kapitel erläutert Dürrenmatts Welt- und Theaterauffassung sowie sein Ziel, durch Provokation eine kritische Distanz beim Publikum zu erzeugen.
3. Die Theorie der Komödie: Hier wird Dürrenmatts spezifische Komödientheorie, die Elemente des epischen Theaters und die Nutzung der Groteske umfasst, analysiert.
4. Formale Auswirkungen der Komödientheorie auf „Die Physiker“: Dieser Abschnitt untersucht, wie Dürrenmatts theoretische Vorgaben formal in die Struktur des Dramas „Die Physiker“ einfließen.
5. Das Komische in Friedrich Dürrenmatts Komödie "Die Physiker": Das Kapitel hinterfragt den Begriff der Komik und analysiert, wie diese im Werk durch Charakter- und Situationskomik umgesetzt wird.
6. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Gattungsdiskussion und ordnet das Werk als Tragikomödie ein, die als einzige Form das Tragische der Gegenwart angemessen darstellen kann.
Schlüsselwörter
Friedrich Dürrenmatt, Die Physiker, Komödie, Tragikomödie, Groteske, Theatertheorie, Brecht, Distanzierung, Zufall, Einfall, Welttheater, Gesellschaftskritik, Paradoxon, Dramaturgie, Identifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Friedrich Dürrenmatts Drama „Die Physiker“ hinsichtlich seiner Gattungszuordnung und untersucht, wie Dürrenmatt durch theoretische und formale Mittel das Komische mit ernsten, zeitgeschichtlichen Themen verbindet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf Dürrenmatts Komödientheorie, der Rolle der Groteske, dem dramaturgischen Einsatz von Zufall und Einfall sowie der kritischen Auseinandersetzung des Autors mit gesellschaftlichen Problemen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob es sich bei dem Werk um eine Komödie oder eher um eine Tragikomödie handelt, und wie Dürrenmatt damit eine kritische Distanz beim Publikum erzeugt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Dürrenmatts eigene theoretische Schriften (wie „Theaterprobleme“) mit der Analyse des Dramas „Die Physiker“ sowie relevanter Sekundärliteratur verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Dürrenmatts Intentionen, der theoretischen Grundlagen der Komödie, der formalen Umsetzung in den „Physikern“ und einer detaillierten Betrachtung des Komischen innerhalb des Werkes.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem Autor und seinem Werk sind Begriffe wie Groteske, Tragikomödie, Distanzierung, Welttheater und Dramaturgie für das Verständnis der Arbeit essenziell.
Wie bewertet der Autor den Begriff des "Zufalls" bei Dürrenmatt?
Der Zufall wird als ein zentrales, nicht vorhersehbares dramaturgisches Mittel definiert, das die „schlimmstmögliche Wendung“ provoziert und die Protagonisten sowie das Publikum mit einer chaotischen, paradoxen Welt konfrontiert.
Warum ordnet die Arbeit das Werk als Tragikomödie ein?
Weil Dürrenmatt nach Auffassung der Arbeit die Elemente von Tragödie und Komödie verschmilzt, da die „reine“ Komödie nicht ausreicht, um die komplexe und tragische Realität des 20. Jahrhunderts adäquat darzustellen.
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- Julia Grubitzch (Author), 2008, Zwischen Einfall und Zufall - Friedrich Dürrenmatts Komödientheorie und deren Auswirkungen auf "Die Physiker", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122265