Im Folgenden nun soll das Augenmerk besonders auf The Selfish Giant
aus dem ersten Märchenband und The Birthday of the Infanta aus der zweiten
Sammlung gelegt werden. Dabei möchte ich weniger auf die gerade angesprochenen Kontroversen eingehen als vor allem die textimmanente
Bearbeitung des Problems der Identitätsfindung behandeln, die in der
wissenschaftlichen Auseinandersetzung Wildes Märchen bislang kaum
Beachtung gefunden hat. Vorrangig soll es darum gehen, die narrativen
Strategien und sprachlich-ästhetischen Mittel aufzuzeigen, mit denen die Texte
die Fragen nach Persönlichkeit und Identität aufwerfen, um diese Fragen dann
in einen soziologischen und identitätstheoretischen Hintergrund einzubetten.
Bei der Erzählung um den Riesen steht die Problematik der personalen
Identität im Fokus, während ich im Gegensatz dazu im Kapitel zu The Birthday
of the Infanta besonders auf die dialektische Grundstruktur der Erzählung
eingehen werde, mit der die Hauptthemen der Inszenierung einerseits und mit
kollektiver Identität verbundene Ausgrenzung andererseits gestaltet werden.
[...]
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Zur Identitätsfindung in ausgewählten Märchen Oscar Wildes
- 2.1. „The Spring Asleep“ - The Selfish Giant
- 2.2. „He's a perfect horror“ – The Birthday of the Infanta
- 3. Schlussbemerkungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Identitätsfindung in zwei ausgewählten Märchen Oscar Wildes: „The Selfish Giant“ und „The Birthday of the Infanta“. Der Fokus liegt auf der textimmanenten Analyse der narrativen Strategien und sprachlich-ästhetischen Mittel, mit denen Wilde die Fragen nach Persönlichkeit und Identität aufwirft. Die Ergebnisse werden in einen soziologischen und identitätstheoretischen Kontext eingebettet.
- Identitätsfindung im Kontext von Märchen
- Narrative Strategien in Wildes Märchen
- Sprachlich-ästhetische Mittel zur Darstellung von Identität
- Soziologische und identitätstheoretische Hintergründe
- Personale vs. kollektive Identität
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 (Einleitung): Die Einleitung beleuchtet die kontroverse Rezeption von Wildes Märchen in der Literaturwissenschaft und führt die Fokussierung auf die Identitätsfindung als zentralen Aspekt der Analyse ein. Die Arbeit konzentriert sich auf „The Selfish Giant“ und „The Birthday of the Infanta“.
Kapitel 2.1 („The Spring Asleep“ - The Selfish Giant): Dieses Kapitel analysiert „The Selfish Giant“ im Kontext von Wildes Gesamtwerk. Im Gegensatz zu anderen Märchen, in denen Täuschung im Vordergrund steht, erfährt der Riese eine positive Identitätsentwicklung und findet zu einer für ihn erfüllten Lebensweise. Die idyllische Beschreibung des Gartens wird als Exposition interpretiert, in der christlich-biblische Anspielungen erkennbar sind.
Häufig gestellte Fragen
Wie wird das Thema Identität in Oscar Wildes Märchen behandelt?
Die Arbeit untersucht, wie Wilde durch narrative Strategien Fragen nach personaler und kollektiver Identität aufwirft, oft im Spannungsfeld zwischen Selbstwahrnehmung und gesellschaftlicher Ausgrenzung.
Welche Identitätsentwicklung durchläuft der „Selfish Giant“?
Der Riese wandelt sich von einer egoistischen, isolierten Figur zu einem Wesen, das durch Liebe und das Teilen seines Gartens eine erfüllte, positive Identität findet.
Worum geht es in „The Birthday of the Infanta“ bezüglich Identität?
Das Märchen thematisiert die schmerzhafte Entdeckung der eigenen Identität durch den Zwerg, der erst durch sein Spiegelbild erkennt, dass er von der höfischen Gesellschaft nur als "Horror" und Objekt des Spotts gesehen wird.
Welche Rolle spielt die Ausgrenzung in Wildes Erzählungen?
Ausgrenzung dient als Spiegel für die kollektive Identität der Mehrheitsgesellschaft. Wilde zeigt, wie Grausamkeit und Oberflächlichkeit die Identität der "Anderen" (z. B. des Zwerges) zerstören können.
Gibt es religiöse Anspielungen in „The Selfish Giant“?
Ja, die Erzählung nutzt christlich-biblische Motive (wie die Wundmale des Kindes), um die moralische Wandlung und die finale Erlösung des Riesen symbolisch zu untermauern.
Was sind die narrativen Strategien von Oscar Wilde?
Wilde nutzt sprachlich-ästhetische Kontraste, wie die idyllische Naturdarstellung gegenüber menschlicher Kälte, um die inneren Konflikte seiner Figuren und deren Suche nach Persönlichkeit darzustellen.
- Quote paper
- Claudia Wannack (Author), 2008, "As if he really was one of themselves" - Zur Identitätsfindung in ausgewählten Märchen von Oscar Wilde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122180