Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen wurde auf Anregung des Europarats erstellt. Ziel dieses Projektes ist es, dem Fremdsprachenlernen in den verschiedenen europäischen Mitgliedsstaaten mehr Transparenz zu verschaffen und diesbezüglich Gemeinsamkeiten herzustellen. Durch gleiche, festgelegte Standards in der Fremdsprachenausbildung sollen Barrieren zwischen den verschiedenen Bildungseinrichtungen beseitigt und die Kommunikation untereinander erleichtert werden.
Der GeR sollte es ermöglichen, verschiedene Sprachdiplome oder Prüfungen miteinander zu vergleichen. Dabei kommt der Beschreibung bestehender Prüfungen mit Hilfe der im GeR festgesetzten Standards eine gewichtige Rolle zu. In der Folge ist es möglich Prüfungen bestimmten Niveaustufen zuzuordnen und sie transparenter zu machen. Nach Erscheinen des GeR haben die meisten Sprachdiplome und Prüfungen seine Standards umgesetzt und werben damit. Das 9. Kapitel - „Beurteilen und Prüfen“ - des GeR gibt Hilfestellungen für das Erstellen solcher Prüfungen und definiert Standards für verschiedene Formen der Beurteilung.
Die vorliegende Arbeit behandelt vordergründig das 9. Kapitel: „Beurteilen und Prüfen“.
Zu Beginn der Arbeit werden einige Standards des GeR, die für das Verständnis der weiteren Arbeit notwendig sind, definiert und erläutert. In der Folge werden die Inhalte des 9. Kapitels kurz vorgestellt und durchleuchtet. Schließlich wird überprüft, in wie fern die Standards des GeRs, die das Prüfen und Beurteilen betreffen, bei der Erstellung des Französischen Sprachdiploms DELF scolaire (Diplôme d'Etudes en langue française) umgesetzt wurden. Außerdem wird untersucht, ob die Prüfung, die angibt, das Niveau A1 (niedrigste Niveaustufe) zu überprüfen, tatsächlich von Sprachverwendern mit dieser Niveaustufe zu absolvieren ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Grundlegende Begriffsbestimmungen
1.1 Kompetenz/Performanz
1.2 Allgemeine Kompetenzen
1.3 Kommunikative Sprachkompetenzen
2 Welche Möglichkeiten bietet das 9. Kapitel des GeR „Beurteilen und Prüfen“ für die Prüfpraxis
2.1 Grundlegende Voraussetzungen für Vergleichbarkeit von Prüfungen
2.2 Inhalte der Prüfungen
3 Das französische Sprachdiplom DELF scolaire
3.1 Aufbau der DELF scolaire A1 Prüfung
3.2 Analyse der DELF scolaire Prüfung auf Basis des GeR
3.2.1 Compréhension de l’oral
3.2.2 Compréhension des écrits
3.2.3 Production écrite
3.2.4 Production orale
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Standards aus dem 9. Kapitel des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GeR) auf das französische Sprachdiplom DELF scolaire A1 und prüft kritisch, inwieweit die Aufgabenstellungen tatsächlich dem Niveaustufe A1 entsprechen.
- Grundlegende Definitionen von Kompetenz, Performanz und verschiedenen Sprachkompetenzen gemäß GeR.
- Analyse der Qualitätskriterien Validität, Reliabilität und Durchführbarkeit für Sprachprüfungen.
- Strukturelle Untersuchung des DELF scolaire A1 Sprachdiploms.
- Kritische Evaluation der Aufgaben hinsichtlich der Angemessenheit für das A1-Niveau unter Berücksichtigung von Weltwissen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Compréhension de l’oral
Der für diesen Prüfungsteil angegebene Deskriptor lautet:
«Réponse à des questionnaires de compréhension portant sur trois ou quatre courts documents enregistré ayant trait à des situations de la vie quotidienne.»
Der GeR beschreibt die rezeptiven Aktivitäten und Strategien (Hören und Lesen) für das Niveau A1 mit folgende Deskriptoren:
Hörverstehen allgemein Kann verstehen, wenn sehr langsam und sorgfältig gesprochen wird und wenn lange Pausen Zeit lassen, den Sinn zu erfassen.
Gespräche zwischen Muttersprachlern verstehen keine Deskriptoren verfügbar
als Zuschauer/Zuhörer im Publikum verstehen keine Deskriptoren vorhanden
Ankündigungen, Durchsagen und Anweisungen verstehen Kann Anweisungen, die langsam und deutlich an ihn/sie gerichtet werden, verstehen und kann kurzen einfachen Wegerklärungen folgen.
Radiosendungen und Tonaufnahmen verstehen keine Deskriptoren vorhanden
Der GeR empfiehlt bei der Erstellung von Prüfungen das Ziel genau zu formulieren. Diese Empfehlung wurde hier versucht umzusetzen. Das Ziel dieses Prüfungsteil wurde in Form eines Deskriptors angegeben, aber nicht präzise formuliert. Der Deskriptor lässt eine Bandbreite an Auslegungen bei der Bewertung zu. Anders als der GeR, der bei der Beschreibung der Kompetenzen detaillierter vorgeht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Grundlegende Begriffsbestimmungen: Es werden zentrale Konzepte wie Kompetenz, Performanz sowie allgemeine und kommunikative Sprachkompetenzen erläutert, um ein theoretisches Fundament für die weitere Analyse zu legen.
2 Welche Möglichkeiten bietet das 9. Kapitel des GeR „Beurteilen und Prüfen“ für die Prüfpraxis: Dieses Kapitel thematisiert die Qualitätskriterien Validität, Reliabilität und Durchführbarkeit für Prüfungen und beleuchtet, wie der GeR als Standard für die Prüfungsentwicklung fungieren kann.
3 Das französische Sprachdiplom DELF scolaire: Nach einer Vorstellung des Zertifikats folgt eine detaillierte Analyse des Aufbaus und der einzelnen Prüfungsteile (Hören, Lesen, Schreiben, Sprechen) unter Anwendung der GeR-Standards.
Schlüsselwörter
Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen, GeR, DELF scolaire, Sprachdiplom, A1, Sprachkompetenz, Prüfungsstandards, Validität, Reliabilität, Fremdsprachenunterricht, Hörverstehen, Leseverstehen, Sprachproduktion, Kompetenznachweis, Testtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das 9. Kapitel des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GeR) bei der Erstellung von Sprachprüfungen in der Praxis angewendet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die theoretischen Grundlagen der Sprachkompetenz, die Qualitätskriterien für Prüfungen sowie die praktische Umsetzung dieser Standards am Beispiel des DELF scolaire A1.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu analysieren, ob die DELF scolaire A1 Prüfung tatsächlich dem im GeR definierten Niveau A1 entspricht und ob die Aufgaben die Kompetenzen der Lernenden akkurat erfassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin führt eine theoretische Analyse durch, in der sie die Anforderungen und Deskriptoren des GeR mit den konkreten Inhalten und Aufgabenstellungen des DELF scolaire A1 Zertifikats vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Einführung, eine Darstellung der GeR-Kriterien für Prüfungen sowie eine detaillierte Prüfung der vier DELF-Teile: Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie GeR, DELF scolaire, Sprachdiplom, Validität, Prüfungsstandards und Sprachkompetenz charakterisieren.
Warum wird die Bindung des DELF an Schulbücher kritisiert?
Die Autorin kritisiert, dass durch die enge Verknüpfung mit spezifischen Lehrwerken die Prüfung ihren Status als unabhängiger Qualifikationsnachweis verliert und stattdessen zu einem schulbezogenen Leistungstest wird.
Welche Rolle spielt das Weltwissen bei der DELF-Prüfung?
Die Analyse zeigt, dass viele Aufgaben explizites Weltwissen voraussetzen, was dazu führen kann, dass Lernende trotz vorhandener Sprachkompetenz an den Aufgaben scheitern, weil ihnen das außerlinguistische Wissen fehlt.
- Quote paper
- Elisabeth Kirchhoff (Author), 2008, Die Vergleichbarkeit von Sprachdiplomen gemäß des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GeR) am Beispiel des französischen DELF scolaire A1, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121755