Was ist eigentlich Dyskalkulie? Es zählt bereits zu den bekannten Lernschwächen wie ADHS und LRS. Funktioniert im Leben nichts mehr ohne Schwierigkeiten? Warum bekommen ausgerechnet Kinder mehr und mehr Schwierigkeiten die sie in ihrem Leben bewerkstelligen müssen? Hängt das mit der immer schwieriger werdenden sozialen Situation der Eltern zusammen? Sind Eltern und Lehrer nicht mehr in der Lage, Kinder ausreichend zu fördern um sie in die Gesellschaft zu integrieren?
Um Antwort auf diese Fragen zu finden, habe ich mich unter anderem mit XY, dem Schulleiter der XY– Grundschule in Stadt A unterhalten. Das Schulkonzept dieser Grundschule konzipiert besondere Förderprogramme für Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie. Ich war erschrocken darüber, dass der Anteil der Kinder mit Lernschwächen nur an dieser Schule zwischen 10 und 15 % liegt – Tendenz steigend. Bei einer Schülerzahl von 317 Kindern, sind somit über 40 Kinder verhaltensauffällig! 40 Kinder im Grundschulalter! Im Gespräch mit XY wurde deutlich, dass der Umgang mit den Kindern immer schwieriger wird und intensive Betreuung durch die Lehrer nicht gewährleistet werden kann, zumal dies auch nur bedingt deren Aufgabe sei. Insbesondere die Zusammenarbeit mit den Eltern gestalte sich sehr schwierig, da hier immer noch die Meinung vertreten sei, eine Lernschwäche sei ein Zeichen für Dummheit. Die Folge ist, dass die betroffenen Kinder, die ja auch merken dass sie irgendwie anders sind, sich zurückziehen um nicht aufzufallen oder einfach von der Klassengemeinschaft ausgeschlossen werden.
Was mich nach diesem Gespräch sehr nachdenklich machte, waren nicht die Dinge über die Herr XY sprach, sondern wie er über sie sprach: wie jemand, der aufgegeben hat. Sein Blick ging meist aus dem Fenster und seine Stimmlage war aggressiv und wütend. Und ich habe mich gefragt, wie es sein kann, dass Pädagogen schon bei Kindern im Grundschulalter einfach aufgeben. Auf dieses Thema werde ich in einem späteren Abschnitt noch einmal zu sprechen kommen. Nachdem ich mich detaillierter mit der Lernschwäche Dyskalkulie, deren Diagnostik und therapeutische Maßnahmen befasst habe, werde ich versuchen, mit Hilfe der Ursachenforschung eine Zusammenstellung der präventiven und integrativen Möglichkeiten durch die Schule, den Eltern und dem Jugendamt zu erarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Normalität
2.2 Integration
3. Dyskalkulie
3.1 Das Dilemma und die Definition von Lernbehinderung und Lernschwäche
3.2 Definition Dyskalkulie
3.3 Ursachen
3.4 Symptome
3.5 Diagnose
4. Schulpädagogische Aspekte
4.1 Integrativer Unterricht
4.2 Netzwerkarbeit – Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrern, Institutionen
4.3 Möglichkeiten zur Integration von Ungleichheit in das System Schule
5. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Integration von Kindern mit Lernschwächen, insbesondere Dyskalkulie, in das deutsche Bildungssystem. Ziel ist es, das gesellschaftliche und pädagogische Dilemma zwischen gesetzlichem Anspruch auf Förderung und der praktischen Umsetzung aufzuzeigen sowie präventive und integrative Lösungsansätze zu diskutieren.
- Theoretische Grundlagen zu Normalität und Integration im sozialen Kontext.
- Differenzierung zwischen Lernbehinderung und Lernstörung/Dyskalkulie.
- Analyse der Ursachen, Symptome und diagnostischer Verfahren bei Rechenschwäche.
- Kritische Betrachtung der schulischen Inklusionsbemühungen und des Lehrpersonals.
- Die Rolle der Netzwerkarbeit und die Verantwortung von Eltern, Schule und Jugendamt.
Auszug aus dem Buch
3.2 Definition Dyskalkulie
Das Wort Dyskalkulie enthält die Vorsilbe welche aus dem griechischen abgeleitet ist und der Bedeutung des Wortes schwierig sehr nahe kommt. Kalkulie (lateinisch für calculus) entspricht in seiner Übersetzung etwa der Begrifflichkeit für Steinchen. Das würde in etwa bedeuten, dass man Schwierigkeiten mit Rechensteichen hat. Das rechenschwache Kind hat also Mühe damit, Rechenoperationen durchzuführen (vgl. Metzler, 2001, S. 14).
Nach allgemeiner Auffassung handelt es sich bei der Rechenschwäche um eine Teilleistungsschwäche im mathematischen Bereich, die durch ein chronisches Versagen in Mathematik gekennzeichnet ist. Sie äußert sich durch fehlendes mathematisches Begriffsvermögen, insbesondere mangelndes Verständnis für Zahlenoperationen. Das Defizit betrifft die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren Fertigkeiten wie Trigonometrie, Algebra, Geometrie… (vgl. Metzler, 2001, S. 14 – 15). Man spricht also von Dyskalkulie nur dann, wenn die Grundrechenarten, sozusagen die mathematischen Anforderungen im Grundschulbereich von dem Kind nicht verarbeitet werden können. Werden diese beherrscht, und die Schwierigkeiten des Kindes treten erst in der höheren Mathematik auf, so spricht man nicht von einer Dyskalkulie. Hier gilt es dann, andere Ursachen zu finden und dementsprechende Hilfestellungen zu erarbeiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation und Problemanalyse anhand eines Interviews mit einem Schulleiter zur Situation von Kindern mit Lernschwächen.
2. Definitionen: Erörterung der Begriffe Normalität und Integration als Basis für den gesellschaftlichen und schulischen Umgang mit Abweichungen.
3. Dyskalkulie: Fachliche Einordnung der Rechenschwäche in Bezug auf Definition, Ursachen, Symptomatik und diagnostische Verfahren.
4. Schulpädagogische Aspekte: Analyse der integrativen Möglichkeiten im Unterricht sowie der Herausforderungen in der Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften, Eltern und Institutionen.
5. Resümee: Zusammenfassende kritische Reflexion über das föderale Bildungssystem und die Notwendigkeit, Verantwortung für eine gelingende Integration zu übernehmen.
Schlüsselwörter
Dyskalkulie, Rechenschwäche, Integration, Schulpädagogik, Inklusion, Lernstörung, Förderung, Diagnostik, Lernbehinderung, Bildungssystem, Netzwerkarbeit, Schulleiter, Lehrkraft, Elternarbeit, Jugendamt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration von Kindern mit Lernschwächen, speziell Dyskalkulie, in die Regelschule und die Gesellschaft.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Definitionen von Lernstörungen, den Ursachen und Symptomen der Dyskalkulie sowie den schulpädagogischen Herausforderungen bei der Integration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine verbesserte Netzwerkarbeit zwischen Schule, Eltern und Jugendamt die Integration betroffener Kinder gefördert werden kann, statt sie auszugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die durch Experteninterviews (Schulleiter) und die Analyse einschlägiger Literatur sowie Rechtsnormen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinitionen, die medizinisch-pädagogische Einordnung der Dyskalkulie sowie die kritische Reflexion des aktuellen Schulpraxissystems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die zentralen Begriffe umfassen Dyskalkulie, Integration, Schulpädagogik, Förderung, Diagnostik und das soziale Umfeld betroffener Kinder.
Warum wird im Text zwischen Lernbehinderung und Lernstörung unterschieden?
Die Differenzierung ist entscheidend, da Lernstörungen wie die Dyskalkulie oft nicht durch eine allgemeine kognitive Einschränkung bedingt sind und somit andere Förderkonzepte an der Regelschule erfordern.
Welche Rolle spielt das Jugendamt bei der Förderung von Kindern mit Dyskalkulie?
Laut Arbeit bietet das Jugendamt durch rechtliche Grundlagen wie §§ 35 und 35a KJHG finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten für ambulante Hilfen, die jedoch oft unter dem Ermessen der Mitarbeiter stehen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Lehrpersonals?
Die Autorin sieht eine hohe Belastung bei Lehrkräften, betont jedoch die Notwendigkeit von Authentizität und spezialisierter Weiterbildung, um Ausgrenzung in der Klassengemeinschaft zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Tanja Lange (Autor:in), 2007, Kinder mit Lernschwächen und ihre Integration in die Gesellschaft. Die Dyskalkulie und seine Ursachen, Symptome und Diagnose, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121743