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Phaedras Ekstase - Interpretation der Tragödie Senecas im Hinblick auf amor-furor, ekstasis

Title: Phaedras Ekstase - Interpretation der Tragödie Senecas im Hinblick auf amor-furor, ekstasis

Term Paper , 2007 , 14 Pages , Grade: 3,0

Autor:in: Theresa Marx (Author)

Latin philology - Literature
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Summary Excerpt Details

Man wird keine Kultur finden, die dem Ekstatischen gänzlich abgeschworen hat; gerade äußerst rational orientierte Gesellschaften, zu denen ich auch die unsere rechnen möchte, bringen Abarten hervor, die durch die verzweifelte Suche ihrer Mitglieder nach Ausbrechen aus dem vernunftbestimmten System entstehen: Drogenmissbrauch, krampfhafte Suche nach Grenzerfahrungen (z.B.Extremsportarten), selbstverletzendes Verhalten etc.
Wir verstehen also die Ekstase als „'Urbedürfnis' des Menschen: die Grenzen seiner Welt zu überspringen – wenigstens 'innerlich' –, die Grenzen seines Selbst erweitern oder vergessen – wenn auch nur einen Augenblick.“
Zugleich finden wie aber auch immer Formen der Instrumentalisierung der Ekstase, die über den Selbstzweck des Berauscht- und Enthemmtseins hinausgehen. Vor allem im Bereich des Orakelwesens spielt der ekstatische Zustand – ob künstlich herbeigeführt oder durch Autostimulation – eine konstituierende Rolle, denn er gilt als naher Zugang zu den Göttern.
Heute verstehen wir ihn eher als direkten Kontakt zum Unterbewusstsein, was durchaus gewisse Energien freisetzen kann, wie es z.B. in der Hypnose erreicht werden soll. Wie wir sehen werden dient auch Phaedras Ekstase bei Seneca einem gewissen Zweck: Durch das Heraustreten aus sich selbst überwindet Phaedra konventionelle Zwänge – sowohl innerlich als auch äußerlich –, die sie am Versuch der Verwirklichung ihrer Liebe hindern könnten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1)Einleitung: Kulturgeschichtliche Bedeutung der Ekstase

2)Interpretation der Zeilen 177-187 von Senecas Phaedra

3)Bedeutung der Ekstase in dieser Tragödie

4)Nachwort

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Rolle der Ekstase und des Begriffs "furor" in Senecas Tragödie "Phaedra". Dabei wird analysiert, inwieweit die Hauptfigur ihren emotionalen Ausnahmezustand bewusst instrumentalisiert, um konventionelle moralische Grenzen zu überschreiten und ihre verbotene Liebe zu rechtfertigen.

  • Kulturgeschichtliche Einordnung des Ekstase-Begriffs
  • Philologische Interpretation der Schlüsselszene (Zeilen 177-187)
  • Die Funktion des "furor" als Katalysator für verbrecherisches Handeln
  • Das Spannungsfeld zwischen rationaler "mens bona" und emotionalem Kontrollverlust
  • Die stoische Perspektive auf Affekt und moralische Verantwortung

Auszug aus dem Buch

II. Interpretation der Zeilen 177-187 von Senecas Phaedra

„...Quae memoras scio vera esse, nutrix; sed furor cogit sequi peiora. Vadit animus in praeceps sciens remeatque frustra sana consilia appetens. Sic, cum gravatam navita adversa ratem propellit unda, cedit in vanum labor et victa prono puppis aufertur vado. Quid ratio possit? Vicit ac regnat furor, potensque tota mente dominatur deus. Hic volucer omni pollet in terra impotens laesumque flammis torret indomitis Iovem.“ (177-187)

Diese Stelle findet sich ziemlich zu Beginn der Tragödie, nämlich in der zweiten Szene, in welcher Phaedra ihrer Amme ihre Liebe zu Theseus offenbart (sowohl Phaedra als auch die Amme erscheinen zum ersten Mal in dieser Szene). Hier wird also das Fundament für die weitere Entwicklung der Handlung gelegt, da ein tragisches Ende schon jetzt unausweichlich erscheint, so unbeugsam ist Phaedra in ihrer Liebestollheit, so fruchtlos jeder Appell an die Vernunft.

Diese Zeilen erklären Phaedras Liebesraserei und deren Unüberwindbarkeit. Bezeichnend ist vor allem die doppelte Verwendung des Begriffs „furor“, der Phaedras ganzen Gemütszustand charakterisiert. Dem furor wird ein eigenes agens zugeschrieben, „furor cogit“; „vicit ac regnat furor“. Es scheint also als habe eine fremde Macht Besitz von Phaedra ergriffen, der sie wehrlos ausgeliefert ist. Natürlich ist sie es, die vom furor bezwungen, besiegt und beherrscht wird – und damit liefert er ihr bereits ein Erklärungsmodell für ihr atypisches Handeln. Die ratio verbleibt als hoffnungslos unterlegene Gegnerin des furor, deren Hinzuziehen völlig fruchtlos wäre. Damit impliziert Phaedra aber auch, dass sie sich gar nicht wirklich um vernunftbestimmtes Handeln bemüht, da es ihr vergeblich erscheint.

Zusammenfassung der Kapitel

1)Einleitung: Kulturgeschichtliche Bedeutung der Ekstase: Dieses Kapitel erörtert die menschliche Notwendigkeit, konventionelle Ordnungen zu durchbrechen, und definiert Ekstase als ein Ventil für das Bedürfnis, Grenzen des Selbst zu erweitern.

2)Interpretation der Zeilen 177-187 von Senecas Phaedra: Die detaillierte Analyse der Schlüsselszene zeigt auf, wie Phaedra ihre rationale Einsicht zugunsten des "furor" aufgibt und dieses psychologische Erklärungsmodell nutzt, um ihre Handlungen zu legitimieren.

3)Bedeutung der Ekstase in dieser Tragödie: Das Kapitel beleuchtet, wie der Zustand des Wahnsinns als notwendiges Werkzeug dient, um die moralischen Hemmungen der Hauptfigur zu überwinden und den tragischen Handlungsverlauf in Gang zu setzen.

4)Nachwort: Das Fazit stellt fest, dass die Ekstase bei Seneca primär als destruktiver Affekt gewertet wird und eine Warnung vor den Folgen des Kontrollverlusts darstellt.

Schlüsselwörter

Ekstase, Senecas Phaedra, Furor, Amor, Ratio, Tragödie, Schuld, Psychologie, Wahnsinn, Stoizismus, Affekt, Moral, Antike, Literaturwissenschaft, Handlungsspielraum

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die psychologische und dramaturgische Funktion von Ekstase und Liebesraserei (furor) in der römischen Tragödie "Phaedra" von Seneca.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen stoischer Philosophie, antiker Literatur und der Psychologie des menschlichen Handelns unter extremem emotionellem Druck.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, ob Phaedras Ekstase als unverschuldetes Schicksal zu werten ist oder ob sie ein bewusst eingesetztes Instrument darstellt, um eigene moralische Schranken zu überwinden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philologische und interpretatorische Analyse, die den Originaltext eng auslegt und mit fachspezifischer Sekundärliteratur zur römischen Tragödie verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine textnahe Interpretation der entscheidenden Monologzeilen sowie eine Untersuchung der kausalen Zusammenhänge zwischen Leidenschaft, Wahnsinn und den daraus resultierenden Verbrechen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind "Furor", "Phaedra", "Ekstase", "Stoizismus" und "moralische Verantwortung".

Wie bewertet die Autorin Phaedras Rolle?

Die Autorin sieht in Phaedra keine naive Leidende, sondern eine komplexe Figur, die ihren emotionalen Zustand als Rechtfertigung für ihre verbrecherischen Taten instrumentalisiert.

Welche Rolle spielt der Vergleich mit Euripides?

Der Vergleich dient dazu, Senecas spezifische Sichtweise hervorzuheben, bei der die eigene Verantwortung und die bewusste Entscheidung für den Affekt gegenüber der Euripideischen Passivität der Figur betont wird.

Was bedeutet das Gleichnis vom Schiffer?

Das Gleichnis illustriert Phaedras Kampf zwischen Vernunft (der Ruderer) und dem übermächtigen Affekt (die Strömung), wobei sie den Ausgang des Kampfes als bereits verloren betrachtet und sich in den Untergang stürzt.

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Details

Title
Phaedras Ekstase - Interpretation der Tragödie Senecas im Hinblick auf amor-furor, ekstasis
College
University of Heidelberg
Grade
3,0
Author
Theresa Marx (Author)
Publication Year
2007
Pages
14
Catalog Number
V121479
ISBN (eBook)
9783640261079
ISBN (Book)
9783640261147
Language
German
Tags
Phaedra Phädra Seneca Tragödie Liebe Ekstase Mythos amor furor Phaedra Phädra Seneca Tragödie Liebe Interpretation Amor Furor Ekstase Mythos
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Theresa Marx (Author), 2007, Phaedras Ekstase - Interpretation der Tragödie Senecas im Hinblick auf amor-furor, ekstasis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121479
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