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Über Heinrich von Kleists "Das Erdbeben in Chili" und die zeitgenössische Theodizeediskussion

Title: Über Heinrich von Kleists "Das Erdbeben in Chili" und die zeitgenössische Theodizeediskussion

Term Paper , 2007 , 21 Pages , Grade: 1.5

Autor:in: M.A. Martin Lacher (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Diese Hausarbeit will untersuchen, in welchem Kontext die wichtigsten Deutungsmuster der Theodizeediskussion zu Kleists Positionen stehen und mit welchen Mitteln er diese Argumentationsmuster in seinen Erzähltext „Das Erdbeben in Chili“ eingearbeitet hat.
Im ersten Teil werden die wichtigen Vertreter der Theodizeediskussion Leibnitz, Voltaire, Rousseau und Kant mit ihren expliziten Deutungsversuchen vorgestellt.
Im zweiten Teil soll, in einer Art Spurensuche, untersucht werden, wie und welche der verschiedenen Theodizeeentwürfe Kleist in seine Erzählung eingearbeitet hat und ob sich das „Erdbeben in Chili“ als Kleists Abrechnung mit der Theodizee bezeichnen lässt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Das Erdbeben von Lissabon und die „beste aller möglichen Welten“ - zur Chronologie der Theodizeediskussion im 18. Jahrhundert

2.1 Leibniz, Wolf und Pope

2.2 Das Erdbeben von Lissabon 1755 und die anschließende Theodizeediskussion durch Voltaire, Rousseau und Kant

3. Heinrich von Kleist „Das Erdbeben in Chili“ als später Beitrag zur Theodizeediskussion im 18. Jahrhundert

3.1 Lissabon oder Santiago?

3.2 Handlungsverlauf und Personenkonstellation im Kontext der von Kleist verwendeten Theodizeeentwürfe

3.2.1 Jeronimo, Josephe und die „prästabilierte Harmonie“

3.2.2 Die Rousseaussche Idylle

3.2.3 Das Autodafe´

3.3 „Das Erdbeben in Chili“ als Abrechnung mit der Theodizee?

4. Abschließende Bemerkungen

5. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Heinrich von Kleists Erzählung „Das Erdbeben in Chili“ im Kontext der zeitgenössischen Theodizeediskussion des 18. Jahrhunderts. Dabei wird die These verfolgt, dass Kleist mit dieser Erzählung eine fundamentale Abrechnung mit den rationalistischen Deutungsmustern der Rechtfertigung Gottes vornimmt und stattdessen die Kontingenz und Zufälligkeit des Daseins sowie die Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit betont.

  • Historische Chronologie der Theodizeediskussion (Leibniz, Voltaire, Rousseau, Kant)
  • Analyse der Erzählung als Beitrag zur Theodizeedebatte
  • Vergleich der Katastrophen: Lissabon versus Santiago
  • Rolle des Zufalls und die Bedeutung des Erzählers
  • Kritik am Optimismus und der „prästabilierten Harmonie“

Auszug aus dem Buch

3.3 „Das Erdbeben in Chili“ als Abrechnung mit der Theodizee?

Vor kurzem ward ich mit der neueren sogenannten Kantischen Philosophie bekannt- und Dir muß ich jetzt daraus einen Gedanken mitteilen, indem ich nicht fürchten darf, daß er Dich so tief, so schmerzhaft erschüttern wird, als mich.[…] Wenn alle Menschen statt der Augen grüne Gläser hätten, so würden sie urteilen müssen, die Gegenstände, welche sie dadurch erblicken, sind grün- und nie würden sie entscheiden können, ob ihr Auge ihnen die Dinge zeigt, wie sie sind, oder ob es sich nicht etwas zu ihnen hinzutut, was nicht ihnen, sondern dem Auge gehört. So ist es mit dem Verstande. Wir können nicht entscheiden, ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrhaft Wahrheit ist, oder ob es uns nur so scheint. Ist das letzte, so ist die Wahrheit, die wir hier sammeln, nach dem Tode nicht mehr- und alles Bestreben, ein Eigentum sich zu erwerben, das uns auch in das Grab folgt, ist vergeblich- (Kleist, Werke, Band 3, S.634).

Dieser Auszug aus einem Brief an seine Verlobte Wilhelmine von Zenge vom 22. März 1801, wird in den Kleistbiographien oft als „Kantkrise“ bezeichnet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Es wird die zentrale These vorgestellt, dass Kleist in „Das Erdbeben in Chili“ mit der Theodizee abrechnet und die Unerkennbarkeit einer objektiven Weltordnung thematisiert.

2. Das Erdbeben von Lissabon und die „beste aller möglichen Welten“ - zur Chronologie der Theodizeediskussion im 18. Jahrhundert: Das Kapitel skizziert die philosophischen Positionen von Leibniz, Voltaire, Rousseau und Kant zur Rechtfertigung Gottes angesichts des Leids.

3. Heinrich von Kleist „Das Erdbeben in Chili“ als später Beitrag zur Theodizeediskussion im 18. Jahrhundert: Hier wird analysiert, wie Kleist durch die Wahl der Örtlichkeiten und die ironische Erzählhaltung die verschiedenen Theodizeeentwürfe im Text verarbeitet und ad absurdum führt.

4. Abschließende Bemerkungen: Zusammenfassend wird festgehalten, dass Kleist eine antiteleologische Welt zeigt, in der der Zufall dominiert, was die Erzählung bis heute aktuell und anschlussfähig an den Konstruktivismus macht.

5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen, Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Das Erdbeben in Chili, Theodizee, Leibniz, Kant, Aufklärung, Zufall, Katastrophe, prästabilierte Harmonie, Konstruktivismus, Metaphysik, Weltordnung, Jeronimo, Josephe, literarische Analyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Heinrich von Kleists Erzählung „Das Erdbeben in Chili“ als einen kritischen Beitrag zur philosophischen Theodizeediskussion des 18. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die philosophischen Entwürfe zur Rechtfertigung Gottes (Theodizee), die Rolle des Zufalls in der Welt und die Grenzen menschlicher Erkenntnis nach der Kantischen Wende.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass Kleist mit seiner Erzählung die Versuche, Leid in einen göttlichen Heilsplan einzuordnen, dekonstruiert und stattdessen eine zufällige Weltordnung postuliert.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Arbeit nutzt eine philologische Spurensuche, den Vergleich literarischer Texte mit zeitgenössischen philosophischen Quellen sowie die Analyse erzähltechnischer Mittel.

Was wird im Hauptteil der Arbeit dargelegt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Gegenüberstellung von Leibniz' Optimismus, Rousseaus Naturvorstellungen und Kants Dialektik innerhalb der Handlungsstruktur der Erzählung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Theodizee, prästabilierte Harmonie, Kantkrise, Kontingenz des Daseins und die Rolle des Erzählers.

Inwiefern beeinflusst das Erdbeben von Lissabon die Argumentation des Autors?

Das reale historische Ereignis von 1755 dient als Bezugspunkt für die zeitgenössische Diskussion, die Kleist in seine literarische Verarbeitung des Erdbebens in Santiago einfließen lässt.

Warum spielt der Erzähler in Kleists Erzählung eine so zentrale Rolle?

Der Erzähler untergräbt durch ständig wechselnde Perspektiven und subjektive Sympathien eine objektive Weltdeutung, was den Leser in eine Position der Ungewissheit bringt.

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Details

Title
Über Heinrich von Kleists "Das Erdbeben in Chili" und die zeitgenössische Theodizeediskussion
College
University of Hagen  (Institut für neuere deutsche und europäische Literatur)
Grade
1.5
Author
M.A. Martin Lacher (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V121123
ISBN (eBook)
9783640250998
ISBN (Book)
9783640251032
Language
German
Tags
Heinrich Kleists Erdbeben Chili Theodizeediskussion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Martin Lacher (Author), 2007, Über Heinrich von Kleists "Das Erdbeben in Chili" und die zeitgenössische Theodizeediskussion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121123
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