Ziel dieses Aufsatzes ist die Beschäftigung mit dem Werk des Strickers. Unsere Aufmerksamkeit gilt dabei im Besonderen dem Ordo – Gedanken, seiner Bedeutung für den Handlungsverlauf und seiner Interpretation.
Im Gegensatz zu de Boor, können wir im Stricker keinen „[…] Vorfahr der Aufklärung […]“ (GL, 127) erkennen. Darum gehört es zu unserem Anliegen, zu beweisen, dass die Ansicht de Boors irrig ist.
Die Umsetzung dieses Vorhabens erfordert – objektiv betrachtet – eine vollständige Analyse des Stricker’schen Werkes. Dieser wollen wir uns nicht verschließen aber, aufgrund des Werkumfangs, sehen wir uns gezwungen, die Analyse auf wenige Texte zu beschränken.
Sinnvoll kann es daher nur sein, aus dem Werk des Strickers eine Auswahl an Texten zu präsentieren, an denen sich der Ordo – Gedanke, seine Bedeutung für den Handlungsverlauf nachvollziehen, interpretieren und auf die Richtigkeit der de Boor’schen Ansicht hin deuten lässt.
Diesem Vorsatz werden wir nachkommen, indem wir zunächst herausarbeiten, warum Ordnung für das mittelalterliche Denken eine solch enorme Bedeutung hat. Darauf aufbauend, wollen wir im nächsten Schritt das Konzept „Ordo“ erläutern, definieren.
Schritt Drei konzentriert sich auf die folgenden Texte:
DIZ IST VON EINEM KUNDIGEN KNEHTE (NM, 10 – 29)
DIZ MÆRE IST WIE EIN WÎP IREN MAN LEBENDIC BEGRUOP IESAN
(NM, 30 – 43)
Die Gäuhühner (KS, 264 – 271)
An diesen soll Folgendes illustriert werden:
1)Bedeutung des Ordo – Gedankens für den Text
2)Interpretation des Ordo im Text
3)Ausdeutung der Befunde und daraus zu ziehende
Schlussfolgerungen für die Vorstellung vom Stricker
als „[…] Vorfahr der Aufklärung […]“ (GL, 127).
Inhaltsverzeichnis
- Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen und Siglen
- Einführung
- Eine fremde Zeit
- Staatsform
- Glaube
- Zeitverständnis
- Ordnung – Ordo – Organisation
- Ordo erste Annäherung
- Maß, Zahl & Gewicht
- Maß
- Zahl
- Gewicht
- Ordo eine Definition
- Ordo und seine Wirkung
- Ordo und Alltag
- Ordo und Literatur
- Der Stricker, der Ordo und seine Gestaltung in den Texten
- DIZ IST VON EINEM KUNDIGEN KNEHTE
- Ausdeutung
- DIZ MÆRE IST WIE EIN WÎP IREN MAN LEBENDIC BEGRUOP IESAN
- Ausdeutung
- Die Gäuhühner
- Ausdeutung
- Zusammenfassung
- DIZ IST VON EINEM KUNDIGEN KNEHTE
- Der Stricker - Vorläufer der Aufklärung ?
- Was ist Aufklärung ?
- Aufklärung und Mittelalter
- Der Stricker - kein Vorfahr der Aufklärung
- Beschluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Darstellung von Ordnung (Ordo) in den Texten des Strickers im Kontext des mittelalterlichen Diskurses. Ziel ist es, die Konzeption und Dekonstruktion von Ordnung in den ausgewählten Werken zu analysieren und deren Verhältnis zur möglichen Vorwegnahme aufklärerischer Ideen zu beleuchten.
- Die Konzeption von Ordo im Mittelalter
- Die Darstellung von Ordnung und Unordnung in den Texten des Strickers
- Die Rolle von Maß, Zahl und Gewicht im Verständnis von Ordo
- Der Vergleich der Strickerschen Texte mit dem aufklärerischen Denken
- Gattungsmerkmale der Fabliaux, Schwank und Mären
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema ein. Das Kapitel „Eine fremde Zeit“ skizziert die politischen, religiösen und zeitlichen Gegebenheiten des Mittelalters. Im darauf folgenden Kapitel wird der Begriff „Ordo“ aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, seine Definition erörtert und seine Auswirkungen auf Alltag und Literatur untersucht. Die Analyse der ausgewählten Texte des Strickers konzentriert sich auf die Darstellung von Ordnung und deren Gestaltung. Abschließend wird die Frage nach einem möglichen Vorläufer der Aufklärung im Werk des Strickers diskutiert.
Schlüsselwörter
Der Stricker, Ordo, Mittelalter, Aufklärung, Fabliaux, Schwank, Mären, Ordnung, Unordnung, Maß, Zahl, Gewicht, Literaturanalyse, mittelalterliche Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet der Begriff „Ordo“ im Mittelalter?
Ordo bezeichnet die gottgegebene, hierarchische Weltordnung, die das Leben, den Glauben und das soziale Gefüge im Mittelalter strukturierte.
War der Dichter „Der Stricker“ ein Vorläufer der Aufklärung?
Die Arbeit widerspricht dieser Ansicht und argumentiert, dass der Stricker die Ordnung zwar kritisch beleuchtet, aber fest im mittelalterlichen Denken verwurzelt bleibt.
Welche Rolle spielen „Maß, Zahl und Gewicht“?
Diese biblischen Kategorien dienten im Mittelalter als Maßstab für eine wohlgeordnete Schöpfung und finden sich als Motive in der Literatur des Strickers wieder.
Was thematisieren die Texte des Strickers?
Seine Mären und Schwänke (wie „Die Gäuhühner“) illustrieren oft das Spannungsverhältnis zwischen Ordnung und Unordnung im menschlichen Alltag.
Warum ist Ordnung für das mittelalterliche Denken so wichtig?
Ordnung galt als Schutz gegen das Chaos und als Ausdruck des göttlichen Willens, weshalb Abweichungen davon oft als moralisches Versagen gewertet wurden.
- Quote paper
- Jens Pfundstein (Author), 2008, Der Stricker, Ordo & Aufklärung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/120044