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Deutsch-italienische Fremdheit und deren „Ent-Fremdung“ in "Maria ihm schmeckt's nicht" von Jan Weiler

Title: Deutsch-italienische Fremdheit und deren „Ent-Fremdung“  in "Maria ihm schmeckt's nicht" von Jan Weiler

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 43 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sofia Doßmann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Jan Weilers Debütroman „Maria ihm schmeckt’s nicht“ beinhaltet „Geschichten von meiner italienischen Sippe“ (so der Untertitel). „Die meisten Geschichten davon sind wahr, andere sind erfunden, wieder andere lassen sich beim besten Willen nicht nachprüfen.“ (S.276), meint Weiler am Schluss in seinen Danksagungen. Es handelt sich also um einen „autobiofiktionalen“ Roman, der die Begegnung zweier Männer schildert, die in kürzester Zeit von Fremden zu engen Vertrauten werden. Das Besondere daran ist: der eine ist Deutscher und der andere Italiener. Florian, der Deutsche, ist Ich-Erzähler und erlebt die Begegnung mit Antonio, dem Vater seiner Verlobten, aus einer fast durchgängigen Gedankenrede heraus. Dabei bekommt der Leser eine besonders eindrückliche Vorstellung seiner Empfindungen diese Begegnung betreffend, seiner Erwartungen und seiner Reaktionen. Das ist deshalb besonders interessant, weil der Austausch der beiden Männer durch ihre kulturelle Verschiedenheit und ihre charakterliche Gegensätzlichkeit eine starke Dynamik erhält. In der Betrachtung der Fremdbegegnung des deutschen Protagonisten Florian in dem Roman „Maria ihm schmeckt’s nicht“ mit der italienischen Verwandtschaft seiner Verlobten Sara können bestimmte Charakteristika für dessen eigene Kultur und sein Verhältnis zu ihr sowie seine Auffassung von der fremden Kultur abgelesen werden. Wenn Weilers Roman dann beginnt mit „Ein Fremder steht vor der Tür. Das bin ich.“ (S.7), dann lässt das auf eine nicht unproblematische Beziehung zu sich selbst schließen, die unweigerlich die Entwicklung der kurz bevorstehenden Begegnung mit seinem italienischen Schwiegervater in Spe beeinflussen muss.Bei der ersten Lektüre des Romans „Maria ihm schmeckt’s nicht“ hatte ich bereits den Eindruck, dass das Urteil des Protagonisten über die italienische Kultur und auch Antonio gegenüber tendenziell abwertend
gefärbt war, auch wenn er mehrfach seine Sympathie für diese beteuerte. Prekär ist diese Beobachtung gerade auch wegen des zumindest teilweisen autobiographischen Anspruchs, den der Roman hat, weshalb davon auszugehen ist, dass die Perspektive Florians die Perspektive Weilers repräsentiert. In dieser Arbeit sollen also die Aspekte untersucht werden, die bei der Begegnung zweier verschiedener Kulturen relevant werden, besonders derer, die für die Kulturbegegnung förderlich bzw. hinderlich sind.Der Fokus liegt dabei auf der Perspektive Florians, da der Leser durch deren Färbung hindurch die Fremdbegegnung erlebt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Das Erleben des Fremden

2 Die Begegnung mit dem Fremden

2.1 Florian trifft Antonio: der anankastische Charakter

2.1.1 Appräsentative Erwartung

2.1.2 Abweichung

2.1.3 Leistungsbezogenheit

2.1.4 Anankastischer Charakter und „German Angst“

2.2 Antonio trifft Florian: Der histrionische Charakter

3 Annäherung an das Fremde

3.1 Maßnahmen zur Fremdheitsreduzierung

3.1.1 Stereotype als „Ent-Fremdung“ des Fremden

3.2 Maßnahmen zum Fremdheitsabbau

3.2.1 Kontaktaufnahme

3.2.2 Integrationsansätze

3.2.3 Integrationsprobleme

3.2.4 Der Streit

3.2.5 Verschärfter Fokus

3.3 Maßnahmen zur Fremdheitsüberwindung

3.3.1 Die Lebensgeschichte

3.3.2 Lebenswirklichkeit und Lebensphilosophie

4 Schlussbetrachtung

4.1 Das Stereotyp in der literarischen Kulturbegegnung

4.2 Subjektiv konnotierte Sprache

4.3 Negative Effekte

4.4 Positive Effekte

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Dynamik der kulturellen Fremdheitsbegegnung zwischen einem deutschen Protagonisten und seinem italienischen Schwiegervater im Roman „Maria ihm schmeckt’s nicht“ von Jan Weiler. Dabei wird analysiert, wie Vorurteile, Stereotype und unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen (anankastisch versus histrionisch) den Annäherungsprozess beeinflussen und wie eine Entfremdung in vertraute zwischenmenschliche Verbundenheit übergehen kann.

  • Analyse der interkulturellen Kommunikation zwischen Deutschland und Italien.
  • Untersuchung psychologischer Persönlichkeitstypen in der Literatur.
  • Die Funktion von Stereotypen als Mittel zur Komplexitätsreduktion.
  • Entwicklungsprozesse von Fremdheit zu familiärer Integration.
  • Die Rolle der individuellen Lebensgeschichte bei der Identitätsbildung.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Appräsentative Erwartung

Der Schwiegersohn in Spe versucht in der unberechenbaren, da neuen Situation das, was er nicht kennt, zugunsten einer Neugewinnung von Struktur und Ordnung zu kategorisieren. Durch die gemeinhin als typisch deutsch geltende „Ordnungsliebe“ und durch „das Befolgen von Vorschriften und Regeln“ drängt er danach, sich etwas zu schaffen, woran er sich festhalten und orientieren kann in der für ihn ungewohnten bzw. unvorhersehbaren Situation. Seine Unsicherheit angesichts des bevorstehenden Verlobungs-Rituals zeigt sich, indem er wie zur Beruhigung an etwas denkt, das „völlig sicher“ (S.13) ist: „Die Architektur eines Reihenhauses“ (S.12). Denn in einem solchen wohnen auch die Eltern seiner Freundin.

Florian will vorbereitet sein auf das, was ihn erwartet und strebt auf diese Art nach Konstanten zum Schutz vor dem unheilvollen Unbekannten: Er sinniert so intensiv und ausführlich in Gedanken über die zu erwartende Aufteilung, Anordnung und Möblierung im „Klassiker“ (S.12) der Reihenhäuser, dass er kurzzeitig abdriftet, um das augenblicklich bevorstehende Ereignis zu verdrängen, bis ihn seine Freundin in die Gegenwart zurückholt, indem sie ihn an sein eigentliches Vorhaben erinnern muss: „Hallo, klingeln“ (S.13).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Das Erleben des Fremden: Einführung in die „autobiofiktionale“ Romanstruktur und die Ausgangslage der kulturell kontrastierenden Hauptfiguren.

2 Die Begegnung mit dem Fremden: Detaillierte psychologische Analyse der Charaktere Florian und Antonio sowie deren erste, von Vorurteilen geprägte Begegnung.

3 Annäherung an das Fremde: Untersuchung der Prozesse, durch die Fremdheit mittels Kommunikation, Streit und dem Teilen von Lebensgeschichten überwunden wird.

4 Schlussbetrachtung: Reflexion über die Rolle von Stereotypen in der Literatur und deren ambivalente Wirkung auf das interkulturelle Verständnis.

Schlüsselwörter

Fremdheitsbegegnung, Jan Weiler, Interkulturelle Kompetenz, Anankastische Persönlichkeit, Histrionischer Charakter, Stereotype, German Angst, Akkulturation, Identität, Migration, Gastarbeiter, Kommunikation, Soziale Normen, Deutschland, Italien.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die kulturelle Begegnung zwischen dem deutschen Ich-Erzähler Florian und seinem italienischen Schwiegervater Antonio in Jan Weilers Roman „Maria ihm schmeckt’s nicht“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit befasst sich mit Fremdheitserfahrung, kulturellen Stereotypen, interkultureller Kommunikation und der Entwicklung einer persönlichen Beziehung trotz anfänglicher Vorurteile.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die förderlichen und hinderlichen Aspekte der Kulturbegegnung zu untersuchen und aufzuzeigen, wie persönliche Voraussetzungen die Annäherung an das Fremde bestimmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch soziologische und psychologische Theorien zur Fremdheitsbegegnung und Persönlichkeitsstörungen gestützt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Persönlichkeitsstrukturen der Protagonisten, den Umgang mit Stereotypen sowie die schrittweise Überwindung von Distanz durch Kontakte und das Teilen der Lebensgeschichte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Fremdheitsbegegnung, Stereotype, interkulturelle Kompetenz, anankastischer und histrionischer Charakter sowie die Überlebensstrategien von Migranten.

Wie unterscheidet sich Florians Persönlichkeit von der Antonios?

Florian wird als anankastischer Charakter (ordnungs- und regelorientiert) beschrieben, während Antonio als histrionischer Charakter (emotional, aufsehenerregend, intuitiv) dargestellt wird.

Welche Bedeutung hat der „Streit“ im Roman laut der Arbeit?

Der Streit dient als notwendige „Abhilfsbewegung“ und „reinigende Wirkung“, um die zwischenmenschliche Spannung abzubauen und eine nähere, ehrlichere Verbindung zueinander zu ermöglichen.

Warum spielt der „Autokauf“ eine wichtige Rolle für die Schlussfolgerung?

Er dient als Wendepunkt, da Florian hier Antonio als Individuum mit einer erlittenen Lebensgeschichte wahrnimmt und erkennt, dass dessen „Folklore-Nummer“ eine Überlebensstrategie ist.

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Details

Title
Deutsch-italienische Fremdheit und deren „Ent-Fremdung“ in "Maria ihm schmeckt's nicht" von Jan Weiler
College
University of Tubingen  (Donau-Schwäbisches Institut)
Course
Ent-Fremdungen: Anpassung an/ Distanzierung von der neuen Lebensumgebung. Erfahrungen der Migranten in der deutschen, in den europäischen und in den Literaturen Südosteuropas nach 1945
Grade
1,0
Author
Sofia Doßmann (Author)
Publication Year
2008
Pages
43
Catalog Number
V119717
ISBN (eBook)
9783640229604
ISBN (Book)
9783640231072
Language
German
Tags
Deutsch-italienische Fremdheit Maria Weiler Ent-Fremdungen Anpassung Distanzierung Migranten Literaturen Südosteuropas typisch italienisch Klischee Migration Kultubegegnung clash of cultures Kulturschock film kino Entfremdung Akzent German Angst Maria ihm schmeckt's nicht Kritik Autobiofiktion das Fremde Identität Integration Italien Fremdsicht Stereotyp Integrationsprobleme das Stereotyp in der literarischen Kulturbegegnung Imagotypen deutsche Konventionen Hochzeit DVD Entwurzelung Deutschland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sofia Doßmann (Author), 2008, Deutsch-italienische Fremdheit und deren „Ent-Fremdung“ in "Maria ihm schmeckt's nicht" von Jan Weiler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119717
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