Junge MigrantInnen nehmen Jugendhilfeleistungen weniger in Anspruch als deutsche Familien mit Kindern, obwohl der Paragraph 1 des Sozialgesetzbuches (SGB) VIII das Recht auf Erziehung, Eigenverantwortung und Jugendhilfe für jeden Menschen regelt. Dieses Essay widmet sich ansatzweise den Gründen der geringen Inanspruchnahme von Erziehungshilfen durch MigrantInnen. Führen materielle und soziale Rahmenbedingungen der Familien mit Migrationshintergrund dazu, dass sie keine Erziehungshilfen beantragen, gar in Erwägung ziehen? Oder sind die Ursachen dieser Unterrepräsentanz in der Struktur der aktuellen Kinder- und Jugendhilfe zu suchen?
Inhaltsverzeichnis
- Junge MigrantInnen und die Inanspruchnahme von Jugendhilfeleistungen
- Einleitung: Die Problematik der Unterrepräsentanz
- Empirische Befunde
- Materielle und soziale Rahmenbedingungen
- Rechtliche Barrieren
- Rückkehrorientierung
- Sozialräumliche Segregation
- Kulturelle Unterschiede
- Strukturelle Hindernisse der Kinder- und Jugendhilfe
- Normalitätsforderung
- Defizitperspektive
- Interkulturelle Kompetenz
- Angebotsdefizite
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieses Essay analysiert die Ursachen für die geringe Inanspruchnahme von Erziehungshilfen durch MigrantInnen. Es beleuchtet sowohl die individuellen Rahmenbedingungen von Migrantenfamilien als auch strukturelle Defizite der Kinder- und Jugendhilfe, die die Inanspruchnahme von Hilfen erschweren.
- Rechtliche Barrieren für MigrantInnen
- Kulturelle Unterschiede in der Familienstruktur und Erziehung
- Sozialräumliche Segregation und Diskriminierungserfahrungen
- Mangelnde interkulturelle Kompetenz in der Jugendhilfe
- Defizitperspektive auf MigrantInnen in der Jugendhilfe
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Problematik der Unterrepräsentanz: Der Essay stellt die Problematik der geringen Inanspruchnahme von Jugendhilfeleistungen durch MigrantInnen vor und benennt die Forschungsfrage: Sind die Ursachen in den materiellen und sozialen Rahmenbedingungen von Migrantenfamilien oder in der Struktur der aktuellen Kinder- und Jugendhilfe zu suchen?
- Empirische Befunde: Die JULE-Studie liefert empirische Daten zur Unterrepräsentanz von MigrantInnen in der Jugendhilfe und zeigt auf, dass junge MigrantInnen besonders häufig in Krisensituationen Hilfe benötigen, die Hilfe jedoch häufig kurzlebig und wenig wirksam ist.
- Materielle und soziale Rahmenbedingungen: Dieser Abschnitt untersucht die verschiedenen Faktoren, die die Inanspruchnahme von Jugendhilfeleistungen durch MigrantInnen erschweren, wie z.B. rechtliche Barrieren, Rückkehrorientierung, soziale Segregation und kulturelle Unterschiede.
- Strukturelle Hindernisse der Kinder- und Jugendhilfe: Der Essay beleuchtet kritisch die Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe und zeigt auf, wie Defizitperspektiven, fehlende interkulturelle Kompetenz und unzureichende Angebote die Inanspruchnahme von Hilfen durch MigrantInnen behindern.
Schlüsselwörter
Jugendhilfe, MigrantInnen, Unterrepräsentanz, Erziehungshilfen, materielle Rahmenbedingungen, soziale Rahmenbedingungen, kulturelle Unterschiede, Interkulturelle Kompetenz, Defizitperspektive, sozialräumliche Segregation, JULE-Studie.
Häufig gestellte Fragen
Warum nehmen Migrantenfamilien seltener Erziehungshilfen in Anspruch?
Gründe liegen sowohl in materiellen Rahmenbedingungen (rechtliche Barrieren, Segregation) als auch in strukturellen Hindernissen der Jugendhilfe selbst.
Was versteht man unter der "Defizitperspektive" in der Jugendhilfe?
Es beschreibt die Tendenz, Migrantenfamilien primär über Mängel oder Probleme wahrzunehmen, anstatt ihre Ressourcen und kulturellen Hintergründe einzubeziehen.
Welche Rolle spielt die interkulturelle Kompetenz?
Ein Mangel an interkultureller Kompetenz bei Fachkräften führt oft zu Missverständnissen und dazu, dass Angebote nicht passgenau auf die Bedürfnisse von Migranten zugeschnitten sind.
Welche rechtlichen Barrieren erschweren den Zugang?
Unklarheiten über Leistungsansprüche im SGB VIII für Menschen ohne dauerhaften Aufenthaltsstatus können Familien davon abhalten, Hilfe zu suchen.
Was zeigt die JULE-Studie bezüglich Migranten in der Jugendhilfe?
Die Studie belegt die Unterrepräsentanz und zeigt, dass Hilfen für junge Migranten oft erst in akuten Krisen einsetzen und dann häufig weniger wirksam sind.
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- Özge Sakalar (Author), 2017, Geringe Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung durch Familien mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1194629