Vor dem Hintergrund der Entwicklungen einer globalisierten Welt, den Bestrebungen der frankophonen Staaten und ihren möglichen Herausforderungen und politischen Perspektiven, soll im Folgenden die Organisation internationale de la Francophonie betrachtet werden.
Im ersten Abschnitt wird die historische Entwicklung von den Ursprüngen des Gedankens der politischen Frankophonie während der Dekolonisierung zu den großen Reformen der bereits institutionalisierten Kooperation aufgezeigt. Die Strukturen und Organe dieses internationalen Netzwerkes werden Teil der Betrachtungen des zweiten Kapitels der Arbeit sein, das so einem system-analytischen Ansatz folgen wird. Der dritte Punkt setzt sich mit den Herausforderungen der OIF nach den Reformen des beginnenden neuen Jahrtausends auseinander. Der Bedeutungsverlust des Französischen weltweit wird dabei genauso ins Augenmerk rücken, wie die Ambivalenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Zielsetzungen der internationalen Frankophonie im Bereich der Entwicklung, der Demokratie und der Menschenrechte. Im letzten Kapitel dieser Arbeit werden Sprache und Kultur als Paradigmen einer globalisierten Welt betrachtet. Die Rolle der Frankophonie im Dialog der Kulturen soll Ausgangspunkt eines größeren Blickwinkels auf einen neuen Typus internationaler Kooperation sein, dem die Frankophonie, aber auch andere sprachlich-kulturellen Vereinigungen, zuzurechnen sind.
Dieses inhaltliche Vorgehen intendiert, ein möglichst geschlossenes erstes Bild der OIF zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu geben und dem Leser die Gelegenheit zu verschaffen, die Zukunftsfähigkeit, aber auch die Probleme der Frankophonie beurteilen und vor dem Kontext der historischen Genese, politischen Struktur und Ambition und der größeren globalen Entwicklungen einordnen zu können.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
I. Vom Empire colonial zur Organisation internationale de la Francophonie (OIF): die Genese der politisch-institutionellen Frankophonie
1. Die Dekolonialisierung und das Band der Frankophonie: der Weg zur Agence de coopération culturelle et technique (ACCT)
2. Die Evolution des frankophonen Projektes: neue Organisationsformen und der erste Frankophonie-Gipfel 1986
3. Die Reformen von Cotonou und Hanoi: ein Wendepunkt des frankophonen Projektes
II. Die Strukturen der OIF: ein internationales Netzwerk
1. Zwischen Supranationalismus, Intergouvernementalismus und Zivilgesellschaft: die verschiedenen Organisationslogiken der Frankophonie
2. Die Organe der OIF: zwischen Sommet de la Francophonie und Generalsekretariat
3. Das globale frankophone Netzwerk: die opérateurs directs, NGOs und darüber hinaus
III. Der steinige Weg in die Zukunft: Herausforderungen an die OIF am Beginn des 21. Jahrhunderts
1. Zehn Jahre nach der Reform: Wohin steuert das frankophone Projekt nach dem Gipfel von Hanoi?
2. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Kann die Frankophonie ihren Zielsetzungen gerecht werden?
IV. Sprache und Kultur in einer globalisierten Welt: eine neue Dimension internationaler Zusammenarbeit entsteht
1. Von der exception culturelle zur diversité culturelle: die Frankophonie als Vorreiter des Dialoges der Kulturen
2. Ein neuer Typ internationaler Kooperation: die linguistisch-kulturelle Sphäre
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung, die systemischen Strukturen und die politischen Perspektiven der Organisation internationale de la Francophonie (OIF) als geopolitisches Phänomen. Ziel ist es, einen politikwissenschaftlichen Zugang zur Frankophonie zu etablieren, der über lexikalische Beschreibungen hinausgeht und die Rolle der Organisation in einer globalisierten Welt hinterfragt.
- Historische Genese der politischen Frankophonie aus der Kolonialzeit.
- Strukturelle Institutionalisierung und Organisationslogiken der OIF.
- Herausforderungen in Bereichen wie Demokratie, Menschenrechte und Bildung.
- Bedeutung von Sprache und Kultur im Dialog der Kulturen und der Globalisierung.
- Entwicklung eines neuen Modells internationaler Zusammenarbeit (linguistisch-kulturelle Sphären).
Auszug aus dem Buch
1. Die Dekolonialisierung und das Band der Frankophonie: der Weg zur Agence de coopération culturelle et technique (ACCT)
In beiden Fällen wird der Prozess der Dekolonisierung jedoch unvollständig bleiben. „Dabei ist eine postkoloniale Konfiguration entstanden, in der Afrika und die DOM-TOM gleichsam die Infrastruktur eines renovierten und rationalisierten französischen Mondialismus erstellten. (…) Dekolonisierung französischer Provenienz führte folglich nicht zur Entflechtung und Distanzierung von den ehemaligen Kolonien, sondern zur Intensivierung alter Bindungen.“ So spinnt Frankreichs Diplomatie in den Jahren nach Ende des empire colonial ein Netz bi- und multilateraler Kooperations- und Verteidigungsverträge mit den ehemaligen afrikanischen Kolonien, die fürderhin Frankreichs unentbehrliche Garantie weltpolitischer Bedeutung sein sollten. So engagiert sich die Regierung DE GAULLES, um die Fortsetzung der wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen zu den ehemaligen Kolonien bemüht, so auffällig zurückhaltend ist sie bezüglich aller Fragen der Kultur und Sprache. Vor dem Hintergrund einer veränderten Welt ist es aber nun nicht mehr Frankreich allein, das die „Bürde“ der Verteidigung und Verbreitung französischer Sprache und Kultur zu schultern hat.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einführung erläutert die interdisziplinäre Notwendigkeit, das Phänomen der Frankophonie nicht nur sprachwissenschaftlich, sondern als politisches und kulturelles Konstrukt im Globalisierungskontext zu begreifen.
I. Vom Empire colonial zur Organisation internationale de la Francophonie (OIF): die Genese der politisch-institutionellen Frankophonie: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Weg von der kolonialen Ära über die Dekolonisierung bis hin zur Entstehung der ersten intergouvernementalen Institutionen nach.
II. Die Strukturen der OIF: ein internationales Netzwerk: Hier werden die verschiedenen Organisationslogiken, die Organe der OIF sowie das Netzwerk der direkten Operatoren analysiert.
III. Der steinige Weg in die Zukunft: Herausforderungen an die OIF am Beginn des 21. Jahrhunderts: Der Abschnitt diskutiert die Diskrepanz zwischen den hehren Zielsetzungen der Organisation und der politischen Realität in den Mitgliedsstaaten, insbesondere bei Demokratie und Entwicklung.
IV. Sprache und Kultur in einer globalisierten Welt: eine neue Dimension internationaler Zusammenarbeit entsteht: Das letzte Kapitel untersucht die Rolle der Frankophonie als Vorreiter bei der Förderung kultureller Vielfalt und entwirft das Modell der linguistisch-kulturellen Sphären als neuen Typ internationaler Kooperation.
Schlüsselwörter
Frankophonie, OIF, Internationale Organisation, Postkolonialismus, Globalisierung, Organisation internationale de la Francophonie, Intergouvernementalismus, Kulturelle Vielfalt, Sprachpolitik, Frankologie, Nord-Süd-Dialog, Diplomatie, Institutionen, Demokratieförderung, Sprachsphäre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der politischen Entwicklung der Frankophonie und deren zentraler Organisation, der Organisation internationale de la Francophonie (OIF).
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung, die institutionellen Strukturen, das globale frankophone Netzwerk und die zukünftigen Herausforderungen der Organisation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen fundierten politikwissenschaftlichen Zugang zur Frankophonie zu schaffen, um deren Rolle als geopolitischer Akteur jenseits rein kultureller Aspekte zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Analyseansatz, der historische, politikwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Perspektiven kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Institutionen, die interne Machtstruktur der OIF, die Herausforderungen der Mitgliedstaaten sowie die Bedeutung von Konzepten wie der diversité culturelle.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Frankophonie, intergouvernementale Zusammenarbeit, geopolitisches Phänomen und linguistisch-kulturelle Sphäre stehen im Zentrum der Untersuchung.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Frankreich und Kanada innerhalb der Frankophonie?
Frankreich wird oft als machtorientiert und bilateral agierend dargestellt, während Kanada eher einen multilateralen Ansatz verfolgt und durch die Mitgliedschaft in der Frankophonie und im Commonwealth eine Brückenfunktion einnimmt.
Welchen Stellenwert nimmt die Demokratieförderung in der OIF ein?
Die Demokratieförderung hat seit den Reformen der späten 1990er Jahre an Bedeutung gewonnen und wurde durch Instrumente wie die Déclaration de Bamako und Beobachtermissionen institucionalisiert.
Was versteht der Autor unter dem Konzept der „linguistisch-kulturellen Sphären“?
Es ist ein theoretisches Modell zur Einordnung hybrider internationaler Organisationen, die auf einer gemeinsamen linguistisch-kulturellen Basis ruhen, aber über die reine Organisation hinausgehen.
Warum wird die ACCT im Text als „ehemalige Hauptorganisation“ bezeichnet?
Die ACCT wurde im Zuge der Rationalisierungsprozesse umgeformt und in die OIF eingegliedert, um eine pyramidale Struktur unter der Führung des Generalsekretärs zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Andreas Ludwig (Autor:in), 2008, Die politische Komponente der Frankophonie - Die Organisation internationale de la Francophonie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119045