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Phraseolexeme gestern und heute

Die Entwicklung des Gebrauchs von Phraseologismen am Beispiel der Chemnitzer Tageszeitung "Freie Presse"

Title: Phraseolexeme gestern und heute

Thesis (M.A.) , 2007 , 124 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Magistra Artium Carolin Stephan (Author)

German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
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Untersucht werden soll in der vorliegenden Arbeit die Gebrauchsentwicklung eines ganz konkreten sprachlichen Phänomens: der Phraseologismen, genauer gesagt der Phraseolexeme. Feste, idiomatische Wortverbindungen also, die als Einheit im mentalen Lexikon gespeichert sind und durch ihren hohen Wiedererkennungswert die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich ziehen. Dank dieser Eigenschaft tragen Phraseolexeme, wenn schon nicht zwangsläufig zur Informationsübermittlung, so doch auf jeden Fall zur Steigerung des Unterhaltungswerts eine Pressetextes bei. Unterhaltung wiederum verkauft sich gut. Letztlich sind Zeitungen in der heutigen Zeit nichts anderes als Unternehmen, die wirtschaftlich arbeiten müssen. Der Leser ist gleichzeitig zahlender Kunde, dem unter anderem durch abwechslungsreiche, unterhaltsame Sprache eine möglichst vergnügliche Lektüre geboten werden muss. Im Gegensatz dazu konnten viele Zeitungsmacher in der DDR wegen ihrer Funktion als Parteiorgan wirtschaftliche Aspekte außer Acht lassen. Vor allem im regionalen Bereich gab es oft keine Alternative zu den verstaatlichten „Blättern“. Eine ansprechende Textgestaltung zum Leser-Werben war damit schlichtweg unnötig und oft auch gar nicht möglich, da die Journalisten strengen sprachlichen Regelungen zu folgen hatten. Die Folge waren monotone Texte, in denen wenig Raum für außergewöhnliche Wortwahl oder Sprachspielereien blieb. Die Vermutung liegt nahe, dass sich dieser Umstand auch auf den Gebrauch von Phraseologismen auswirkte. Man könnte sich daher die Frage stellen, ob vor lauter „leeren Phrasen“ möglicherweise kein Platz mehr für Phraseolexeme war. Dieser – zugegebenermaßen etwas überspitzt formulierten – These gilt es im Laufe dieser Arbeit auf den Grund zu gehen. Als Untersuchungsobjekt dienen dabei die Mai-Ausgaben der Chemnitzer Tageszeitung „Freie Presse“ aus den Jahren 1967 und 2007.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Theoretische Grundlagen und Überblick über den Forschungsstand

1. Einleitung

1.1 Thesen

1.2 Vorgehensweise

2. Phraseologische Grundbegriffe

2.1 Phraseolexeme – Kernbereich der Phraseologie

2.2 Eigenschaften

2.3 Modifikation versus Variation

2.4 Modifikationsarten

3. Allgemeines zur Pressesprache

3.1 Äußere Faktoren

3.2 Sprachliche Merkmale der DDR-Presse

4. Klassifikation von Pressetexten

4.1 Presse-Textsorten

4.2 Klassifikationen

4.3 Eigene Einteilung

II Analyse

1. Untersuchtes Textkorpus

2. Quantitative Analyse

2.1 Presse-Textsorten

2.2 Phraseolexeme

2.3 Modifikationen

3. Qualitative Analyse

3.1 Pressetexte von 1967

3.1.1 Häufig auftretende Phraseolexeme

3.1.2 Modifikationen

3.2 Pressetexte von 2007

3.2.1 Häufig auftretende Phraseolexeme

3.2.2 Modifikationen

3.3 Zusammenfassung

4. Problemfälle

5. Auswertung: Entwicklungstendenzen beim Gebrauch von Phraseolexemen

III Anhang

1. Übersicht der verwendeten Phraseolexeme in den Mai-Ausgaben der „Freien Presse“ von 1967 und 2007

2. Übersicht zu modifizierten Phraseolexemen

3. Auflistung der häufigsten Phraseolexeme

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die diachrone Entwicklung des Gebrauchs von Phraseolexemen in der Tageszeitung „Freie Presse“ anhand eines Vergleichs der Mai-Ausgaben aus den Jahren 1967 und 2007. Ziel ist es, die quantitativen und qualitativen Veränderungen in der Verwendung dieser sprachlichen Phänomene vor dem Hintergrund der unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Systeme von DDR und Bundesrepublik Deutschland zu analysieren.

  • Wissenschaftliche Definition und Klassifikation von Phraseolexemen und Modifikationsarten.
  • Kontrastive Analyse der Pressesprache in der DDR im Vergleich zur heutigen Medienlandschaft.
  • Klassifikation von Pressetextsorten zur methodischen Abgrenzung der Analyse.
  • Quantitative Untersuchung zur Häufigkeit und Verteilung von Phraseolexemen in verschiedenen Textsorten.
  • Qualitative Untersuchung ausgewählter Modifikationen und fehlerhafter Gebrauchsformen.

Auszug aus dem Buch

3.2 Sprachliche Merkmale der DDR-Presse

Der Einfluss der Regierung auf die Presse in der DDR beschränkte sich wie angedeutet nicht nur auf die Themenauswahl der Artikel, sondern erfasste auch deren sprachliche Realisierung. Um die Entwicklung des Phraseolexem-Gebrauchs in Pressetexten später richtig einordnen zu können, ist an dieser Stelle unabdingbar, auf die sprachlichen Besonderheiten, die Zeitungstexte aus DDR-Zeiten von denen der Gegenwart unterscheiden, einzugehen. Mit der Wende 1989 ging ein Wechsel der politischen Systeme einher, von denen auch die deutsche Sprache nicht unberührt blieb. Ulla FIX stellt fest:

„Vor den Augen und Ohren der Betroffenen, von ihnen mitvollzogen und zum Teil auch reflektiert, lief ein Sprach- und Sprachgebrauchswandel ab, wie man ihn in der Regel, da ein solcher Wandel normalerweise schleichend vor sich geht, sonst nicht beobachten kann. Der nun stattfindende Prozess dagegen vollzog sich sehr schnell und umfassend.“ (Fix 1998, IX)

In gewissem Maße betrafen die durch Mauerfall verursachten Veränderungen im Sprachgebrauch zwar beide Seiten Deutschlands (schon allein wegen des plötzlichen ungehinderten Kontakts zwischen Sprechern aus Ost und West). Aber durch die Einführung eines völlig neuen politischen Systems in den neuen Bundesländern, machte sich dieser Wandel auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ungleich stärker bemerkbar. Gemeint ist hierbei weniger die Alltagssprache „des Volkes“, sondern die öffentliche Kommunikation. Diese war in der DDR einer strengen Ritualität unterworfen. Fix weist darauf hin, dass Ritualität generell eine „stabilitätssichernde Funktion für politische Systeme“ (Fix 1998, X) besitzt, sie aber nicht in allen Systemen gleichermaßen eingesetzt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Thesen der Arbeit vor und erläutert die methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung der diachronen Sprachveränderungen.

2. Phraseologische Grundbegriffe: Hier werden theoretische Grundlagen zu Phraseolexemen, ihren Eigenschaften und den verschiedenen Arten der Modifikation (im Gegensatz zur Variation) definiert.

3. Allgemeines zur Pressesprache: Das Kapitel beleuchtet die äußeren Faktoren, wie den Einfluss der SED auf die Presse, und die daraus resultierenden sprachlichen Merkmale in der DDR-Presse.

4. Klassifikation von Pressetexten: Es werden verschiedene wissenschaftliche Ansätze zur Einteilung von Pressetextsorten vorgestellt, um eine fundierte Grundlage für das untersuchte Korpus zu bilden.

1. Untersuchtes Textkorpus: In diesem Kapitel wird das Untersuchungsobjekt „Freie Presse“ definiert und die Auswahl der Textausgaben aus den Jahren 1967 und 2007 begründet.

2. Quantitative Analyse: Hier wird die Häufigkeit und Verteilung der Phraseolexeme in den ausgewählten Textsorten statistisch ausgewertet und gegenübergestellt.

3. Qualitative Analyse: Dieses Kapitel widmet sich der detaillierten inhaltlichen Untersuchung besonders häufig auftretender Phraseolexeme und der Art ihrer Modifikationen in beiden untersuchten Zeiträumen.

4. Problemfälle: Das Kapitel diskutiert methodische Schwierigkeiten bei der Abgrenzung von Phraseolexemen und den Übergangsbereichen zwischen Zentrum und Peripherie der Phraseologie.

5. Auswertung: Entwicklungstendenzen beim Gebrauch von Phraseolexemen: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede im Gebrauch feststehender Wendungen in beiden politischen Systemen zusammen.

Schlüsselwörter

Phraseolexeme, DDR-Presse, Freie Presse, Sprachwandel, Modifikation, Variation, Somatismen, Pressesprache, Textsorten, Idiomatizität, SED, politisches System, diachrone Sprachbetrachtung, Journalismus, Medienanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht, wie sich die Verwendung von Phraseolexemen (festen Wortverbindungen) in der Tageszeitung „Freie Presse“ über einen Zeitraum von 40 Jahren – zwischen 1967 und 2007 – verändert hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verknüpft linguistische Grundlagen der Phraseologie mit einer medienwissenschaftlichen Perspektive auf die Pressesprache vor und nach der Wende in Deutschland.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Gebrauch, die Häufigkeit und die Funktion von festen Wendungen in Abhängigkeit von den unterschiedlichen politischen Systemen (DDR vs. wiedervereinigtes Deutschland) gewandelt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Verfasserin nutzt eine Kombination aus quantitativer Analyse (Häufigkeitsmessung) und qualitativer Analyse (Untersuchung von Kontext, Modifikationen und Bedeutung) an einem Korpus von Zeitungsartikeln.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine quantitative Bestandaufnahme der Phraseolexeme und eine tiefgehende qualitative Analyse der 1967er und 2007er Artikel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Phraseolexeme, Sprachwandel, DDR-Presse, Modifikationen, Idiomatizität und Mediensprache.

Warum wurden gerade die Jahre 1967 und 2007 gewählt?

Die Jahre bieten einen zeitlichen Abstand von 40 Jahren, um einen repräsentativen Vergleich zwischen den DDR-Ausgaben und den Ausgaben der heutigen „Freien Presse“ zu ermöglichen.

Welchen Einfluss hatte das SED-Regime auf die Sprache der Zeitung?

Die Arbeit zeigt auf, dass die Presse unter dem Einfluss der SED eine „monotone“ und „rituelle“ Sprache entwickelte, die vor allem der ideologischen Linientreue und der Freund-Feind-Konstellation des Kalten Krieges diente.

Was sind Modifikationen bei Phraseolexemen?

Modifikationen sind bewusste, oft spielerische oder stilistische Veränderungen der Standardform eines Phraseolexems durch den Journalisten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen oder den Ausdruck dem Kontext anzupassen.

Was ist das Fazit der Untersuchung?

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Gebrauch von Phraseolexemen in Anzahl, Weise und Funktion aufgrund der unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Anforderungen an die Zeitung deutlich unterscheidet.

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Details

Title
Phraseolexeme gestern und heute
Subtitle
Die Entwicklung des Gebrauchs von Phraseologismen am Beispiel der Chemnitzer Tageszeitung "Freie Presse"
College
University of Leipzig  (Institut für Germanistik)
Grade
1,3
Author
Magistra Artium Carolin Stephan (Author)
Publication Year
2007
Pages
124
Catalog Number
V118917
ISBN (eBook)
9783640221691
ISBN (Book)
9783640223572
Language
German
Tags
Phraseolexeme
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Artium Carolin Stephan (Author), 2007, Phraseolexeme gestern und heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118917
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