Die Fähigkeit des Menschen, seine Gedanken in Worte zu fassen und zu artikulieren, definiert den Forschungsbereich der Sprachproduktion. Die zentrale Fragestellung der Sprachproduktionsforschung ist, wie das im Gehirn gespeicherte Wissen, auch kognitive Repräsentationen genannt, und Denkprozesse zusammenwirken, um den so mühelos erscheinenden Prozess des Sprechens zu ermöglichen. Es gibt kaum eine andere Tätigkeit, die wir so oft praktizieren wie das Sprechen. Bei einer Unterhaltung liegt die durchschnittliche Sprechgeschwindigkeit bei zwei bis vier Wörtern pro Sekunde. Die Wörter werden dazu fortlaufend aus dem mentalen Lexikon abgerufen, das mehrere zehntausend Einträge enthält. Bei diesem Vorgang machen wir erstaunlich wenig Fehler. Die Prozesse zeichnen sich durch eine extreme Geschwindigkeit und Präzision aus. Um zu untersuchen, wie ein Sprecher von der Intention zur Artikulation gelangt, ziehen Wissenschaftler unterschiedliche Methoden heran. Pechmann unterscheidet in Bezug auf die Entwicklung der Sprachproduktionsforschung drei Wurzeln, die sich mehr oder weniger unabhängig voneinander entwickelt haben. (vgl. Pechmann, 1994).
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHER RAHMEN
2.1 Sprachproduktion – von der Intention zur Artikulation
2.2 Modelle der Sprachproduktion
2.3 Basisannahmen der Sprachproduktionsmodelle
2.4 Ein serielles Modell
2.5 Ein vorwärts-kaskadierendes Modell
2.6 Ein interaktives Modell
2.7 Abschließender Vergleich der vorgestellten Modelle
2.8 Mündliche Sprachproduktion im Kontext der multimodalen Einzelwortverarbeitung
2.9 Wege der Verarbeitung eines Stimulus im Logogen-Modell
3 DAS ARBEITSGEDÄCHTNIS UND DIE SPRACHPRODUKTION
3.1 Das Arbeitsgedächtnismodell nach Baddeley
3.1.1 Die phonologische Schleife
3.1.2 Die zentrale Exekutive
3.1.3 Automatische und kontrollierte Prozesse
3.1.4 Kritik und neuere Gesichtspunkte
3.2 Zur strategischen Wahl sprachlicher Verarbeitungsrouten unter Arbeitsgedächtnisbelastung
4 EMPIRISCHER RAHMEN
4.1 Arbeitsdefinition von Priming
4.2 Implizites Priming
4.3 Die Methode der Gedächtnisbelastung
4.4 Bisherige Studien
4.5 Motivation für das vorgestellte Experiment
5 EXPERIMENTELLE UNTERSUCHUNG
5.1 Experiment 1: Implizites Priming (auditiv)
5.1.1 Versuchsteilnehmer
5.1.2 Versuchsmaterial
5.1.3 Versuchsdesign
5.1.4 Nebenaufgabe
5.1.5 Apparatur
5.1.6 Versuchsablauf
5.2 Experiment 2: Bildbenennaufgabe
5.2.1 Versuchspersonen
5.2.2 Material, Design, Apparatur
5.2.3 Versuchsdurchführung
5.2.4 Versuchsauswertung
5.2.5 Ergebnisse Experiment 1: Implizites Priming
5.2.6 Diskussion Experiment 1
5.2.7 Ergebnisse Experiment 2: Bildbenennen
5.2.8 Diskussion Experiment 2
5.2.9 Ergebnisse Zahlenmemorieraufgabe
6 ABSCHLIEßENDE DISKUSSION
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob orthographische Informationen bei der mündlichen Sprachproduktion deutscher Sprecher automatisch aktiviert werden und ob sich die Strategie der Verarbeitungsrouten bei einer zusätzlichen kognitiven Belastung des Arbeitsgedächtnisses verändert.
- Phonologische Enkodierung bei der mündlichen Sprachproduktion
- Einfluss der Orthographie auf sprachproduktive Aufgaben
- Rolle von Arbeitsgedächtniskapazitäten bei der Sprachverarbeitung
- Anwendung des impliziten Priming-Paradigmas
- Vergleich verschiedener psycholinguistischer Sprachproduktionsmodelle
Auszug aus dem Buch
2.1 Sprachproduktion – von der Intention zur Artikulation
Die psycholinguistische Forschung hat in den letzten Jahren sehr deutlich aufgezeigt, dass die Verwendung von Sprache eine herausragende kognitive und kommunikative Leistung des Menschen ist. Bei der Produktion von Sprache müssen wir Erstaunliches leisten. Verschiedene Wissenssysteme werden aktiviert, greifen ineinander und müssen sich an zeitliche Bedingungen halten. Normalerweise produzieren wir bei einer Unterhaltung zwei bis vier Wörter pro Sekunde. Die Wörter werden aus dem mentalen Lexikon abgerufen, das mehrere zehntausend Einträge enthält. Neben der extremen Geschwindigkeit zeichnen sich diese Prozesse durch eine große Präzision aus, denn beim Wortabruf werden erstaunlich wenige Fehler gemacht. Levelt schätzt die Fehlerrate auf 1:1000 (Levelt et al., 1999: 4).
Es stellt sich die Frage, wie das Sprachproduktionssystem aufgebaut ist und wie die Prozesse bei der Produktion einer Äußerung ablaufen? Auf diese Fragen wird im nächsten Abschnitt näher eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Sprachproduktionsforschung, historische Wurzeln und Definition des Untersuchungsgegenstandes.
2 THEORETISCHER RAHMEN: Beschreibung von Sprachproduktionsmodellen (seriell, kaskadierend, interaktiv) und Einbettung in die multimodale Einzelwortverarbeitung.
3 DAS ARBEITSGEDÄCHTNIS UND DIE SPRACHPRODUKTION: Darstellung des Modells nach Baddeley und Diskussion der strategischen Routenwahl bei kognitiver Belastung.
4 EMPIRISCHER RAHMEN: Definition von Priming, Erläuterung der experimentellen Paradigmen und Überblick über bisherige Forschungsergebnisse.
5 EXPERIMENTELLE UNTERSUCHUNG: Durchführung und Analyse der zwei Experimente (implizites Priming und Bildbenennaufgabe) inklusive statistischer Auswertung.
6 ABSCHLIEßENDE DISKUSSION: Zusammenfassung der Ergebnisse vor dem theoretischen Hintergrund und Einordnung in die aktuelle Forschung.
Schlüsselwörter
Sprachproduktion, Phonologische Enkodierung, Orthographie, Arbeitsgedächtnis, Implizites Priming, Kognitive Belastung, Sprachverarbeitung, Mentales Lexikon, Doppelaufgabenparadigma, Sprachproduktionsmodelle, Seriell, Interaktiv, Kaskadierend, Reaktionszeit, Bildbenennaufgabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Psycholinguistik, speziell mit der Frage, wie unser Gehirn beim Sprechen Informationen verarbeitet und ob dabei die Schreibweise eines Wortes (Orthographie) automatisch eine Rolle spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Sprachproduktion, Arbeitsgedächtnis, der Einfluss orthographischer Codes auf die Artikulation sowie die Frage nach der strategischen Steuerung von Verarbeitungswegen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist herauszufinden, ob deutsche Sprecher bei der mündlichen Benennung von Wörtern oder Bildern automatisch auch deren Schreibweise mitaktivieren und ob eine höhere kognitive Auslastung dieses Verhalten verändert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt das "implizite Priming" (Formvorbereitungsparadigma) sowie das "Doppelaufgabenparadigma" (Zahlenmemorieraufgabe), um Reaktionszeiten unter verschiedenen experimentellen Bedingungen zu messen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung durch diverse Sprachproduktionsmodelle, die Einführung des Arbeitsgedächtnismodells nach Baddeley sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung von zwei aufeinander aufbauenden Experimenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprachproduktion, Phonologische Enkodierung, Orthographie, Arbeitsgedächtnisbelastung und Implizites Priming charakterisiert.
Wie unterscheidet sich diese Arbeit von den Studien von Damian & Bowers?
Während Damian & Bowers mit englischen Sprechern arbeiteten, fokussiert diese Arbeit auf deutsche Sprecher und untersucht zusätzlich die Auswirkungen einer kognitiven Belastung (Doppelaufgabe) auf den orthographischen Einfluss.
Was bedeuten homogene, heterogene und inkonsistente Sets im Experiment?
Diese Begriffe beschreiben die phonologische und orthographische Ähnlichkeit der Testwörter innerhalb einer Gruppe: Homogen bedeutet identische Anfangslaute/Buchstaben, während inkonsistent identische Laute bei unterschiedlicher Schreibweise meint.
- Quote paper
- Kathrin Lölfing (Author), 2008, Orthographische Einflüsse auf die phonologische Enkodierung in der mündlichen Sprachproduktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117854