"[Benda] connaît admirablement son temps; il lit avec soin ce qui paraît, mais tout ce qu’il y découvre le confirme dans son opposition. Il réussi ce rare exploit de s’attirer la haine de pratiquement tous les écrivains et penseurs de son époque." (Beaumarchais u.a. 1994).
Dieses Zitat über Julien Benda, den Autor des Essays "La Trahison des clercs", in dem er seine Theorie über die gesellschaftliche Verantwortlichkeit der Intellektuellen darlegt und den seiner Meinung nach auf der Seite der Gelehrten vorliegenden Verrat begründet, zeigt, dass sich Benda mit seinen literarischen Werken – gelinde ausgedrückt – nicht beliebt gemacht hat. Im Gegenteil, er wird als einer der wenigen hingestellt, die es geschafft haben, den Hass fast aller zeitgenössischen Intellektuellen auf sich zu ziehen.
Dem interessierten Leser stellen sich folgende Fragen:
Wie kommt es, dass Benda kein gutes Haar an den Intellektuellen seiner Zeit lässt & nur Kritik für sie, ihr Leben und ihre Werke übrig hat? Warum bevorzugt er die literarischen Werke längst verstorbener Autoren? Ist er zur falschen Zeit geboren? Wo in seinem Werk lassen sich Hinweise auf seine Vorstellung zum
Aufbau bzw. zum Erhalt von nationaler Identität und Alterität finden? Vielleicht gelingt es mir, im Laufe dieser Arbeit
einige der Fragen zu beantworten. Zu diesem Zweck habe ich folgende Gliederung vorgenommen: Zu Beginn werde ich über das Leben Julien Bendas und seine literarischen Werke berichten. Im Anschluss werde ich mich meiner eigentlichen Aufgabe widmen, der Analyse des im Jahre 1927 erschienenen Werkes "La Trahison des clercs". Im Folgenden werde ich ein Résumé des Werkes anfertigen, in dem die wichtigsten inhaltlichen Aspekte des Essays dargelegt werden. Bevor ich zur Schlussbemerkung komme, möchte ich einiges zur nationalen Identität und Alterität herausarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
II. Einleitung
III. Biographie
IV. Werke
V. La Trahison des clercs
V. 1. Definition der clercs
V. 2. Definition der trahison
V. 3. Résumé
V. 4. Die Aspekte der nationalen Identität und Alterität
VI. Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Julien Bendas Essay "La Trahison des clercs", um die darin dargelegte Theorie der gesellschaftlichen Verantwortung von Intellektuellen zu analysieren und deren Bedeutung im Kontext nationaler Identität und Alterität zu beleuchten.
- Analyse der Rolle und gesellschaftlichen Verantwortung von Intellektuellen (clercs).
- Untersuchung des Vorwurfs des Verrats (trahison) an den universellen Werten.
- Kritische Betrachtung der politischen Leidenschaften im frühen 20. Jahrhundert.
- Verhältnis von Intellektuellen zu nationaler Identität und Alterität.
- Widersprüchlichkeiten in Bendas eigenem Wirken und Leben.
Auszug aus dem Buch
V. 1. Definition der clercs
Die erste Assoziation mit dem Wort clerc, die ich als deutsche Muttersprachlerin hatte, ohne das Buch gelesen zu haben, war folgende: Ich dachte daran, daß Wort mit ‚Geistlicher’ zu übersetzen, was aus heutiger Sicht auch die am häufigsten verwendete und damit geläufigste Bedeutung dieses Wortes zu sein scheint. Nach dem Lesen des Essays von Julien Benda wurde mir aber deutlich, daß das Wort in diesem Zusammenhang eine ganz andere Bedeutung hatte, nämlich ‚Intellektueller oder Gelehrter’. Und der Petit Robert, den ich um Rat fragte, gab mir recht.
Und genau das ist auch die Bedeutung des Wortes clercs in dem von mir bearbeiteten Essays Bendas, das ja im Petit Robert auch als Beispiel angegeben ist. „Beliebt“ wurde das Wort clerc in dieser Bedeutung vor allem im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre. Doch am besten lasse ich Benda selbst sprechen und versuche anhand der folgenden zwei Zitate zu verdeutlichen, wie der Autor selbst den Begriff definiert:
« Je veux parler de cette classe d’hommes que j’appellerai les clercs, en désignant sous ce nom tous ceux dont l’activité, par essence, ne poursuit pas des fins pratiques, mais qui, demandant leur joie à l’exercice de l’art ou de la science ou de la spéculation métaphysique, bref à la possession d’un bien non temporel, disent en quelques manière
Zusammenfassung der Kapitel
II. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik von Bendas Werk ein, stellt die kritische Haltung des Autors gegenüber seinen Zeitgenossen vor und definiert die Forschungsfrage bezüglich nationaler Identität.
III. Biographie: Dieses Kapitel skizziert den Lebensweg Julien Bendas, seine jüdische Herkunft, seine philosophische Ausbildung und seine politisch-literarische Entwicklung.
IV. Werke: Es wird ein systematischer Überblick über das literarische Schaffen Bendas nach Erscheinungsjahren gegeben.
V. La Trahison des clercs: Dieses Kernkapitel analysiert Bendas Theorie, definiert die Begriffe clercs und trahison, fasst das Essay zusammen und diskutiert Aspekte nationaler Identität.
VI. Schlußbemerkung: Die Schlußbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen, reflektiert Bendas Rolle als Mahner und würdigt seine Prognosen vor dem historischen Hintergrund.
Schlüsselwörter
Julien Benda, La Trahison des clercs, Intellektuelle, Verrat, nationale Identität, Alterität, Rationalismus, politische Leidenschaften, Faschismus, gesellschaftliche Verantwortung, Philosophie, Literaturkritik, Frankreich, Moderne, Gelehrte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Julien Bendas bekanntem Essay "La Trahison des clercs" aus dem Jahr 1927 und dessen Bedeutung für das Verständnis der Rolle von Intellektuellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die gesellschaftliche Verantwortung von Intellektuellen, die Gefahren von politisch motiviertem Handeln in der Gelehrtenwelt sowie das Spannungsfeld zwischen nationaler Identität und universellen Werten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Bendas Definition von "Verrat der Intellektuellen" zu verstehen und aufzuzeigen, wie er diese Theorie mit der zeitgenössischen politischen Situation und der Konstruktion von nationaler Identität verknüpft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes sowie ergänzende biographische und historisch-kontextualisierende Quellen, um Bendas Theorie einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Einführung, eine tabellarische Werkübersicht, eine detaillierte Begriffsdefinition von "clercs" und "trahison" sowie eine inhaltliche Exegese des Essays.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Intellektuelle, Verrat, Rationalismus, politische Leidenschaften und nationale Identität charakterisiert.
Was versteht Benda unter dem "Verrat der Intellektuellen"?
Benda sieht einen Verrat darin, dass Intellektuelle ihre ursprüngliche Funktion – das Streben nach abstrakten, universellen Werten und Wahrheit – zugunsten von materiellen Zielen und politischen Leidenschaften aufgegeben haben.
Wie bewertet die Autorin Julien Bendas eigene Widersprüchlichkeit?
Die Autorin erkennt an, dass Benda selbst in seinem politischen Leben Widersprüche aufweist, betont jedoch, dass sein Werk dennoch als wichtige Warnung vor nationalistischen und faschistischen Tendenzen Bestand hat.
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- Dr. phil. Birgit Lonnemann (Author), 1999, Julien Benda - La Trahison des clercs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117661