Die Motivation, mich im Rahmen dieser Arbeit mit dem Thema „Autismus“ zu beschäftigen, wurde durch meine derzeitige Tätigkeit im Verein „Hilfe für das autistische Kind“ Chemnitz, wo ich zunächst ein Praktikum absolvierte und nun seit über zwei Jahren als Honorarmitarbeiter
tätig bin, geprägt. In dieser Zeit hatte ich die Möglichkeit, zahlreiche autistische Kinder sowie deren Eltern kennenzulernen und mich mit ihren Befindlichkeiten, Bedürfnissen und Eigenarten vertraut zu machen.
Das Bild von Autismus in der Öffentlichkeit ist geprägt von Filmen wie „Rain Man“ und Berichten über Autisten mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Autisten gelten als zurückgezogen, in sich gekehrt, als lebten sie in ihrer eigenen Welt. Doch das Störungsbild „Autismus“ umfasst weit mehr Facetten; tatsächlich verfügt nur eine geringe Zahl Betroffener über besondere
Fertigkeiten. Auch soziale Kontaktaufnahme ist autistischen Menschen nicht fremd, sie gestaltet sich lediglich anders. In dieser Arbeit werden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Phänomen „Autismus“ zusammengetragen, Vorurteile ausgeräumt und etablierte Therapiemethoden
vorgestellt. Diese Magisterarbeit widmet sich insbesondere der Gestaltung eines Trainingsprogramms für Eltern autistischer Kinder, die durch die Entwicklungsstörung ihres Kindes vor eine anspruchsvolle Erziehungsaufgabe gestellt werden. Sie sind die Zielgruppe des vorliegenden
Elterntrainings, das konkrete, alltagstaugliche Hilfen für den Umgang mit einem autistischen Kind vermitteln will, um so einen Teil zur Entwicklung positiver Eltern-Kind-Interaktionen und zur Gestaltung eines ausgeglichenen Familienlebens beizutragen.
Inhaltsverzeichnis
- 0 Einleitung
- 1 Forschungsgegenstand und Zielstellung
- 1.1 Zielstellung
- 1.2 Forschungsstand zum Einsatz von Elterntrainings in der Autismusbehandlung
- 2 Das Spektrum autistischer Störungen
- 3 Diagnostik und Differentialdiagnose
- 4 Ätiologie
- 4.1 Genetische Faktoren
- 4.2 Umweltfaktoren und Immunologie
- 4.3 Neuropsychologie
- 4.4 Neurobiologie
- 5 Therapeutische Interventionen
- 5.1 Verhaltensorientierte Interventionen
- 5.2 Biologische Interventionen
- 5.3 Kommunikationsförderung und alternative Kommunikationsformen
- 5.4 Methoden der Beziehungsförderung
- 5.5 Ergänzende Methoden
- 6 Der TEACCH Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus
- 6.1 Die ,,TEACCH-Methode“: Strukturierung und Visualisierung
- 6.1.1 Strukturierung im Rahmen des TEACCH Ansatzes
- 6.1.2 Visuelle Informationsvermittlung im Rahmen des TEACCH-Ansatzes
- 6.1.3 Die Praxis des Structured Teaching
- 6.1.4 Die Strukturierung des Raumes
- 6.1.5 Die Strukturierung der Zeit
- 6.1.6 Die Strukturierung der Arbeitsorganisation
- 6.1.7 Gestaltung von Material und visuell strukturierten Aufgaben
- 6.1.8 Routinen als Hilfe zur Strukturierung
- 6.2 Das Elterntraining im Rahmen von TEACCH
- 7 Theoriegeleitete Gestaltung des Elterntrainings zur Förderung autistischer Kinder und Jugendlicher
- 7.1 Zur Notwendigkeit unterstützender Angebote für Angehörige von Menschen mit Autismus
- 7.2 Ziel des Elterntrainings
- 7.3 Schwierige Trainingssituationen
- 7.4 Das Curriculum
- 7.5 Elterntrainingseinheit (E1): Grundlagen zum Störungsbild „Autismus“
- 7.5.1 Themenkomplex 1: Wesen der Autistischen Störung
- 7.5.2 Themenkomplex 2: Ursachen der Autistischen Störung
- 7.5.3 Themenkomplex 3: Stärken autistischer Kinder und Jugendlicher und daraus resultierende Förderansätze
- 7.6 Elterntrainingseinheit (E2): TEACCH – ein Konzept zur Förderung von Menschen mit Autismus
- 7.6.1 Themenkomplex 4: TEACCH - Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children
- 7.6.2 Themenkomplex 5: Theorien, Methoden und Ziele von TEACCH
- 7.7 Elterntrainingseinheit (E3): Strukturierung und Visualisierung
- 7.7.1 Themenkomplex 6: Die Ebenen der Strukturierung
- 7.7.2 Themenkomplex 7: Strukturierung des Raumes
- 7.7.3 Themenkomplex 8: Strukturierung der Zeit
- 7.7.4 Themenkomplex 9: Strukturierung der Arbeitsorganisation
- 7.7.5 Themenkomplex 10: Strukturierung von Material und Aufgaben
- 7.7.6 Themenkomplex 11: Routinen als Strukturierungshilfen
- 7.8 Elterntrainingseinheit (E4) – Spezifisches Problemverhalten
- 8 Diskussion und Ausblick
- Das Spektrum autistischer Störungen und die Herausforderungen im Alltag
- Die Anwendung des TEACCH-Ansatzes zur Förderung von Menschen mit Autismus
- Die Bedeutung von Strukturierung und Visualisierung im Rahmen des TEACCH-Ansatzes
- Die Entwicklung eines praxisorientierten Elterntrainings, das Eltern in die Lage versetzt, die TEACCH-Prinzipien in ihrem Alltag umzusetzen
- Die Förderung von Selbstständigkeit und Lebensqualität für autistische Kinder und Jugendliche
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Gestaltung eines Elterntrainings zur Förderung autistischer Kinder und Jugendlicher auf Basis der TEACCH-Prinzipien. Das Training zielt darauf ab, Eltern von Kindern mit Autismus zu befähigen, ihre Kinder in ihrem Alltag effektiv zu unterstützen und zu fördern.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema der Arbeit ein und stellt die Forschungsfrage und die Zielsetzung dar. Kapitel 1 beleuchtet den Forschungsstand zum Einsatz von Elterntrainings in der Autismusbehandlung. Kapitel 2 bietet einen Überblick über das Spektrum autistischer Störungen. Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Diagnostik und Differentialdiagnose von Autismus. Kapitel 4 untersucht die Ätiologie von Autismus, wobei genetische, umweltbedingte, neuropsychologische und neurobiologische Faktoren betrachtet werden. Kapitel 5 stellt verschiedene therapeutische Interventionen im Bereich der Autismusbehandlung vor. Kapitel 6 widmet sich dem TEACCH-Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus, wobei die Prinzipien von Strukturierung und Visualisierung im Detail erläutert werden. Kapitel 7 beschreibt die theoriegeleitete Gestaltung des Elterntrainings, das in dieser Arbeit entwickelt wird.
Schlüsselwörter
Autismus, Elterntraining, TEACCH, Strukturierung, Visualisierung, Förderung, Selbstständigkeit, Lebensqualität, Interventionen, Diagnostik, Ätiologie, Neurobiologie.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der TEACCH-Ansatz?
TEACCH steht für „Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children“. Es ist ein pädagogisch-therapeutisches Konzept, das auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Autismus zugeschnitten ist.
Warum ist Strukturierung bei Autismus so wichtig?
Menschen mit Autismus haben oft Schwierigkeiten, Reize zu filtern. Strukturierung von Raum und Zeit gibt ihnen Sicherheit, Vorhersehbarkeit und hilft ihnen, den Alltag selbstständiger zu bewältigen.
Was lernen Eltern in einem TEACCH-Elterntraining?
Eltern lernen die Grundlagen des Störungsbildes kennen und erfahren, wie sie durch visuelle Hilfen, Tagespläne und räumliche Gestaltung die Interaktion mit ihrem Kind verbessern können.
Was bedeutet „Visualisierung“ im TEACCH-Konzept?
Visualisierung nutzt Bilder, Symbole oder geschriebene Pläne, um Informationen dauerhaft zugänglich zu machen, da autistische Menschen visuelle Reize oft besser verarbeiten können als flüchtige Lautsprache.
Wie hilft das Training bei spezifischem Problemverhalten?
Das Training vermittelt Strategien, um die Ursachen von Problemverhalten zu verstehen und durch Anpassung der Umgebung oder klare Routinen präventiv zu wirken.
Sind alle Autisten „Rain Men“ mit Inselbegabungen?
Nein, die Arbeit räumt mit diesem Vorurteil auf. Nur eine sehr kleine Zahl von Betroffenen verfügt über außergewöhnliche Savant-Fähigkeiten; das Spektrum ist weitaus vielfältiger.
- Quote paper
- Annett Warmschmidt (Author), 2008, Gestaltung eines Elterngruppentrainings zur Förderung autistischer Kinder auf der Basis der TEACCH-Prinzipien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116711