Heutzutage spricht man allzu gerne von einer die ganzen Welt beherrschenden
multidimensionalen Globalisierung1, die Märkte, Unternehmen, Produkte und Prozesse homogenisiert und standardisiert. Allen voran die Informationstechnologie mit dem Internet umspannt und vernetzt gleich Adern die Welt und alle Bereiche des Lebens. So sind die derzeitig branchenübergreifenden Kooperationen meist in Form von Fusionen das Resultat einer ökonomisch effizienten Vernetzung wirtschaftlicher Betriebe, die die alten Strukturen
der Marktwirtschaft verändern und neue Regeln setzen für die ökonomisch nachhaltige Existenz eines Unternehmens.
Da kann ein Überleben in der Nische als Alternative zum Verbund massentouristischer Fusionen im Tourismus von Fluggesellschaften, Hotelunternehmen oder eben Reiseveranstaltern nur nach eingehender Analyse der Marktstruktur, Wettbewerber und Zielgruppen mit deren jeweiligen individuellen Bedürfnissen gelingen. Die Nachfrage nach spezialisierten Generalisten wird im Zuge der zunehmenden kundenseitigen Individualisierung, Reiseerfahrenheit, Preissensibilität, Qualitätsbewusstsein und Internetaffinität immer größer. Nur solche Produkte sind gefragt, die viele Kundenbedürfnisse gleichzeitig befriedigen und die Kundenzufriedenheit vieler durch eine genaue Abdeckung
der einzelnen Bedürfnisse sicherstellen. Am Ende jeder Multiplikatorenkette steht immer der Kunde und der ist bekanntlich König und setzt auf maßgeschneiderte hochqualitative Produkte mit einem vergleichsweise vorteilhaften Preis-Leistungs-Verhältnis: Jeder zweite bucht „preisgünstig, aber Qualität“2 – siehe auch Abb. 1). „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“3, so Rolf Pfeifer vom nachhaltigen Tourismusverband für Reiseveranstalter Forum Anders Reisen (kurz FAR), weil durch die Vermengung diverser und zielgruppengerechter Produktpaletten der zugehörigen FARMitglieder
mehr Markt- und damit Kundenanteile gewonnen werden können. Die Kooperation verschiedener Anbieter in der Nische des Nachhaltigen Tourismus bündelt eine
Fülle von Reiseangeboten in Destinationen weltweit und ermöglicht damit eine gelungene Abdeckung der gleichzeitig diversen Kundenbedürfnisse und Reisewünsche.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Thematik
Zielsetzung
Methodik
2. Globalisierung und Nachhaltigkeit des Tourismus
2.1 Massentourismus und Klimawandel
2.2 Globalisierung und Individualisierung
2.3 Tourismus als Problemlöser und –verursacher
2.4 Nachhaltigkeit „trotz“ Globalisierung
3. Der Tourismusmarkt heute
3.1 Aktueller Tourismusmarkt in Zahlen
3.2 Tourismus als Dienstleistungssektor
3.3 Massen- oder Individualtourismus?
3.3.1 Ökonomischer „harter“ Massentourismus
3.3.2 Nachhaltiger „sanfter“ Individualtourismus
3.3.3 Paradoxie eines „sanften Massentourismus“
4. Der „geteilte“ Reiseveranstaltermarkt
4.1 Der Reiseveranstalter
4.2 Der „herkömmliche“ Reiseveranstaltermarkt
4.2.1 Größe und Struktur des Reiseveranstaltermarkts
4.2.2 Kooperationen der Großen
4.2.3 KMU-Veranstalter als Spezialisten
4.2.4 Trends auf dem Reiseveranstaltermarkt
4.2.4.1 Anbietertrends
4.2.4.2 Verbrauchertrends
4.2.4.2.1 Projekt INVENT
4.2.4.2.2 FUR Reiseanalyse
4.2.4.2.3 Global Trends
4.3 Der „nachhaltige“ Reiseveranstaltermarkt
4.3.1 Nachhaltigkeit auf dem Reiseveranstaltermarkt
4.3.2 Der „nachhaltige“ Reiseveranstalter
4.3.3 Vorteile nachhaltiger Reisegestaltung
4.3.4 Größe und Struktur des nachhaltigen Reiseveranstaltermarkts
4.3.5 Nachfragesituation des Nachhaltigen Tourismus
5. Das Forum Anders Reisen – Kooperation nachhaltiger Reiseveranstalter
5.1 Der Dachverband Forum Anders Reisen (FAR)
5.1.1 Der Verband und seine Mitglieder
5.1.2 Verbandsstruktur
5.1.3 Kriterienkatalog
5.1.4 Vorteile einer Mitgliedschaft
5.1.4.1 CMS Portal
5.1.4.2 Reiseperlenkatalog
5.1.5 Aktuelle Schwerpunktthemen
5.1.5.1 CSR-Bericht
5.1.5.2 Atmosfair
5.1.5.3 PlaNeT
5.2 Kooperation unter einer Dachmarke
5.2.1 Kooperation
5.2.2 Marke
5.2.3 Dachmarke
5.2.4 Synergieeffekte einer Kooperation
5.2.4.1 Umsatzmaximierung
5.2.4.2 Imagegewinn
5.2.5 Kooperation unter der Dachmarke FAR
6. Text- und Datenanalysen
6.1 Analyse I: Reisperlen/Eigene Kataloge der Mitglieder
6.1.1 Reiseperlen: Projektreisen
6.1.2 Reiseperlen: WWF-Reisen
6.1.3 Eigene Kataloge der Mitglieder
6.2 Analyse II: Statistiken CMS-System
6.3 Analyse III: Online-Befragung
6.3.1 Das Produkt
6.3.2 Der Kunde
6.3.3 Das Unternehmen
6.3.4 Die Nachhaltigkeit
6.4 Ergebnisse der Analysen
7. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Bedeutung von Kooperationen unter einer Dachmarke für nachhaltige Reiseveranstalter am Beispiel des Verbands "Forum Anders Reisen" (FAR). Ziel ist es, aufzuzeigen, wie kleine und mittelständische Unternehmen durch gemeinsame Strategien, Qualitätsstandards und Marketingplattformen am Markt bestehen und nachhaltige Reisekonzepte erfolgreich etablieren können, während gleichzeitig ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gewahrt bleiben.
- Strukturanalyse des geteilten Reiseveranstaltermarktes in Deutschland
- Einfluss von Kooperationen auf Marktwachstum und Markenidentität
- Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens durch Kriterienkataloge
- Kundenverhalten und Marktsegmentierung im Bereich des nachhaltigen Tourismus
- Synergieeffekte durch gemeinsame IT-Systeme und Vertriebswege
Auszug aus dem Buch
3.3.3 Paradoxie eines „sanften Massentourismus“
„Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet“. Diese Paradoxie bezeichnet den Umstand, dass ein anfänglich „sanfter“ Tourismus dann zum Massentourismus mutiert, wenn zu viele Touristen einen naturintakten Ort besuchen und ihm durch die „Ab-nutzung“ Schaden zufügen, z.B. in Form von mit Kettenhotels verbauten Stränden in Spanien, Ferienanlagen in naturgeschützten Tier- und Pflanzenreservaten in Afrika, oder wie zuletzt auch in Tibet die Verdrängung und Zerstörung der einheimischen Kulturen durch das chinesische Regime. Würden alle Massentouristen plötzlich auch nachhaltigen sanften Individualtourismus bevorzugen, dann würden fremde unbekannte Lebensräume noch mehr bereist und bedroht werden als jetzt schon.
Daher lautet die Optimallösung des Verteilungsproblems, dass die massentouristischen Kolonien weiter bestehen bleiben, aber gebunden sind an nachhaltige Vorgaben eines Kriterienkatalogs und Zertifizierungen wie z.B. im Falle des FAR. Die kostengünstigen Reiseprodukte kann man mit etwas Kreativität genauso differenzieren und individualisieren, ohne dass die Qualität und damit die Kundenzufriedenheit darunter leiden muss. Der Nachhaltige Tourismus sollte sich jedoch beständig weiterentwickeln und letzten Endes als Standardform eines tragbaren zukunftsfähigen Tourismus durchsetzen. Gemäß der heterogenen Biodiversität der Natur sollte eine möglichst interessante Mischung aus facettenreichen Reiseangeboten auf dem Quellmarkt zum Kauf angeboten werden, die alle sozialen Milieus und demographischen Klassen abdeckt, um einerseits die Kundenzufriedenheit maximal zu befriedigen und andererseits Nachhaltigkeit zum Schutze der Natur und Kultur sicherzustellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Themenfeld der Globalisierung im Tourismus sowie Darlegung der Zielsetzung und methodischen Vorgehensweise der Arbeit.
2. Globalisierung und Nachhaltigkeit des Tourismus: Diskussion der Spannungsfelder zwischen Tourismuswachstum, Klimawandel, Individualisierung und dem notwendigen Streben nach Nachhaltigkeit.
3. Der Tourismusmarkt heute: Analyse der aktuellen Marktsituation, der Struktur des Dienstleistungssektors und der Abgrenzung von Massen- und Individualtourismus.
4. Der „geteilte“ Reiseveranstaltermarkt: Differenzierung zwischen herkömmlichen Großveranstaltern und KMU-Spezialisten sowie Untersuchung von Kooperationsstrategien und Trends.
5. Das Forum Anders Reisen – Kooperation nachhaltiger Reiseveranstalter: Vorstellung des Verbands FAR als Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation unter einer Dachmarke zur Förderung nachhaltiger Reiseangebote.
6. Text- und Datenanalysen: Präsentation der Ergebnisse einer Textanalyse der Reiseangebote sowie einer Online-Befragung unter den Mitgliedern des FAR.
7. Schlusswort: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über die Vorteile kooperativer Strukturen für die ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit im Tourismussektor.
Schlüsselwörter
Nachhaltiger Tourismus, Forum Anders Reisen, Reiseveranstalter, Kooperation, Dachmarke, Massentourismus, Individualtourismus, Kriterienkatalog, CSR-Bericht, Marktsegmentierung, Reiseperlenkatalog, Kundenzufriedenheit, Umweltverträglichkeit, Klimaschutz, Tourismusmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master Thesis?
Die Arbeit analysiert die Strategien nachhaltiger Reiseveranstalter in Deutschland und untersucht, wie eine Kooperation unter einer gemeinsamen Dachmarke dazu beitragen kann, Marktanteile in einer ökologisch und sozial verantwortungsbewussten Nische zu gewinnen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Globalisierung des Tourismus, dem Vergleich von Massen- und Individualtourismus, der Bedeutung von Markenstrategien sowie der praktischen Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien bei kleinen und mittelständischen Reiseveranstaltern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Mehrwert einer kooperativen Vernetzung (dargestellt am FAR) aufzuzeigen und zu belegen, dass eine einheitliche Nachhaltigkeitsstrategie sowohl die Wettbewerbsfähigkeit stärken als auch zur Erhaltung der lokalen Umwelt und Kultur in den Reiseländern beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autor wendet einen Methodenmix aus Sekundärrecherchen, einer deskriptiven Analyse von Reisekatalogen sowie einer quantitativen Online-Befragung unter Mitgliedern des "Forum Anders Reisen" an.
Was sind die wichtigsten Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Marktbetrachtung, eine detaillierte Analyse der Organisationsstruktur und der Vorteile des FAR-Verbands sowie eine empirische Auswertung von Buchungsstatistiken und Expertenmeinungen der Mitglieder.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Nachhaltiger Tourismus, Kooperation, Dachmarke, KMU-Spezialisten, CSR-Reporting und Kriterienkatalog.
Welche Rolle spielen die Kooperationen bei der Marktführung?
Die Arbeit verdeutlicht, dass horizontale Kooperationen, wie sie beim FAR praktiziert werden, Synergieeffekte bei Marketing, IT-Infrastruktur und Know-how-Austausch freisetzen, die es kleinen Anbietern ermöglichen, sich erfolgreich gegen große Touristikkonzerne zu behaupten.
Wie bewertet der Autor die Zukunft des nachhaltigen Tourismus?
Der Autor schlussfolgert, dass nachhaltiges Reisen langfristig zur Standardform werden muss, wobei die Herausforderung darin besteht, ein suffizientes Bewusstsein bei den Reisenden zu schaffen und eine glaubwürdige Qualitätsgarantie gegenüber der "Schnäppchen-Mentalität" des Massentourismus zu bieten.
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- MA Stefan Ginter (Author), 2008, Kooperation nachhaltiger Reiseveranstalter unter der Dachmarke forumandersreisen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116566