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Die Natur als Grundlage figuraler Traum- und Märchenkonstruktion in Alfred Döblins ‘Der Ritter Blaubart’

Title: Die Natur als Grundlage figuraler Traum- und Märchenkonstruktion in Alfred Döblins ‘Der Ritter Blaubart’

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 32 Pages , Grade: 1,00

Autor:in: Julia Kulewatz (Author)

Literature - Modern Literature
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Summary Excerpt Details

Die Wurzeln des Blaubartmythos reichen bis in das 6. Jahrhundert hinein. Der bretonische Geschichtsschreiber Albert le Grand erzählt vom Count Conomor, einem Frauenmörder, der ausschließlich schwangere Frauen tötete. Es entsteht die Legende vom heiligen Gildas, dem Sohn, einer erneut zum Leben erweckten Frau des Count Conomor. Eine düstere Legende, aus der der Franzose Charles Perraults 1697 das Märchen vom Blaubart entwickelte. „La Barbe-Bleue“ erschien in einer gedruckten Sammlung von 8 französischen Zaubermärchen. Ein wieder erweckter, schattenhafter Archetyp, der nun erstmals sein charakteristischstes Merkmal erhält - la barbe-bleue. Seit der Veröffentlichung jener französischen Märchensammlung scheint die kulturelle Rezeption des blaubärtigen Frauenmörders unübertroffen. Literarische Größen wie Ludwig Tieck, Max Frisch, Martin Mosebach und Alfred Döblin, um nur einige zu nennen, bemächtigten sich des grausigen Märchens und erschufen neue Bezüge und Interpretationsmöglichkeiten. Ebenso das Theater, der Film und die Musik konnten sich dem Mann mit dem blauen Bart nicht entziehen. Das Märchenhafte blieb erhalten, oder schlängelte sich bruchstückhaft durch traumatisch anmutende Erzählsequenzen. Verschiedenste Märchenfassungen variieren nach Kultur, Gesellschaft, Zeitgeist und literarischem Genre. Alfred Döblins „Ritter Blaubart“, eine um 1911 geschriebene Erzählung, in der sich rezipierte Wirklichkeit mit samt dem Rezipienten verlieren kann. Ebenso wie sich die Protagonisten, die sich einer ständigen Metamorphose unterziehen müssen, selbst verlieren. In mythischen Märchenbildern überlagert und verdichtet der Autor streng konstruierte und unendlich verworrene, traumhafte Sequenzen, stellt die Natur, einem Caspar David Friedrich gleich, dem verlorenen Ich gegenüber, als Fluch und Segen zugleich. Er selbst bezeichnet seine Werke als „entfesselte Realitäten“ , die dem Rezipienten unvoreingenommen gegenübertreten. Döblin entführt den Leser zusammen mit seinen Protagonisten in ein unheilvolles Seelenlabyrinth, aus dem man entkommen oder erwachen muss, unaufhörlich konfrontiert mit dem Verdrängten. Eine Liaison von Traum, Natur und Traumata, seit Urzeiten tief im Menschsein verankert und untrennbar miteinander verkettet. So begegnet man sich selbst in der Blaubarterzählung Döblins, eine Erfahrung, die die Protagonisten teilen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Prolog

1. Der Literarisch konstruierte Traum

1.1 Traumsymbole

2. Die Metaphorik der Natur

2.1 Der Wald

2.1.1 Das Sinnbild der Birke

2.2 Der Berg

2.3 Das Wasser

3. Die Figurenanlage mit Hilfe von Traum, Natur und Märchenelementen

3.1 Der Baron Paolo di Selvi

3.1.1 Der schwarze Reiter

3.1.2 Der „braune Bart“ des Ritter Blaubarts

3.1.3 Das gebundene „Ich“ - Das Geheimnis der Blaubart- Kammer

3.2 Die Medusa

3.3 Miss Ilsebill

3.3.1 Die erlösende Jungfrau

3.3.2 Miss Ilsebill als Teil der Natur

Epilog

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die komplexe Konstruktion figuraler Traum- und Märchenwelten in Alfred Döblins Erzählung „Der Ritter Blaubart“, wobei der Fokus auf der Verknüpfung von Naturmetaphorik und psychologischen Identitätsprozessen der Protagonisten liegt.

  • Analyse der literarischen Traumkonstruktion und Traumsymbolik
  • Untersuchung der Natur als Bedeutungsträger und Metaphernraum
  • Dekonstruktion der Figurenkonstellation (Baron Paolo di Selvi, Miss Ilsebill, Medusa)
  • Deutung der Wechselwirkung zwischen Identitätskrisen und Naturerfahrungen

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Der „braune Bart“ des Ritter Blaubarts

Bärte werden, im Gegensatz zur übrigen Körperbehaarung vom männlichen Geschlecht zur Schau getragen. Betrachtet man den sozialen Faktor des Bartwuchses, so verlieh er einem Mann Autorität und Würde. Außerdem wies ihn sein Bartwuchs als ’definitive ‘männlich aus und schied ihn somit von seinen weiblichen Artgenossinnen. Der Bart als Signum betonter Maskulinität. Neben allen modischen Erscheinungen, denen der männliche Bart zum Opfer fiel und fällt, ist und bleibt ein blauer Bart ungewöhnlich. Der blaue Bart versinnbildlicht die Blaubartfigur schlechthin und ist Zentrum der Blaubart- Interpretationen. Er weist den Rezipienten und die künftigen Ehefrauen des Protagonisten, von vornherein darauf hin, dass etwas nicht stimmen kann, dass es sich um eine abweichende Männlichkeit handelt. Doch was ist so faszinierend oder abstoßend an einer blauen Männlichkeit? Die blaue Farbe galt als Farbe des Himmels und des Wassers. Als Farbe des Wassers verkörperte blau das weibliche Prinzip, als Farbe des Himmels das männliche. Außerdem war blau einst die Farbe des Göttlichen, der Sehnsucht und der Träume, was sich in den verschiedensten Kulturen widerspiegelt, und wir heute in der christlichen Marienvorstellung wieder antreffen.

Zusammenfassung der Kapitel

Prolog: Einführung in die historische Entwicklung des Blaubart-Mythos und dessen literarische Rezeption sowie Skizzierung von Döblins modernem, traumhaftem Erzählstil.

1. Der Literarisch konstruierte Traum: Analyse der Struktur von Träumen in der Literatur und deren Übertragbarkeit als Mittel der Erzähldynamik bei Döblin.

1.1 Traumsymbole: Betrachtung der Verwendung archetypischer Traumsymbole im frühexpressionistischen Kontext der Erzählung.

2. Die Metaphorik der Natur: Darstellung der Natur als unbehaglicher, verschlüsselter Spiegel für die psychischen Zustände der Charaktere.

2.1 Der Wald: Untersuchung der ambivalenten Rolle des Waldes zwischen Schutzraum und traumatisierendem Labyrinth.

2.1.1 Das Sinnbild der Birke: Analyse der mythologischen und symbolischen Bedeutung der Birke als Zeichen der Wiedergeburt und des Lebens.

2.2 Der Berg: Einordnung des Berges als Metapher für unbezwingbare Hindernisse und die Bewältigung schwerer Aufgaben im Märchenkontext.

2.3 Das Wasser: Deutung des Wassers als wandelbares, triebhaftes Element, das Leben spendet und gleichzeitig vernichtet.

3. Die Figurenanlage mit Hilfe von Traum, Natur und Märchenelementen: Analyse der Figurenkonstellation als Geflecht aus Märchenmotiven und entfremdeten Identitätsfragmenten.

3.1 Der Baron Paolo di Selvi: Untersuchung der Figur des Barons als Protagonist in ständiger, liquider Metamorphose.

3.1.1 Der schwarze Reiter: Deutung des schwarzen Reiters als negativ besetztes, apokalyptisches Symbol.

3.1.2 Der „braune Bart“ des Ritter Blaubarts: Analyse der Diskrepanz zwischen dem Titelmotiv und der tatsächlichen Beschreibung des Barons.

3.1.3 Das gebundene „Ich“ - Das Geheimnis der Blaubart- Kammer: Untersuchung der verhängnisvollen Verbindung von Paolo zu Medusa und dem zentralen Geheimnis.

3.2 Die Medusa: Charakterisierung der Medusa als Verkörperung der ungezähmten, feindlichen Natur.

3.3 Miss Ilsebill: Analyse der Rolle Ilsebills als aktive, aber letztlich scheiternde erlösende Gestalt.

3.3.1 Die erlösende Jungfrau: Einordnung Ilsebills im Vergleich zum klassischen Märchenideal.

3.3.2 Miss Ilsebill als Teil der Natur: Beschreibung von Ilsebills tiefer Verbundenheit mit Naturphänomenen und ihrem Untergang.

Epilog: Abschließende Betrachtung der Erzählung als ein surrealistisch-labyrinthisches Konstrukt vollkommener Bildhaftigkeit.

Schlüsselwörter

Alfred Döblin, Der Ritter Blaubart, Traumsymbolik, Naturmetaphorik, Märchenkonstellation, Medusa, Miss Ilsebill, Baron Paolo di Selvi, Identitätskrise, Metamorphose, Expressionismus, Symbolismus, psychoanalytische Deutung, Männlichkeit, Weiblichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Erzählung „Der Ritter Blaubart“ von Alfred Döblin hinsichtlich der Verbindung von psychologischen Traumkonstruktionen, märchenhaften Archetypen und der metaphorischen Gestaltung der Natur.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Inszenierung der Natur als ungezähmte Macht, die Analyse der Figurenidentitäten als instabile Konstrukte sowie die intertextuelle Auseinandersetzung mit dem traditionellen Blaubart-Mythos.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Autorin untersucht, wie Döblin durch die Verknüpfung von Traumelementen und Naturmetaphern eine einzigartige literarische Raumstruktur schafft, in der die Identität seiner Protagonisten zerfällt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die strukturalistische Ansätze nach Roland Barthes mit psychoanalytischen Deutungsmustern und motivgeschichtlichen Untersuchungen verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Traumsymbolik, eine detaillierte Deutung von Naturmetaphern (Wald, Berg, Wasser) sowie eine tiefgehende Analyse der Figurenkonstellation (Baron, Medusa, Ilsebill).

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem „Metamorphose“, „Symbolkorrespondenz“, „physiokratische Naturdeutung“, „Traumkonstruktion“ und „Figurenanlage“.

Wie unterscheidet sich Döblins Blaubart von der klassischen Märchenvorlage?

Döblin entzieht dem klassischen Märchenschema die Eindeutigkeit; beispielsweise trägt sein Blaubart keinen blauen, sondern einen braunen Bart, und das "Untier" wird zur Verkörperung einer unbändigen, destruktiven Natur.

Warum spielt die Natur in der Erzählung eine so zentrale Rolle?

Die Natur fungiert bei Döblin nicht als bloße Kulisse, sondern als „Simulacrum“ des Unbewussten, das die Protagonisten gefangen nimmt und ihre ständige Identitätsauflösung forciert.

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Details

Title
Die Natur als Grundlage figuraler Traum- und Märchenkonstruktion in Alfred Döblins ‘Der Ritter Blaubart’
College
University of Erfurt
Course
BA-Literaturwissenschaft: „Träume und Traumatisierungen“
Grade
1,00
Author
Julia Kulewatz (Author)
Publication Year
2008
Pages
32
Catalog Number
V116115
ISBN (eBook)
9783640183425
ISBN (Book)
9783640183647
Language
German
Tags
Natur Grundlage Traum- Märchenkonstruktion Alfred Döblins Ritter Blaubart’ BA-Literaturwissenschaft Traumatisierungen“
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Kulewatz (Author), 2008, Die Natur als Grundlage figuraler Traum- und Märchenkonstruktion in Alfred Döblins ‘Der Ritter Blaubart’ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116115
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