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Karl der Kahle und die Verkirchlichung der Thronerhebung

Title: Karl der Kahle und die Verkirchlichung der Thronerhebung

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 18 Pages , Grade: 3,0

Autor:in: Kristin Klank (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

[...] Der König habe sich, meint Dümmler, mit dem „leeren Gepränge und dem
Schein der Macht“ zufriedengegeben4. Eine andere Deutung bringt Percy Ernst Schramm: Karl habe
das Defizit an politischer Macht durch Bemühungen um die „geistliche Formgebung“ seines
Reiches kompensiert5. Einige englische Historiker bewerten den westfränkischen König
anscheinend gerade wegen der kulturellen Ausstrahlung seiner Herrschaft sehr positiv6. Janet L.
Nelson beschreibt Karl den Kahlen als auch machtpolitisch erfolgreichen Monarchen, der durch die
Kirche aber nicht in Abhängigkeit von ihr regierte7. So sieht das auch Nikolaus Staubach. Er geht
allerdings noch weiter und betont, Karl der Kahle hätte sich mit Hilfe eines stark durch die
christliche Herrschertugend der sapientia bestimmten Herrscherbildes auch gegen die Einmischung von Kirchenvertretern wie Hinkmar von Reims in seine Regierung gewehrt8. Kultur, und im
Mittelalter eben kirchliche Kultur, wird hier zu einem Herrschaftsinstrument.
Hier soll vor allem die Rolle des kirchlichen Aktes der Königsweihe in Karls Herrschaftssystem
interessieren. Deren Bedeutung wird nicht nur heute von vielen Historikern diskutiert, sondern im 9. Jahrhundert auch immer dann, wenn Karls Herrschaft in Gefahr war.
4 siehe FN 3. Die ältere Forschung bezieht sich bei der Wertung von Karl dem Kahlen sehr oft vor allem auf die
Annalen von Fulda (AF), die dem Hof Ludwigs des Deutschen sehr nahe standen. Besonders gern verwendete Topoi
sind die Gier und Prunksucht Karls des Kahlen.
5 Percy Ernst Schramm, Der König von Frankreich. Das Wesen der Monarchie von 9. zum 16. Jahrhundert, Weimar
1939, Darmstadt 19602, S. 11.
6 Rosamund McKitterick, Charles the Bald (823-877) and his library, in: The English Historical Review 95 (1980);
dies., The Frankish Kingdoms under the Carolingians, London – New-York, 1983; Janet L. Nelson, Charles the Bald,
London – New York 1992; J. M. Wallace-Hadrill, A Carolingian Renaissance Prince: the Emperor Charles the Bald,
Oxford 1980: Mir war allerdings nur das Buch von Nelson direkt zugänglich. Die anderen Texte kenne ich
ausschließlich aufgrund von Fußnoten.
7 Nelson, S. 164: „Charles could use his relationship with the church throughout his kingdom to exploit structures of
ecclesiastical government [...]“
8 Nikolaus Staubach, Rex Christianus. Hofkultur und Herrschaftspropaganda im Reich Karls des Kahlen, Köln/ Weimar/
Wien 1993, S. 16.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundsätze karolingischer Königsherrschaft

3. Die letzten Jahre Ludwigs des Frommen

4. Herrschaftskonsolidierung

5. Die Weihe des Herrschers als Legitimationsinstrument

6. Karl der Kahle als „rex christianus“

7. Auf dem Weg zum Kaisertum

8. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindung zwischen der ideologischen Dimension des Königtums und der machtpolitischen Herrschaftspraxis unter Karl dem Kahlen, mit besonderem Fokus auf die Rolle kirchlicher Riten wie der Königsweihe bei der Sicherung seiner fragilen Herrschaft.

  • Die Bedeutung der karolingischen Königsherrschaft und ihre Grundprinzipien
  • Die Legitimationsproblematik Karls des Kahlen im Vergleich zu seinen Brüdern
  • Die Funktion der Königsweihe und Salbung als Herrschaftsinstrument
  • Die Inszenierung Karls als „rex christianus“ im Spannungsfeld zwischen Episkopat und Königtum
  • Die Rolle der Kirche bei der Konsolidierung und Stabilisierung königlicher Macht

Auszug aus dem Buch

2. GRUNDSÄTZE KAROLINGISCHER KÖNIGSHERRSCHAFT

Im Jahr 751 wird der ehemalige Hausmeier der Merowinger Pippin in Soissons von einer Reichsversammlung als König anerkannt und mit dem Einverständnis des Papstes gesalbt. Quasi königliche Macht hatte Pippin auch schon zuvor, so berichten es seine Abgesandten zumindest dem Papst. Die Merowinger hatten diese zwar sei eineinhalb Jahrhunderten eingebüßt, stellten aber dem Namen nach weiterhin den König. Die Idee der merowingischen Geblütsheiligkeit hatte also große realpolitische Wirkung. Der Schiedsrichterspruch des Papstes bildete die Grundlage für den Wechsel der Dynastie. Diese Legitimation konnte zum einen wichtig sein, um die „abergläubische Scheu des Volks, sich von dem Schattengeschlecht zu trennen“ zu überwinden, sie spielte aber sicher auch eine Rolle bei der Anerkennung von Pippins Königswürde durch die anderen Großen des Reiches. Um zentrale Königsaufgaben zu erfüllen, Friedensbewahrung und Rechtsprechung, musste der König einerseits militärisch stark sein, was er nur über viele Getreue erreichen konnte.

Zugleich war aber eine gewisse Unabhängigkeit von den Getreuen nötig. Die Macht besaß Pippin, die Unabhängigkeit konnte er mit Hilfe des Salbungsaktes erreichen, der seinen besonderen status eindrucksvoll demonstrierte. Nach Pippin hat erst wieder Karl der Kahle die Salbung – zum König – als Mittel zur Bestärkung seiner Legitimität aufgegriffen und liturgisch weiterentwickelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die unterschiedlichen historischen Urteile über Karl den Kahlen, der sowohl als schwacher Herrscher als auch als bedeutender Mäzen und machtpolitisch agierender Monarch beschrieben wird.

2. Grundsätze karolingischer Königsherrschaft: Dieses Kapitel analysiert die Ursprünge der karolingischen Königssalbung seit Pippin und deren Funktion als Legitimationsinstrument zur Abgrenzung von den Merowingern.

3. Die letzten Jahre Ludwigs des Frommen: Hier wird die prekäre Ausgangslage Karls des Kahlen nach dem Tod seines Vaters beschrieben, die durch konkurrierende Ansprüche seiner Brüder und den Einfluss des Adels und Episkopats erschwert wurde.

4. Herrschaftskonsolidierung: Das Kapitel untersucht die zwei zentralen Motive der frühen Herrschaft Karls: die persönliche Auserwähltheit durch Gott und die Nachfolge Karls des Großen.

5. Die Weihe des Herrschers als Legitimationsinstrument: Hier wird die Bedeutung der Weihe von 848 beleuchtet, die als bewusste Reaktion auf die Rechtsunsicherheit und als sakrale Stärkung der königlichen Position verstanden wird.

6. Karl der Kahle als „rex christianus“: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Karl versuchte, durch ein spezifisches Tugendbild und die enge Anbindung an die Kirche seine Herrschaft unangreifbar zu machen.

7. Auf dem Weg zum Kaisertum: Die Analyse konzentriert sich auf die Weihe von 869 und die damit verbundenen liturgischen Ausgestaltungen, die Karls Anspruch auf eine imperiale Stellung unterstrichen.

8. Schluss: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass Karls Herrschaftsbild stark personalisiert war und das Bündnis mit dem Episkopat zwar zur Stabilität beitrug, durch die kaiserpolitischen Ambitionen jedoch auch in Gefahr geriet.

Schlüsselwörter

Karl der Kahle, Karolinger, Königsherrschaft, Salbung, Legitimation, Episkopat, rex christianus, Herrschaftskonsolidierung, Kirchengeschichte, Mittelalter, Herrscherbild, Kaisertum, Hinkmar von Reims, Sakralität, Adelsherrschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Seminararbeit befasst sich mit der Herrschaft Karls des Kahlen im 9. Jahrhundert und untersucht, wie er kirchliche Rituale nutzte, um sein Königtum zu legitimieren und gegen innere sowie äußere Widerstände zu konsolidieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Sakralität des Königtums, das Verhältnis zwischen Herrscher und Kirche (Episkopat), die Rolle der Königssalbung sowie die Bedeutung von Herrschaftspropaganda.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt nach der Verbindung zwischen ideologischen Konzepten (wie dem Herrscher als „rex christianus“) und der machtpolitischen Realität des Königtums unter Karl dem Kahlen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Quellen- und Literaturanalyse, die moderne geschichtswissenschaftliche Konzepte auf zeitgenössische Zeugnisse wie Annalen, Fürstenspiegel und liturgische Texte anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung von Pippins Salbung bis hin zu Karls Kaiserkrönung, wobei insbesondere die Verträge von Verdun und Coulaines sowie die Rolle der Bischöfe detailliert betrachtet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Karl der Kahle, Legitimation, Königssalbung, Episkopat und Herrschaftssicherung beschreiben.

Welche Rolle spielt Hinkmar von Reims für Karl den Kahlen?

Hinkmar von Reims fungierte als einflussreicher Berater und Theoretiker, der durch liturgische Gestaltung und theologische Argumentation massgeblich zur Stärkung der sakralen Position Karls des Kahlen beitrug.

Warum war das Bündnis zwischen Karl dem Kahlen und der Kirche instabil?

Obwohl das Bündnis Karl Stabilität und Legitimation bot, war es anfällig, da die Interessen der römischen Kirche und des westfränkischen Episkopats nicht immer mit den machtpolitischen Zielen Karls übereinstimmten.

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Details

Title
Karl der Kahle und die Verkirchlichung der Thronerhebung
College
University of Leipzig  (Historisches Seminar)
Course
Sakrale Herrschaft in Antike und Mittelalter
Grade
3,0
Author
Kristin Klank (Author)
Publication Year
2001
Pages
18
Catalog Number
V11578
ISBN (eBook)
9783638177009
Language
German
Tags
Karl Kahle Verkirchlichung Thronerhebung Sakrale Herrschaft Antike Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kristin Klank (Author), 2001, Karl der Kahle und die Verkirchlichung der Thronerhebung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11578
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