In dieser Seminararbeit geht es nicht um eine möglichst detailreiche oder allumfassende Schilderung der Verbrechen im Zuge der "Todesmärsche". Auch widmet sie sich nur am Rande den Opfern der Gräueltaten. Vielmehr geht es darum, die Hintergründe dieses Aspekts des nationalsozialistischen Genozids zu beleuchten. Der Fokus liegt somit auf den Befehlsstrukturen, die dem Massenmord zugrunde lagen, auf den Motiven der TäterInnen, auf der Frage nach der Beteiligung der Zivilgesellschaft an den Verbrechen, auf dem Umgang der TäterInnen mit ihren Handlungen, auf der Rolle der "Bystanders" und auf dem Umgang der österreichischen Nachkriegsgesellschaft mit den Verbrechen.
Gregory H. Stanton unterscheidet hinsichtlich der Durchführung von Genoziden "Eight stages of genocide" (Classification, Symbolization, Dehumanization, Organization, Polarization, Preparation, Extermination, Denial).1 Die Arbeit wird vor allem die Organisation, die Vorbereitung und die Durchführung des Genozids an den ungarischen JüdInnen im Zuge der Auflösung der Zwangsarbeitslager auf österreichisch-ungarischem Gebiet behandeln.
Inhaltsverzeichnis
- Zur Relevanz des Themas
- Forschungsstand
- Fragestellungen und Hypothesen
- Einführung in das Forschungsthema
- Hintergrund
- Massaker
- Die Befehle zum Massenmord
- Allgemeine Befehlslage
- Konkrete und vage Mordbefehle
- Befehlsverweigerung
- Motive
- Bystanders (ZuschauerInnen)
- ZeugInnen des Massenmords
- Beteiligung der Zivilbevölkerung an Verbrechen und Zivilcourage
- Die Nachkriegszeit
- Gerichtliche Verfolgung der Täter
- Medialer Diskurs
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit befasst sich mit den "Todesmärschen" ungarischer Jüdinnen im Frühjahr 1945, die sich im Zusammenhang mit der Auflösung von Zwangsarbeitslagern an der österreichisch-ungarischen Grenze ereigneten. Ziel der Arbeit ist es, die Hintergründe dieser Ereignisse zu beleuchten, insbesondere die Befehlsstrukturen, die Motive der TäterInnen, die Rolle der Zivilgesellschaft, den Umgang der TäterInnen mit ihren Handlungen, die Rolle der "Bystanders" und die Reaktion der österreichischen Nachkriegsgesellschaft.
- Befehlsstrukturen und Organisationsformen des Massenmords
- Motive der TäterInnen und ihr Umgang mit ihren Handlungen
- Die Rolle der Zivilgesellschaft: Beteiligung und Passivität
- Die Rolle der "Bystanders" und die Reaktion auf die Gewaltverbrechen
- Der Umgang mit den Verbrechen in der österreichischen Nachkriegsgesellschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet die Relevanz des Themas, die bisherige Forschungsarbeit und die Fragestellungen, die im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Der zweite Teil der Arbeit widmet sich den historischen Hintergründen, die zu den "Todesmärschen" führten, und den Bedingungen in den Zwangsarbeitslagern. Dabei werden die Befehle zum Massenmord und die Rolle der SS sowie der lokalen Instanzen bei der Organisation der Transporte und der Überwachung der jüdischen ZwangsarbeiterInnen untersucht.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die "Todesmärsche" ungarischer Jüdinnen im Frühjahr 1945, die in Zusammenhang mit der Auflösung von Zwangsarbeitslagern an der österreichisch-ungarischen Grenze standen. Die zentralen Themenbereiche umfassen die Befehlsstrukturen des NS-Regimes, die Motive der TäterInnen, die Rolle der Zivilbevölkerung, die Reaktion der "Bystanders" und die Aufarbeitung der Verbrechen in der Nachkriegszeit.
Häufig gestellte Fragen
Was waren die Todesmärsche ungarischer Juden?
Es handelte sich um die gewaltsame Evakuierung von Zwangsarbeitslagern an der österreichisch-ungarischen Grenze im Frühjahr 1945, bei der tausende Menschen ermordet wurden oder an Entkräftung starben.
Welche Motive hatten die Täter bei diesen Verbrechen?
Die Arbeit untersucht Befehlsstrukturen der SS, ideologische Verblendung, aber auch den individuellen Umgang der Täter mit den Mordbefehlen in der Endphase des Krieges.
Wie reagierte die Zivilbevölkerung auf die Todesmärsche?
Die Rolle der Zivilgesellschaft war gespalten: Sie reichte von aktiver Beteiligung an Verbrechen über passives Zuschauen („Bystanders“) bis hin zu seltenen Fällen von Zivilcourage.
Was sind die „Eight stages of genocide“ nach Gregory H. Stanton?
Stanton unterteilt Genozide in Phasen: Klassifizierung, Symbolisierung, Dehumanisierung, Organisation, Polarisierung, Vorbereitung, Vernichtung und Leugnung.
Wie ging die österreichische Nachkriegsgesellschaft mit diesen Verbrechen um?
Die Arbeit analysiert die gerichtliche Verfolgung der Täter sowie den medialen Diskurs und die oft schleppende Aufarbeitung der Gräueltaten in der Nachkriegszeit.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2012, Die Todesmärsche ungarischer Jüdinnen und Juden in Österreich. Handlungen und Motive von TäterInnen und ZuschauerInnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1156311