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Der menschliche Körper, eine "Totale Institution"?

Title: Der menschliche Körper, eine "Totale Institution"?

Term Paper , 2008 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: David Liniany (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Bereits der Titel dieser Hausarbeit bringt eine These und eine damit einhergehende Fragestellung mit sich, den er enthält den Begriff der totalen Institution. Definitorisch soll hierbei von den soziologischen Ausführungen Erving Goffmans ausgegangen werden, die er im Zusammenhang mit dem Begriff der totalen Institution in seinem Werk „Asyle“ darlegt.

Wie definiert also Goffman totale Institutionen und vor allem kann der menschliche Körper zu einer solchen werden? Zumindest der zweite Teil der formulierten Fragestellung wird sich durch die gesamte Arbeit ziehen, auf der Suche nach einer hinreichenden Beantwortung und Belegen.

Als „Instrument“ zur Identifizierung von Belegen soll hierbei Jean-Dominique Baubys „Schmetterling und Taucherglocke“ dienen. Am 8. Dezember 1995, im Alter von dreiundvierzig Jahren, erleidet Jean-Dominique Bauby, der zu diesem Zeitpunkt Chefredakteur der Elle ist, einen Gehirnschlag. Konsequenz ist, dass der Vater zweier Kinder schlagartig aus dem Leben katapultiert wird und erst Ende Januar 1996 das Bewusstsein wiedererlangt. Sein Verstand und sein Bewusstsein erholen sich schnell, doch sein Körper versagt ihm den Dienst. Bauby leidet an dem sog. Locked-In Syndrom, wodurch er unfähig ist, sich zu artikulieren oder sich gar zu bewegen. Einzig seinen Kopf kann er etwas drehen und - wie es für die Symptomatik des LIS typisch ist - mit einem Augenlid blinzeln.

Mithilfe einer Logopädin etabliert Jean-Dominique Bauby darüber eine mühsame Kommunikationsform. Über ein ausgeklügeltes Alphabet kann er so einer Lektorin ein Buch, sein Schicksal, seine Gedanken diktieren. Doch was Bauby hier beschreibt, ist nicht nur einfach das Schicksal eines Patienten mit LIS. Er schafft es darüber hinaus auf eindrucksvolle Art und Weise, sich reflektierend mit der Institution Krankenhaus auseinanderzusetzen.

Der Blick Jean-Dominique Baubys ermöglicht es, sich dem Konzept „Totale Institution“ von Innen herauszunähern, wohin gegen anhand Goffman der theoretische Blick von Außen gewährleistet wird. Gestützt werden diese Überlegungen u.a. von Vera Pohland, die in diesem Zusammenhang in der literarischen Verarbeitung von medizinischen Institutionen und Krankheiten ein Instrument begreift, sowohl Kritik an der Institution selbst und der Gesellschaft zu üben, als auch seine eigene Rolle einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Das Locked-In-Syndrom - Krankheitsdefinition

3 Das Konzept der „Totalen Institution“ – Eine begriffliche Näherung

4 Mechanismen der „Totalen Institution“ Krankenhaus in „Schmetterling und Taucherglocke“

4.1 Der menschliche Körper, eine „Totale Institution“?

4.2 Schutz des Selbst vor dem Selbst

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die soziologische Übertragbarkeit des Konzepts der „Totalen Institution“ von Erving Goffman auf den menschlichen Körper bei Patienten mit Locked-In-Syndrom. Anhand des Erfahrungsberichts „Schmetterling und Taucherglocke“ von Jean-Dominique Bauby wird analysiert, wie Krankheit, körperliche Einschränkungen und die institutionelle Umgebung des Krankenhauses Machtstrukturen erzeugen, die das Individuum in seiner Selbstbestimmung einschränken.

  • Soziologische Theorie der „Totalen Institution“ nach Erving Goffman.
  • Krankheitsbild und Symptomatik des Locked-In-Syndroms.
  • Mechanismen der Machtausübung im klinischen Alltag.
  • Entfremdungsprozesse des eigenen Körpers unter medizinischem Zugriff.
  • Strategien zur Bewahrung der Identität und Selbstbestimmung.

Auszug aus dem Buch

Der menschliche Körper, eine „Totale Institution“?

Wie lässt sich nun also der menschliche Körper mit dem Terminus „Totale Institution“ zusammenbringen? Erving Goffman beschreibt eine Vielzahl an Merkmalen, die „Totale Institutionen“ aufweisen. Gleicht man diese in Bezug auf den menschlichen Körper ab, so zeigt sich vordergründig Irritation oder sogar eine etwaige Unvereinbarkeit. Denn stellt der menschliche Körper eine zentrale Autorität dar? Werden die Tätigkeiten, zumindest jene, zu denen man noch im Stande ist, „von oben durch ein System expliziter, formaler Regeln und durch einen Stab von Funktionären vorgeschrieben“?

Für Menschen mit einem „Locked-In-Syndrom“, wie bspw. Jean-Dominique Bauby, ist diese Frage mit einem „Ja“ zu beantworten. Der ehemalige Elle-Chefredakteur Bauby führt, ausgelöst durch einen Gehirnschlag, in der Fachsprache als Basiliarisinfarkt, ein abgeschlossenes, reglementiertes Leben. Jean-Dominique Bauby findet sich als „inaktiver Versorgungsempfänger“, sogar gleich in doppelter Hinsicht, mit einer totalen Institution konfrontiert. Vordergründig ist Bauby seit seinem Hirnschlag Mitglied der totalen Institution Krankenhaus, des Weiteren aber auch ein Gefangener seines eigenen Körpers. Die Autorität, die für die Beschränkung seiner Person auf einen Ort, sein Innerstes und gleichzeitig räumlich gesehen das Krankenhaus, verantwortlich ist, manifestiert sich in seinem eigenen Körper.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Einleitung stellt die These auf, dass der menschliche Körper in einem Krankheitszustand wie dem Locked-In-Syndrom die Züge einer „Totalen Institution“ annehmen kann, und führt in das Werk „Schmetterling und Taucherglocke“ ein.

2 Das Locked-In-Syndrom - Krankheitsdefinition: Dieses Kapitel erläutert die medizinische Symptomatik des Locked-In-Syndroms und grenzt den Zustand von anderen Bewusstseinsstörungen ab.

3 Das Konzept der „Totalen Institution“ – Eine begriffliche Näherung: Hier werden die soziologischen Grundlagen von Erving Goffman dargelegt, insbesondere die Merkmale, die eine „Totale Institution“ definieren.

4 Mechanismen der „Totalen Institution“ Krankenhaus in „Schmetterling und Taucherglocke“: Dieses Hauptkapitel analysiert konkrete Beispiele der Machtausübung im Krankenhausalltag anhand von Baubys Erfahrungsbericht.

4.1 Der menschliche Körper, eine „Totale Institution“?: Die theoretische Diskussion untersucht, inwiefern der eigene Körper durch den Verlust der motorischen Kontrolle zur instanzähnlichen, einschränkenden Autorität wird.

4.2 Schutz des Selbst vor dem Selbst: Das Unterkapitel widmet sich den psychologischen Strategien, mit denen der Patient versucht, seine Persönlichkeit und Autonomie gegen die Fremdbestimmung durch den Körper und die Institution zu verteidigen.

Schlüsselwörter

Totale Institution, Erving Goffman, Locked-In-Syndrom, Jean-Dominique Bauby, Schmetterling und Taucherglocke, Machtstrukturen, Krankenhaus, Selbstbestimmung, Identitätsverlust, Entfremdung, Soziologie, Medizinsoziologie, Körperbild, Patientenrolle, Rehabilitation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Übertragbarkeit des soziologischen Konzepts der „Totalen Institution“ von Erving Goffman auf die Lebenssituation von Menschen, die am Locked-In-Syndrom leiden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Machtstrukturen in Krankenhäusern, die medizinische Definition des Locked-In-Syndroms und die philosophisch-soziologische Betrachtung des menschlichen Körpers als Einschränkung der Freiheit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu untersuchen, ob und in welcher Form der menschliche Körper, wenn er seine Funktionen verliert, die Eigenschaften einer „Totalen Institution“ annimmt und wie das Individuum darauf reagiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literarische Analyse des Werkes „Schmetterling und Taucherglocke“ in Verbindung mit der soziologischen Theorie Erving Goffmans als theoretischem Rahmen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Anwendung von Goffmans Kriterien auf den Alltag von Jean-Dominique Bauby, wobei sowohl die institutionelle Klinikwelt als auch die innere „Gefangenschaft“ durch den eigenen Körper thematisiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind „Totale Institution“, „Locked-In-Syndrom“, „Macht“, „Selbstbestimmung“ und „Entfremdung“.

Wie definiert Bauby das Verhältnis zu seinem eigenen Körper?

Er beschreibt seinen Körper als eine Art „Gefängnis“, das ihn an sein Bett fesselt und ihn zum bloßen „Versorgungsempfänger“ degradiert, was zu einer Entfremdung von seinem eigenen Spiegelbild führt.

Welche Strategie nutzt der Autor, um nicht „verrückt“ zu werden?

Bauby flüchtet sich in seine Vorstellungskraft und Erinnerungen, nutzt mentale Listen (wie Länder oder Weinanbaugebiete) und konstruiert sich ein gedankliches Utopia, um sich der totalen Kontrolle der Institutionen zu entziehen.

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Details

Title
Der menschliche Körper, eine "Totale Institution"?
College
Bielefeld University
Course
Seminar
Grade
1,3
Author
David Liniany (Author)
Publication Year
2008
Pages
16
Catalog Number
V115458
ISBN (eBook)
9783640169818
ISBN (Book)
9783640172399
Language
German
Tags
Körper Totale Institution Seminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
David Liniany (Author), 2008, Der menschliche Körper, eine "Totale Institution"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115458
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