Anwendung des Modells der Beobachtungspunkte auf eine Videosequenz. Kommunikation mit taubblinden Menschen


Hausarbeit, 2019

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Beschreibung desModells
2.1 Nähe / emotionale Bindung
2.2 Exploration / Kategorisierung

3 Beschreibung des Videos

4 Anwendung des Modells auf das Video
4.1 Beschreibung des Ist-Stands
4.2 Interventionsmoglichkeiten

5 Reflexion
5.1 Hinsichtlich der notwendigen Rahmenbedingungen für den Einsatz des Modells in der Praxis
5.2 Hinsichtlich der Bedeutung für die eigene Praxis als Lehrperson
5.3 Hinsichtlich meinesfachlichen und persönlichen Erkenntniszuwachses

6 Literatur

1 Einleitung

Die Kommunikation mit taubblinden Menschen verläuft oftmals problematisch. Das liegt daran, dass es häufig schwierig ist, ihre Beiträge zu lesen. Zum einen kann es passieren, dass der Partner Beiträge des taubblinden Menschen übersieht. Zum anderen projiziert er eventuell eine bestimmte Bedeutung in die Aktivität des taubblinden Menschen hinein, welche mit dessen Beitrag jedoch nichts zu tun hat. Außerdem kann es für den Partner schwer sein, Interventionen zu planen, um die weitere Entwicklung zu unterstützen. Darüber hinaus ist es schwierig, Entwicklungsbedingungen so zu etablieren, dass sie umfänglich, sowohl personen­als auch umgebungsübergreifend vorhanden sind. Hierfür wurde das Modell der Beobachtungspunkte entwickelt. Es soll dabei unterstützen, die Lesbarkeit der Beiträge von taubblinden Menschen zu erhöhen (vgl. Nafstad & Rodbroe 2018, 119). In dieser Hausarbeit wird zunächst das Modell vorgestellt und zwei Bereiche, auf welche hier der Schwerpunkt gelegt wird, genauer beschrieben. Daran knüpft die Beschreibung einer Videosequenz an, auf die anschließend das Modell der Beobachtungspunkte angewendet wird. Dabei wird zuerst der Ist-Stand analysiert und ausgehend von diesem eine Intervention geplant. Eine ausführliche Reflexion bildet den Abschluss.

2 Beschreibung des Modells

Auf die in der Einleitung genannten Herausforderungen wird im Modell der Beobachtungspunkte mit geplanter Intervention reagiert. Dabei werden spezifische Entwicklungsbereiche besonders hervorgehoben, damit die Interventionen so gesteuert werden können, dass sie zentrale Zielbereiche beeinflussen. Das Modell der Beobachtungspunkte möchte durch geplante Intervention dabei unterstützen, die Zone der nächsten Entwicklung zu erreichen. Auf gestische Ausdrücke des taubblinden Menschen soll dabei so reagiert werden, als wären es Gebärdenäußerungen, auch wenn er sich noch gar nicht absichtlich kommunikativ einbringen kann. Somit erfährt er sich als jemanden mit einer kommunikativen Agency, da der Partner ihn als eine Person wahrnimmt, die in der Lage ist, von anderen gesehen zu werden und sich durch Gesten oder Gebärden ausdrücken zu können (vgl. ebd.).

Das Modell der Beobachtungspunkte beinhaltet insgesamt vier Umweltbeziehungen. Diese lauten sozial-interaktives Spiel / Tätigsein, Nähe / emotionale Bindung, Exploration / Kategorisierung und Konversationen. Die einzelnen Kategorien sind hierarchisch aufgebaut und müssen von unten nach oben gelesen werden (vgl. Abb. 1). Das bedeutet, dass die untere Stufe stets Voraussetzung dafür ist, um die nächsthöhere Stufe zu erreichen. Da sich die Hausarbeit auf die beiden, in Abbildung 1 rot markierten, Bereiche Nähe /emotionale Bindung sowie Exploration / Kategorisierung konzentriert, werden diese im Folgenden detaillierter dargestellt (vgl. ebd., 121).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das ModellderBeobachtungspunkte (vgl. Nafstad & Rodbroe 2018, 118)

2.1 Nähe / emotionale Bindung

Die Unterkategorien innerhalb dieser Beziehung werden aufsteigend komplexer. Die unterste Ebene körperlicher Kontakt ist dann gegeben, wenn der taubblinde Mensch durch seine „physische Position“ (ebd., 135) Körperkontakt mit dem Partner hat. Nur so kann er Nähe zu diesem herstellen. Anschließend kann er diese Nähe durch eine immer größere werdende räumliche Distanz, zuerst innerhalb einer Armlänge, danach in Reichweite, später außer Reichweite oder im nächsten Raum initiieren. Dies erfordert jedoch, dass der taubblinde Mensch die Position des Partners kennt und dass dieser stets sowohl physisch als auch emotional verfügbar ist. Durch seine Erfahrungen, dass trotz wachsender Distanz ein Gefühl von emotionaler Nähe zum Partner vorhanden ist, kann er Vertrauen zu diesem aufbauen. Dieses ist wichtig, damit der Partner zur „sicheren Basis“ (ebd., 136) bei der „Exploration der Welt“ (ebd.) werden kann. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann der taublinde Mensch exploderen (vgl. ebd., 135f.).

Rituale spielen für den Aufbau von stabilen Beziehungen eine große Rolle und sollten im Alltag des taubblinden Menschen ausreichend vorhanden sein. In Bezug auf Nähe / emotionale Bindung beziehen sich diese auf die „Ko-Regulation von Nähe“ (ebd., 139), also auf temporäre Trennungen und Wiedervereinigungen (vgl. ebd., 138f.).

2.2 Exploration/Kategorisierung

Die Spalte Exploration / Kategorisierung muss ebenfalls von unten nach oben gelesen werden und wird aufsteigend zunehmend komplexer. Sie stellt den Vorgang dar, der sich jedes Mal abspielt, wenn ein neues Konzept geschaffen wird. Es ist wichtig, dass der Partner sein eigenes Weltverständnis ausklammert und ein Verständnis davon erhält, wie sich der taubblinde Mensch die Welt vorstellt. Da dieses Erkunden vorrangig körperlich-taktil geschieht, ist es zeitaufwendig und mental anspruchsvoll (vgl. ebd, 144).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Anwendung des Modells der Beobachtungspunkte auf eine Videosequenz. Kommunikation mit taubblinden Menschen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V1153961
ISBN (eBook)
9783346547491
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Modell der Beobachtungspunkte Nafstad Rodbroe taub blind taubblind schwerhörig sehbehindert hörbehindert hörgeschädigt Hören Sehen gehörlos Behinderung taktil Gebärde
Arbeit zitieren
Miro Fischer (Autor:in), 2019, Anwendung des Modells der Beobachtungspunkte auf eine Videosequenz. Kommunikation mit taubblinden Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1153961

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