Unterrichtsentwurf im Fach Musik zu dem Thema "Musik ohne Instrumente?" für einen Q2-Grundkurs. Die SuS erläutern Zusammenhänge zwischen ästhetischen Konzeptionen und musikalischen Strukturen, indem sie das Stück mit Hilfe ihrer Arbeitsergebnisse und ihres bisherigen Hintergrundwissens über ästhetische Konzeptionen Neuer Musik in Bezug auf die Problemfrage beurteilen (AFB III).
Nebenziel: Die SuS analysieren musikalische Strukturen im Hinblick auf Deutungsansätze und Hypothesen, indem sie die grafische Partitur aspektorientiert in Ansätzen hinsichtlich der Problemfrage untersuchen (AFB II).
Inhaltsverzeichnis
1. Tabellarischer Aufbau des Unterrichtsvorhabens
2. Didaktisch-methodische Überlegungen zu den längerfristigen Unterrichtszusammenhängen
3. Angaben zu den Lernzielen bzw. Kompetenzen der Stunde
4. Didaktisch-methodische Überlegungen zur Unterrichtsstunde
4.1. Lernausgangslage der Schülerinnen und Schüler
4.2. Sachanalyse
4.3. Didaktische Überlegungen
4.4. Begründung der wesentlichen methodischen Entscheidungen
5. Tabellarischer Verlaufsplan der Unterrichtsstunde
6. Quellen- und Abbildungsverzeichnis
7. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Karlheinz Stockhausens Studie II unter der Fragestellung, inwiefern elektronische, ohne klassische Instrumente erzeugte Klänge als Musik definiert werden können. Dabei steht die Verbindung von ästhetischen Konzeptionen der Neuen Musik mit analytischen Prozessen im Fokus, um bei den Schülern ein kriteriengeleitetes Verständnis für experimentelle Klangkunst zu entwickeln.
- Analyse elektronischer Musik und ihrer kompositorischen Prinzipien
- Diskurs über Definitionen und Kriterien von Musik
- Methodik der grafischen Partituranalyse
- Spannungsfeld zwischen Determination und Zufall in der Musik nach 1950
- Entwicklung ästhetischer Urteilskompetenz bei Schülern
Auszug aus dem Buch
4.2. Sachanalyse
Karlheinz Stockhausens Werk Studie II ist eine elektronische Musikkomposition aus dem Jahre 1954, welches aufgrund der ausschließlichen Verwendung von reinen Sinustönen und dem völligen Verzicht auf Instrumente populär geworden ist. Als serielles Stück wurde hier erstmals eine vollständige kompositorische Kontrolle erreicht, sodass es auf allen Ebenen vollständig determiniert ist. Jeder Klang und jedes Geräusch lässt sich durch Fourier-Transformation als Überlagerung von Sinustönen darstellen. Sie können daher als Elemente nicht weiter reduzierbaren Teile der akustischen Erscheinungen aufgefasst werden. Das gleichzeitige Erklingen von Sinustönen ergibt die Tongemische.
Stockhausens Partitur umfasst 81 Höhenlinien (also die Sinustöne) im Frequenzbereich von 100 bis 17200 Hertz, welche in einem konstanten Intervallverhältnis zueinander stehen. Es gibt fünf verschiedene Arten von Tongemischen, die in der Partitur als Rechtecke erscheinen. Das gesamte Stück ist in 5 Formteile eingeteilt, deren Tongemische sich entwickeln bzw. voneinander unterscheiden. Bei genauerer Betrachtung hat das Stück also ein eigenes „Gesicht“ im Sinne einer abwechslungsreichen, aber doch in sich geschlossenen Klanggestaltung.
Die Partitur hilft i.W. bei der Beantwortung der Frage, wie aus solch einem „mathematischen Konstrukt“ Musik im Sinne einer ästhetischen, wahrnehmbaren Klangform werden kann. Dabei dient sie zunächst als Hörhilfe. Dadurch wird man auch vorsichtig weggeführt von den möglicherweise ersten Assoziationen wie „Außerirdisch“, Radiorauschen“ etc. Es sind nämlich — im Sinne wesentlicher Aspekte einer ansatzweisen Definition von Musik — bestimmte Voraussetzungen wie z.B. eine beabsichtigte und kunstvoll organisierte Aneinanderreihung von Schallereignissen zu verzeichnen, die aufgrund der schriftlichen Fixierung als Partitur gegen ein willkürliches „Klangwirrwar“ sprechen. Weiterhin besteht das akustische Material aus Tönen innerhalb des menschlich hörbaren Frequenzbereichs. Die geistige Idee bzw. die ästhetische Konzeption hinter solch einem zunächst mysteriös erscheinenden Musikstück kann nur vor dem Hintergrund der Einordnung des Werks in die Strömung der Neuen Musik verstanden werden, um es als Musik verifizieren zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Tabellarischer Aufbau des Unterrichtsvorhabens: Dieses Kapitel bietet eine Übersicht über die gesamte Unterrichtsreihe, inklusive der Lernziele für jede Einzelstunde vom 29.08. bis zum 11.10.2018.
2. Didaktisch-methodische Überlegungen zu den längerfristigen Unterrichtszusammenhängen: Hier werden die Lerngruppe analysiert und der fachliche Kontext der "Neuen Musik" als Sammelbegriff für Musik nach 1910 erläutert.
3. Angaben zu den Lernzielen bzw. Kompetenzen der Stunde: Dieses Kapitel definiert das Hauptziel und das Nebenziel der Prüfungsstunde sowie die konkreten, auf die Schüler bezogenen Teillernziele.
4. Didaktisch-methodische Überlegungen zur Unterrichtsstunde: Dieser Abschnitt begründet die methodischen Entscheidungen, wie die Placemat-Methode, und erläutert die didaktische Reduktion der Partitur von Stockhausen.
5. Tabellarischer Verlaufsplan der Unterrichtsstunde: Der Verlaufsplan stellt die einzelnen Phasen der Stunde – vom Einstieg bis zum Transfer – inklusive Sozialformen und Medien präzise dar.
6. Quellen- und Abbildungsverzeichnis: Hier werden alle verwendeten fachdidaktischen Quellen und Materialien aufgelistet.
7. Anhang: Der Anhang versammelt ergänzende Materialien wie Power-Point-Folien, die didaktisch aufbereitete Partitur und Lösungen für die Schüler.
Schlüsselwörter
Neue Musik, Karlheinz Stockhausen, Studie II, Elektronische Musik, Sinustöne, Serielle Komposition, Partituranalyse, Ästhetik, Musikdidaktik, Placemat-Methode, Determination, Zufall, Höranalyse, Unterrichtsreihe, Kompetenzorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser schriftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit dokumentiert eine Unterrichtseinheit für einen Musik-Grundkurs der Q2, in der das Werk "Studie II" von Karlheinz Stockhausen analysiert wird, um das Verständnis für elektronische Musik und Neue Musik zu fördern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die Definition von Musik, die Auseinandersetzung mit seriellen Kompositionsverfahren, die Analyse grafischer Partituren sowie das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Innovation und Hörgenuss.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Das Ziel ist, dass die Schüler beurteilen können, inwiefern die rein elektronisch erzeugten Klänge von Stockhausens "Studie II" als Musik zu klassifizieren sind, indem sie diese mit ihrer eigenen Definition von Musik abgleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Es wird eine didaktisch aufbereitete grafische Partituranalyse eingesetzt, kombiniert mit komparativen Methoden und kooperativen Arbeitsformen wie der Placemat-Methode.
Welche Inhalte bilden den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil befasst sich mit der Sachanalyse des Werks, der didaktischen Begründung des Vorhabens, der Reflexion der Lernausgangslage und der methodischen Gestaltung der Prüfungsstunde.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören die Emanzipation der Dissonanz, serielle Musik, Aleatorik, ästhetische Konzeptionen und die Förderung einer kriterienorientierten Urteilsbildung.
Warum wird eine didaktisch reduzierte Version der Partitur verwendet?
Da die originale Partitur für die Schüler zu komplex wäre, erleichtert die farbliche Aufbereitung und die Längenkürzung der Segmente den Zugang und ermöglicht eine fokussierte Analyse der Struktur.
Welche Bedeutung hat das Zitat "Frei ist die Tonkunst geboren..." für das Thema?
Das Zitat dient als interpretativer Rahmen, um die Authentizität des Künstlers und die Intention hinter der elektronischen Musik, Klänge von traditionellen Konventionen zu befreien, zu diskutieren.
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- Dennis Berrendorf (Author), 2018, "Musik" ohne Instrumente? Zusammenhänge zwischen ästhetischen Konzeptionen und musikalischen Strukturen erkennen (Musik Sekundarstufe II), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1153755