Gesundheit wird gemeinhin als das „höchste Gut des Menschen“ angesehen. Sie stellt eines der physiologischen Grundbedürfnisse neben Atmen, Nahrungsaufnahme und Schlafen dar.1 Ohne sie verlieren alle anderen Bedürfnisse
des Menschen an Bedeutung und Wertigkeit, weil deren Befriedigung gar nicht erst zu erreichen ist. Auch aus den Art. 2 und 3 des Grundgesetzes der BRD lässt sich die herausragende Relevanz von Gesundheit ableiten. In einer sog. „Wohlstandsgesellschaft“ wie der unseren, wo die Erfüllung der Grundbedürfnisse selbstverständlich geworden ist, wird Gesundheit als entscheidender Indikator für Lebenszufriedenheit angesehen.2 Gesundheit ist somit unendlich wertvoll, zugleich aber auch sehr teuer.3 Jedoch schließt dieser Umstand sozialschwache Individuen der Gesellschaft vom Zugang zur „Gesundheit“ aus.
Dieses entspräche nicht dem Solidaritätsprinzip, welches in der deutschen sozialen Marktwirtschaft eine entscheidende Rolle spielt. Darum hat es sich der deutsche Staat in Form eines Sozialversicherungssystems, in dem das Krankenversicherungssystem implementiert ist, zur Aufgabe gemacht, allen Bürgern den gleichen Zugang zum Gut „Gesundheit“ zu gewährleisten, unabhängig von
der individuellen finanziellen Leistungsfähigkeit. Die Besonderheit in Deutschland besteht im Nebeneinander subsidiärer staatlicher sowie privater Träger in
einem staatlich regulierten, gegliederten Gesundheitssystem, welches zugleich die größte Wirtschaftsbranche in der BRD darstellt. Aus diesem Grunde beschäftigt sich die vorliegende Arbeit zunächst mit den grundlegenden Strukturprinzipien des deutschen Krankenversicherungssystems und dessen Besonderheiten
sowie der Bedeutung für die Volkswirtschaft und der geschichtlichen Entwicklung. Daran schließt ein Vergleich der Krankenkassenarten anhand ausgewählter Kriterien an, die die Interdependenzen und Wechselwirkungen zwischen dem privaten und gesetzlichen Krankenversicherungsbereich herausstellt. 4 Hier werden besonders die Wettbewerbsbedingungen, Leistungsumfänge und die Finanzierung beider in Deutschland nebeneinander existierender Bereiche hervorgehoben. Darauf folgt eine Auseinandersetzung mit den aktuellen Problemen im Gesundheitswesen, insb. mit dem Problem der effizienten
Verteilung und Bereitstellung der knappen Ressourcen, bevor die Arbeit mit einem Fazit abschließt.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Motivation der Arbeit
2. Historie und Bedeutung der Krankenversicherung in der BRD
2.1 Geschichtliche Entwicklung der Krankenversicherung in Deutschland
2.2 Bedeutung des Gesundheitswesens für die Volkswirtschaft
2.3 Stellung von GKV und PKV im Sozialversicherungssystem
3. Vergleich von GKV und PKV anhand ausgewählter Kriterien
3.1 Träger von GKV und PKV
3.2 Wettbewerbsbedingungen der GKV und PKV
3.3 Organisation von GKV und PKV
3.4 Finanzierung von GKV und PKV
3.5 Kreis der Versicherungspflichtigen und -berechtigten
3.6 Versicherungs- und Leistungsumfang von GKV und PKV
3.7 Weitere ausgewählte Vergleichskriterien
4. Aktuelle Probleme und Herausforderungen für GKV und PKV
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit gibt einen detaillierten Überblick über die Strukturprinzipien des deutschen Krankenversicherungssystems und führt einen systematischen Vergleich zwischen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Privaten Krankenversicherung (PKV) durch, um deren Interdependenzen sowie aktuelle Herausforderungen zu beleuchten.
- Historische Genese und volkswirtschaftliche Bedeutung des Gesundheitswesens in der Bundesrepublik Deutschland.
- Detaillierter Vergleich der GKV und PKV anhand von Trägerschaft, Finanzierung und Organisationsstrukturen.
- Analyse der Wettbewerbsbedingungen und Leistungsumfänge in beiden Systemen.
- Untersuchung der Abgrenzung von versicherungspflichtigen und versicherungsberechtigten Personengruppen.
- Diskussion aktueller Problemfelder wie demographischer Wandel, medizinisch-technischer Fortschritt und Effizienzfragen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Wettbewerbsbedingungen der GKV und PKV
Die Wettbewerbsbedingungen von GKV und PKV sind höchst unterschiedlich und umfangreich, u.a. bedingt durch die Ausgestaltung der im SGB V verankerten Rechtsnormen. Deshalb beschränkt sich dieser Absatz auf einige ausgesuchte Aspekte. Eine sinnvolle Unterscheidung ist zwischen „internem Wettbewerb“ und „externem Wettbewerb“ durchzuführen. Ersterer findet „im“ Gesundheitsmarkt zwischen den Versicherern des GKV-Verbunds statt (gleiches gilt innerhalb des PKV-Verbunds) und letzterer zwischen Versicherern von GKV und PKV im Wettbewerb „um“ den Gesundheitsmarkt. Im internen Wettbewerb ist u.a. das Inkrafttreten des GSG ab 01.01.1996 als bedeutend einzuordnen, nach dem jeder Versicherte in der GKV die Möglichkeit hat, die Krankenkasse selbst zu wählen, wodurch sich der „Kassenartenzwang“ (z.B. nach § 176 SGB V) gelockert hat und mehr Wettbewerb zwischen den GKV Kassen entstehen sollte. Faktisch aber sind die entscheidenden Parameter für unternehmerisches Handeln, wie z.B. Ausgestaltung des Leistungsangebots, Differenzierung der Beitragshöhe, Einsatz von Werbung, Wahl von Vertrieb und Standort und Wahl der Rechtsform durch die Krankenkassen nicht gestaltbar und somit ein funktionierender Wettbewerb in der GKV nicht gewährleistbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Motivation der Arbeit: Einführung in die Bedeutung von Gesundheit als höchstes Gut und Motivation für die Untersuchung des gegliederten deutschen Gesundheitssystems.
2. Historie und Bedeutung der Krankenversicherung in der BRD: Darstellung der historischen Entwicklung seit Bismarck sowie Einordnung des Gesundheitswesens als bedeutender Wirtschaftsfaktor.
3. Vergleich von GKV und PKV anhand ausgewählter Kriterien: Detaillierte Gegenüberstellung der beiden Systeme bezüglich Trägerschaft, Finanzierung, Wettbewerb, Organisation und Leistungszugang.
4. Aktuelle Probleme und Herausforderungen für GKV und PKV: Identifikation zentraler Herausforderungen wie Demographie, medizinischer Fortschritt und Moral Hazard.
5. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass GKV und PKV grundlegend verschiedene Systeme sind, die trotz Überschneidungen unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen agieren.
Schlüsselwörter
Gesetzliche Krankenversicherung, Private Krankenversicherung, Solidaritätsprinzip, Äquivalenzprinzip, Sozialversicherung, Gesundheitsreform, Wettbewerb, Risikostrukturausgleich, Leistungsangebot, Finanzierung, demographischer Wandel, Morbidität, Beitragsbemessungsgrenze, Gesundheitswesen, Systemvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das deutsche System der Krankenversicherung, indem sie die GKV und PKV analysiert, ihre Unterschiede gegenüberstellt und den Status quo im deutschen Gesundheitssystem bewertet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung, der Vergleich der Organisations- und Finanzierungsstrukturen sowie die Analyse der Wettbewerbsbedingungen beider Versicherungssysteme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen fundierten Überblick über die Funktionsweise von GKV und PKV zu geben und aufzuzeigen, wie diese Systeme trotz verschiedener Zielsetzungen im deutschen Gesundheitsmarkt nebeneinander existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin verwendet eine theoretische Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie eine vergleichende Darstellung, ergänzt durch ein Experteninterview mit einem Regionalleiter der AOK.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine detaillierte Analyse spezifischer Vergleichskriterien (z.B. Träger, Finanzierung, Versicherungspflicht) und eine Diskussion aktueller Problemlagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Krankenversicherung, GKV, PKV, Sozialversicherung, Solidaritätsprinzip, Äquivalenzprinzip, Wettbewerb und Gesundheitsreform.
Wie unterscheidet sich die Finanzierung zwischen GKV und PKV?
Während die GKV primär über einkommensabhängige Beiträge und das Solidaritätsprinzip finanziert wird, nutzt die PKV das Äquivalenzprinzip, bei dem die Prämien nach individuellem Risiko und Alter kalkuliert werden.
Was ist der Kern der "Zwei-Klassen-Medizin" Debatte?
Die Debatte dreht sich um die unterschiedliche Behandlung von Patienten, wobei Privatversicherte teils Vorteile bei Terminen oder der Arztwahl genießen, während die medizinische Behandlungsqualität laut Autorin primär vom Ausbildungsstand des Arztes abhängt.
Welche Rolle spielt die demographische Entwicklung für die Krankenkassen?
Die Alterung der Bevölkerung führt zu einer sinkenden Anzahl an Beitragszahlern bei gleichzeitig steigender Nachfrage nach Gesundheitsleistungen, was den Kostendruck in beiden Systemen massiv erhöht.
- Arbeit zitieren
- Tim Wilczek (Autor:in), 2007, Gesetzliche und private Krankenversicherung im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115302