Es gilt die Frage zu beantworten: Ist das Selfie moderne Identitätsarbeit und Ausdruck von kreativem Erleben und Erfahren in der Umwelt der neuen Medien, gehört somit in der Digitalisierung zu jener Kulturerfahrung, die nach D. Winnicott das Leben ausmachen?
Hierzu sind folgende Hypothesen zu untersuchen: Das Selfie erschöpft sich nicht in einem populären Selbstdarstellungsmedium einer Generation Jugendlicher und junger Erwachsener auf öffentlichen Social Media Plattformen, sondern gedeiht zu einer evidenten, facettenreichen Ausdrucksform auf gesamtgesellschaftlicher
Ebene – es impliziert generationsübergreifendes Potential. Das Selfie steht zu Zeiten der Pluralisierung, Liberalisierung, Medialisierung, Globalisierung und Mobilisierung für ein interaktives Identitätsspiel mit der Kamera. Diese mediale Suche
nach dem Selbst ist nicht ausreichend erklärbar unter Verwendung eines traditionellen, monadologisch angelegten, oder gar umgangssprachlich unreflektiert zur Disposition stehenden, Narzissmusbegriff.
Das Selfie, als eine moderne Form des Erlebens und Erfahrens, steht in Verbindung mit jenem schöpferischen Spannungsbereich zwischen "Ich" und "Nicht-Ich", Innen und Außen, Individuum und Umwelt, dem wir zeitlebens viel Aufmerksamkeit schenken. Es vermittelt ein Gefühl von Kontinuität und ist Ausdruck spielerischer Kreativität im Kontext der Digitalisierung, wird somit Teil des kulturellen Erlebens – eine Art und Weise des kreativen Umgangs mit Selbst- und Welterfahrung.
Auf dieser Basis werde ich eine Einbettung in den Kontext des Seminars "Eine Reise durch die Medien" vom Sommersemester 201823 vornehmen, indem ich meine Analyse aus medienpädagogischer Sicht kurz dahingehend reflektiere, welche Aussage sich damit für eine pädagogische (Medien-)Praxis, im Sinne des Herausbildens von Medienkompetenz angesichts der Selfiepraxis, treffen lässt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1.1 Vorgehen und Fragestellung
- Das Phänomen Selfie
- 3.1 Die intersubjektive „narzisstische“ Suche nach dem Selbst – Zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Abhängigkeit und Unabhängigkeit, Sozialisation und Individuation
- 3.2 Zwischen Innen und Außen - Der Übergangsraum zwischen subjektivem Erleben und objektiv Wahrnehmbaren – ein intermediärer Bereich der Illusion
- Kreativität – der ursprünglich in uns allen wohnende Dichter der inneren und äußeren Welt
- 5.1 Das Übergangsobjekt – der erste „not-me Besitz\" gibt der Illusion Gestalt
- 5.2 Spielen unter „,magischer Kontrolle“ - kreative Kommunikationsprozesse zur Selbstfindung
- 5.3 „Kulturelles Erleben“ - Schöpferische Selbst- und Welterfahrung im intermediären Bereich zwischen privat und öffentlich
- Reflexion: Das kulturelle Phänomen Selfie im Kontext der Digitalisierung - Chancen und Risiken
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Phänomen des Selfies im Kontext der digitalen Revolution. Sie analysiert die vielschichtigen Interpretationen und Deutungen des Selfies, die sich zwischen kulturpessimistischen und -optimistischen Perspektiven bewegen. Dabei werden sowohl die kritischen Stimmen, die im Selfie eine narzisstische Selbstverliebtheit und eine übermäßige Selbstdarstellung sehen, als auch die Gegenpositionen beleuchtet, die im Selfie positive, identitäts- und sinnstiftende Aspekte erkennen. Die Arbeit geht der Frage nach, welche Rolle das Selfie in der Entwicklung des modernen Subjekts und der Gesellschaft spielt.
- Das Selfie als Ausdruck von Narzissmus und Selbstinszenierung in der digitalen Kultur
- Das Selfie als Ausdruck von Identitätssuche und Selbstfindung im intermediären Bereich zwischen subjektivem Erleben und objektiver Wahrnehmung
- Die Rolle des Selfies im Kontext der kreativen Kommunikation und der spielerischen Erkundung des Selbst
- Chancen und Risiken des Selfies im digitalen Zeitalter
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Relevanz des Themas „Selfie“ dar und beleuchtet die unterschiedlichen Interpretationen des Phänomens. Sie führt in die Thematik ein und skizziert die zentralen Fragestellungen der Arbeit.
Das Kapitel „Das Phänomen Selfie“ analysiert das Selfie als ein Ausdruck der intersubjektiven Suche nach dem Selbst. Es untersucht die ambivalente Rolle des Selfies zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Abhängigkeit und Unabhängigkeit, Sozialisation und Individuation.
Das Kapitel „Kreativität – der ursprünglich in uns allen wohnende Dichter der inneren und äußeren Welt“ beleuchtet den kreativen Aspekt des Selfies. Es untersucht den Einfluss des Selfies auf die spielerische Erkundung des Selbst und die kreative Kommunikation im digitalen Zeitalter.
Schlüsselwörter
Selfie, digitale Kultur, Narzissmus, Selbstinszenierung, Identität, Kreativität, Kommunikation, digitale Revolution, Medien, Gesellschaft, Subjekt, Interaktion, Kulturpessimismus, Kulturoptimismus, Chancen, Risiken
Häufig gestellte Fragen
Ist das Selfie Ausdruck von Narzissmus?
Die Arbeit hinterfragt den rein negativen Narzissmusbegriff und sieht das Selfie eher als interaktives Identitätsspiel und mediale Suche nach dem Selbst.
Was ist ein 'Übergangsobjekt' nach D. Winnicott?
Es ist der erste "Nicht-Ich-Besitz" eines Kindes (z.B. ein Schmusetuch), der den Raum zwischen Innenwelt und Außenwelt überbrückt. Das Selfie kann als modernes Übergangsphänomen verstanden werden.
Wie fördert das Selfie die Kreativität?
Das Selfie ermöglicht einen spielerischen Umgang mit der eigenen Identität und der Umwelt, wodurch es Teil des kulturellen Erlebens im digitalen Zeitalter wird.
Welche medienpädagogischen Aussagen lassen sich treffen?
Medienkompetenz sollte nicht nur vor Risiken warnen, sondern die Selfie-Praxis als kreative Ausdrucksform anerkennen, die für die Identitätsarbeit Jugendlicher zentral ist.
Was bedeutet der 'intermediäre Bereich' beim Selfie?
Es ist der Raum zwischen privatem Erleben und öffentlicher Darstellung, in dem das Subjekt durch das Selfie seine Welterfahrung schöpferisch gestaltet.
- Quote paper
- Ulrike Eiben (Author), 2018, Vom Selfie. Kreativität im (Spiel- und) Erfahrungsraum der neuen Medien und Reifungsprozesse im Bereich der Übergangsphänomene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1152999