In meiner Seminararbeit werde ich über das Thema „Straßenkinder in Brasilien“ schreiben.
Ich habe mir dieses Thema ausgesucht, da man eine Zeit lang vermehrt über diese Kinder durch die Presse erfahren hat. So wuchs zum Beispiel Anfang der 90er Jahre das Interesse der Öffentlichkeit für die Straßenkinderproblematik aufgrund grausamer Ermordungen von Straßenkindern in Brasilien durch Todesschwadronen, aber diese Berichte sind längst wieder aus den Medien verschwunden.
In meiner Arbeit werde ich zunächst das Land Brasilien vorstellen, da es mir wichtig erscheint, den „Schauplatz“ und seine geschichtlichen Hintergründe, die gesellschaftlichen Strukturen sowie die Familienstrukturen kennen zu lernen, um einen besseren Einblick in die Materie zu bekommen. Außerdem ist es für mich sehr interessant, Neues über ein mir bisher kaum bekanntes Land zu erfahren.
Im Anschluss werde ich einen kurzen Einblick in das Leben der Kinder der Straße geben, indem ich versuche, eine Definition über das Straßenkind aufzustellen. In meiner Arbeit werde ich mich hauptsächlich den niños de la calle zuwenden, also den Kindern, die völlig auf sich alleine gestellt auf der Straße leben, ohne Kontakt zu ihrer Familie. Hierzu habe ich auch selbstständig ein Schaubild der vielfältigen Möglichkeiten eines Weges vom Elternhaus auf die Straße entwickelt und gestaltet.
Weiterhin werde ich in diesem Kapitel über die oben genannten Todesschwadronen und Polizeiattacken auf die Kinder berichten, worauf ich dann im dritten und letzten Kapitel über den stark anwachsenden Trend des Sextourismus in Brasilien schreiben werde. Der Sextourismus und die damit verbundene sexuelle Ausbeutung ist eine Art Kinderarbeit und neuartige Sklaverei, die neben den anderen alltäglich gefährlichen Situationen eine der größten Gefahren für die Kinder darstellt.
Ziel dieser Arbeit ist es, einen umfassenden Einblick über das Leben der Straßenkinder zu geben und vor allem aufzuzeigen, wie vielen Gefahren sie in ihrem Kampf ums Überleben ausgesetzt sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Land Brasilien
2.1 Geographische Strukturen
2.2 Geschichtliche Hintergründe
2.3 Bevölkerung und Religion
2.4 Massenelend / Sozialstrukturen
2.5 Das brasilianische Familienleben
3 niños de la calle
3.1 Definition: Straßenkind
3.2 Ursachen für Straßenkindheit
3.3 Todesschwadronen und Polizeirazzien
3.4 Kinderrechtsbewegungen
4 Straßenprostitution
4.1 Sexuelle Ausbeutung von Kindern
4.2 Aids und Sextourismus
5 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Lebensrealität von Straßenkindern in Brasilien, analysiert die sozioökonomischen Hintergründe des Landes und beleuchtet die gravierenden Gefahren, denen die Kinder im Alltag ausgesetzt sind, mit besonderem Fokus auf sexuelle Ausbeutung und Gewalt.
- Sozioökonomische und geschichtliche Rahmenbedingungen Brasiliens
- Differenzierung und Definition der Lebensform von Straßenkindern
- Systemische Ursachen für die Entstehung von Straßenkindheit
- Die Bedrohung durch Gewalt, Todesschwadronen und Kinderprostitution
- Der Einfluss von Armut und Sextourismus auf die Verbreitung von HIV
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition: Straßenkind
In der lateinamerikanischen Sprache unterscheidet man in zwei Gruppen: Auf der einen Seite stehen die „Kinder auf der Straße“ (niños en la calle) und auf der anderen die „Kinder der Straße“ (niños de la calle). Diese Unterscheidung ist allerdings schwierig, denn „viele Straßenkinder sind eigentlich arbeitende Kinder, die sich zwecks Gelderwerb auf Bahnhöfen, Plätzen und Gassen aufhalten.“ Deshalb gibt es auch die bedeutende Unterscheidung in `Straßenkind` und `arbeitendes Kind`, nicht zuletzt, weil sich viele arbeitende Kinder durch die Etikettierung `Straßenkind` diskriminiert und in ihrer Würde als arbeitendes Kind verletzt fühlten. Diese arbeitenden Kinder, die niños en la calle (ca. 80% der lateinamerikanischen Straßenkinder), kehren meist zu ihren Familien zurück. Sie arbeiten und „leben in einer relativ `geregelten` Art und Weise“ auf der Straße.
Eine kleinere Zahl von Kindern, etwa 20%, lebt dauerhaft auf der Straße und hat keinen Kontakt mehr zu ihren Familien, entweder weil sie Waisen sind oder von ihrem Elternhaus weggelaufen, verstoßen bzw. verlassen worden sind. Die Straße ist nicht nur ihr Arbeitsplatz, sondern auch ihre Heimat. Diese Kinder nennt man in Brasilien niños de la calle.
Das Problem liegt darin, dass viele Kinder zunächst versuchen, als arbeitende Kinder zu überleben, doch durch die Gewalt der Polizei und die Aggressionen, die sie im Alltag erleben, sei es auf der Straße oder bei ihren Familien, dauerhaft zu Straßenkindern werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Straßenkinder in Brasilien ein und erläutert die Motivation sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 Das Land Brasilien: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Geografie, Geschichte, Religion und die sozialen Strukturen Brasiliens, um den Kontext der Lebensverhältnisse zu verdeutlichen.
3 niños de la calle: Hier wird der Begriff des Straßenkindes definiert, die Ursachen für das Phänomen analysiert und die massive Bedrohung durch Gewalt sowie bestehende Kinderrechtsbewegungen erörtert.
4 Straßenprostitution: Das Kapitel behandelt die Problematik der sexuellen Ausbeutung von Kindern, den Sextourismus und dessen Zusammenhang mit der HIV-Problematik in Brasilien.
5 Schlusswort: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und reflektiert die Rolle internationaler Hilfsbemühungen sowie die eigene Perspektive auf die Thematik.
Schlüsselwörter
Straßenkinder, Brasilien, niños de la calle, Kinderprostitution, Sextourismus, Armut, soziale Ausgrenzung, Gewalt, Todesschwadronen, Kinderrechte, HIV, soziale Strukturen, favelas, Kinderarbeit, Menschenrechte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der prekären Lebenssituation von Straßenkindern in Brasilien und analysiert die Hintergründe sowie die Gefahren, denen diese Kinder ausgesetzt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der brasilianischen Sozialstruktur, der Differenzierung von Straßenkindern, systemischen Ursachen für Armut und den Gefahren durch Prostitution und Gewalt.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Ziel ist es, einen umfassenden Einblick in das Leben dieser Kinder zu geben und die vielfältigen Gefahren in ihrem Überlebenskampf aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um den aktuellen Forschungsstand und Berichte über die Situation der Kinder in Brasilien zusammenzuführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den sozioökonomischen Grundlagen Brasiliens vor allem die Lebensumstände, die Gewalt gegen Kinder und die Ausbeutung im Sextourismus thematisiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Straßenkinder, Brasilien, Kinderprostitution, Sextourismus, soziale Ausgrenzung und Kinderrechte.
Was unterscheidet "niños en la calle" von "niños de la calle"?
Die "Kinder auf der Straße" (en la calle) sind arbeitende Kinder, die meist noch Kontakt zu ihren Familien haben, während die "Kinder der Straße" (de la calle) dauerhaft und ohne familiäre Anbindung auf der Straße leben.
Warum ist das Problem der Straßenkinder mit Aids verknüpft?
Durch die sexuelle Ausbeutung und die oft fehlende Aufklärung über Schutzmaßnahmen stellt der Sextourismus einen ernstzunehmenden Faktor für die Verbreitung des HI-Virus dar.
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- Sandra Haßebrock (Author), 2006, Straßenkinder von Brasilien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115179