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Das Problem mit der Nationalhymne: Einheitshymne vs. SED-Doktrin

Titre: Das Problem mit der Nationalhymne: Einheitshymne vs. SED-Doktrin

Essai , 2007 , 12 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Marc Castillon (Auteur)

Politique - Histoire des systèmes politiques
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Résumé Extrait Résumé des informations

Die Umsetzung der sich herauskristallisierenden Zweistaatentheorie Walter Ulbrichts zeigte sich unter anderem, und hier aus Gründen der Abgrenzung gegenüber der Bundesrepublik Deutschland besonders symbolträchtig, in der Einführung des Hammer-und-Zirkel-Emblems in die schwarz-rot-goldene Trikolore im Jahre 1959 und in den vor allem in den 1960er Jahren folgenden vielfältigen Versuchen, die Hammer-und-Zirkel-Flagge zu internationaler Geltung kommen zu lassen. Ziel war die Untermauerung des eigenen Eigenständigkeits- und Eigenstaatlichkeitsanspruches. Wie sah es nun mit einem weiteren Nationalsymbol, der Hymne der DDR aus? Ging von dieser ebenfalls eine „Spaltermentalität“ aus?
Hattenhauer bringt die von Nationalsymbolen ausgehende Intention auf den Punkt und unterstreicht ihre Bedeutung: Nationale Symbole vermögen es, zunächst unanschauliche, die Gemeinschaft tragenden Ideen zur Anschauung zu bringen. Die Möglichkeit eines persönlichen Bekenntnisses des Bürgers und dessen Anteilnahme ist dadurch impliziert. Nationale Symbole (oder auch staatliche Symbole) besitzen also die „Kraft“, den Bürger „mitzunehmen“. Anders als jedoch im Falle der Nationalflagge gab es in Ost und West nach dem zweiten Weltkrieg von Anfang an zwei unterschiedliche deutsche Hymnen. Hieraus ergibt sich also im Allgemeinen kein Abgrenzungsproblem der DDR zur BRD. Das Problem mit der DDR-Nationalhymne war anders gelagert: Wie verhält es sich, wenn der Text der DDR-Hymne, z.B. „Deutschland, einig Vaterland“, nicht (mehr) den von der SED-Führung gewollten Ideen und der propagierten Politik entspricht. Honecker & Co wollten Anfang der 1970er Jahre eben nicht, dass die DDR-Bürger an dem Bedeutungsrepertoire von „Deutschland, einig Vaterland“ Anteil nehmen.
Das Dilemma zwischen Nationalhymnen-Wirklichkeit bzw. deren Aussagekraft und der politischen Orientierung der DDR-Verantwortlichen wird hier beleuchtet. Nach zwei kurzen Exkursen über die Schwierigkeiten mit der Nationalhymne in der BRD und über die Schaffung der DDR-Nationalhymne im Jahre 1949 wird dann ausführlich das Anfang der 1970er Jahre auftretende Problem der SED-Führung mit der Nationalhymne herausgearbeitet. Es wird detailliert auf den Widerspruch zwischen der Ablehnung einer Wiedervereinigung beider deutschen Staaten auf der einen Seite und dem, eine Einheit des deutschen Vaterlandes ausdrückenden Hymnentext auf der anderen Seite einzugehen sein. Wie wurde dieser Misere seitens der DDR beigekommen?

Extrait


Inhaltsverzeichnis

Einleitung – Fragestellung/Problemkreis

Exkurs – Probleme mit der Nationalhymne auch im anderen deutschen Staat

Exkurs – Die Entstehung der DDR-Nationalhymne

Das Problem mit „Deutschland, einig Vaterland“

Beendigung der Diskussion um die Nationalhymne in der Nachwendezeit

Conclusion

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das ideologische Spannungsfeld zwischen dem Text der DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ und der sich wandelnden nationalen Doktrin der SED-Führung, insbesondere im Hinblick auf den Verzicht auf das Ziel der deutschen Wiedervereinigung.

  • Historische Entwicklung von Nationalsymbolen in der DDR
  • Die Divergenz zwischen Hymnentext und politischem Kurs der SED
  • Methoden der schleichenden Textunterschlagung und instrumentellen Instrumentalisierung
  • Vergleichende Analyse der Situation in der Bundesrepublik Deutschland
  • Die Rolle der Nationalhymne in der Nachwendezeit

Auszug aus dem Buch

Das Problem mit „Deutschland, einig Vaterland“

Die Politik der SED-Partei und -Staatsführung war nach der Gründung der DDR 1949 sehr national und auf die staatliche Einheit Deutschlands ausgerichtet. Die nationale Doktrin änderte sich jedoch sukzessive: Mitte der 1950er Jahre kristallisierte sich die Zweistaatentheorie Walter Ulbrichts heraus, der Eigenständigkeits- und Eigenstaatlichkeitsanspruch der DDR wurde zunehmend durch die Verantwortlichen untermauert. Als ein Beispiel ist hier die Einführung des Hammer-und-Zirkel-Emblems in die schwarz-rot-goldene Trikolore im Jahre 1959 aus Gründen der Abgrenzung gegenüber der Bundesrepublik Deutschland zu nennen. Die 1960er Jahre standen im Zeichen des Versuches der DDR, als eigenständiger Staat zu internationaler Geltung zu kommen und forderten auch von der BRD die Anerkennung der eigenstaatlichen Existenz.

Die SED-Führung stand nunmehr aber vor dem Problem, dass der zu diesem Zeitpunkt seit mehr als zwanzig Jahre zumindest auf Staatsebene exzessiv gesungene bzw. gespielte und bis dahin akzeptierte DDR-Hymnentext von Johannes R. Becher den politischen Kurswechsel in der nationalen Politik (vollständige Ablehnung einer Wiedervereinigung beider deutschen Staaten) konterkariert. Wieso? Der immerhin siebenmal mit der Bezeichnung „Deutschland“ durchzogene Hymnentext „Auferstanden aus Ruinen“ und vor allem die vierte Zeile der ersten Strophe „Deutschland, einig Vaterland“, sowie die fünfte Zeile der zweiten Strophe „Wenn wir uns brüderlich einen“ stimmte einfach nicht mehr mit den politischen Vorstellungen und der wahrgenommen Realität überein. Nicht ein einziges Mal bezieht sich der Hymnentext auf die Deutsche Demokratische Republik, sondern es ist von einem einigen Deutschland die Rede.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung – Fragestellung/Problemkreis: Das Kapitel führt in das Spannungsfeld zwischen staatlicher Symbolik und politischer Doktrin in der DDR ein und stellt die zentrale Frage nach dem Umgang mit dem Hymnentext.

Exkurs – Probleme mit der Nationalhymne auch im anderen deutschen Staat: Hier werden die Schwierigkeiten der Bundesrepublik mit dem „Deutschlandlied“ und der bewussten Wahl der dritten Strophe als Staatssymbol beleuchtet.

Exkurs – Die Entstehung der DDR-Nationalhymne: Dieses Kapitel erläutert die Beauftragung von Johannes R. Becher und Hanns Eisler und den ursprünglichen, gesamtdeutschen Anspruch des Hymnentextes.

Das Problem mit „Deutschland, einig Vaterland“: Die Analyse zeigt auf, wie der politisch gewünschte Abschied von der Wiedervereinigungsidee im Widerspruch zur in der Hymne besungenen Einheit stand.

Beendigung der Diskussion um die Nationalhymne in der Nachwendezeit: Das Kapitel beschreibt die Debatten nach 1989/90 um das Erbe der DDR-Hymne und die finale Entscheidung durch Richard von Weizsäcker.

Conclusion: Die Zusammenfassung resümiert die politische Instrumentalisierung und die bewusste „Stummschaltung“ der Hymne als Ausdruck der politischen Unsicherheit der SED.

Schlüsselwörter

DDR, Nationalhymne, SED-Doktrin, Deutschland einig Vaterland, Johannes R. Becher, Hanns Eisler, Zweistaatentheorie, nationale Identität, Deutschlandlied, Wiedervereinigung, Staatssymbole, politische Instrumentalisierung, Geschichte der DDR.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das politische Dilemma der DDR-Führung, eine Nationalhymne beizubehalten, deren Text („Deutschland, einig Vaterland“) ihrem späteren politischen Kurs der staatlichen Abgrenzung zur Bundesrepublik widersprach.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Geschichte der deutschen Nationalsymbole nach 1945, die politische Instrumentalisierung von Texten und Melodien sowie die Identitätsfindung der DDR im Vergleich zur Bundesrepublik.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die SED durch die bewusste Unterschlagung des Becher-Textes und die Reduktion der Hymne auf ihre rein instrumentale Form eine politische Diskrepanz zwischen Ideologie und Staatssymbolik löste.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung von Zeitzeugnissen sowie zeitgenössischen politischen Dokumenten basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung der Hymne, der Diskrepanz zwischen Bechers Text und der SED-Doktrin sowie dem sukzessiven Prozess der „Textentziehung“ in Medien, Schulen und im öffentlichen Protokoll.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

DDR, Nationalhymne, SED-Doktrin, Deutschland einig Vaterland, nationale Identität und Staatssymbole.

Warum konnte die DDR die Hymne nicht einfach vollständig ersetzen?

Wie im Text angedeutet, scheiterten Überlegungen für einen neuen Text vermutlich an pragmatischen Gründen, etwa der Vermeidung öffentlicher Diskussionen zur „deutschen Frage“ und der Einsicht, dass jede historisch geprägte Hymne anfällig für künftige politische Diskrepanzen bleibt.

Wie reagierte die SED auf die Widersprüche des Hymnentextes?

Anstatt den Text offiziell zu ändern, entschied sich die SED zu einer schleichenden „Unterschlagung“: Der Text wurde bei Veranstaltungen weggelassen, aus Schulbüchern entfernt und schließlich nur noch die Melodie intoniert.

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Résumé des informations

Titre
Das Problem mit der Nationalhymne: Einheitshymne vs. SED-Doktrin
Université
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Cours
Die DDR und die nationale Frage
Note
1,0
Auteur
Marc Castillon (Auteur)
Année de publication
2007
Pages
12
N° de catalogue
V115171
ISBN (ebook)
9783640167142
ISBN (Livre)
9783640167302
Langue
allemand
mots-clé
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Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Marc Castillon (Auteur), 2007, Das Problem mit der Nationalhymne: Einheitshymne vs. SED-Doktrin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115171
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Extrait de  12  pages
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