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Kann die Freiheitsentziehung als 'ultima ratio' in pädagogischer Verantwortung der Jugendhilfe stehen?

Die geschlossene Unterbringung: Wenn Pädagogik an Grenzen stößt

Titel: Kann die Freiheitsentziehung als 'ultima ratio' in pädagogischer Verantwortung der Jugendhilfe stehen?

Hausarbeit , 2007 , 45 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Janine Pollert (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Frage, ob Freiheitsentziehung als ‘ultima ratio’ in pädagogischer Verantwortung der Jugendhilfe stehen kann. Es geht um die geschlossene Unterbringung vor allem von Minderjährigen, die in der Jugendhilfe einen Grenzfall darstellt und kontrovers diskutiert wird. Um dieser Frage nachgehen zu können, müssen zuerst allgemeine Grundlagen in Bezug auf die Jugendhilfe sowie die geschlossene Unterbringung vorgestellt werden. Im nächsten Abschnitt soll die geschlossene Unterbringung vorgestellt werden, um überprüfen zu können, ob sie mit den pädagogischen Grundsätzen der Jugendhilfe vereinbar ist. Es werden die gesetzlichen Grundlagen der geschlossenen Unterbringung dargelegt. Daraufhin soll der Begriff der geschlossenen Unterbringung näher bestimmt werden. Des Weiteren wird in diesem Abschnitt die Konzeption des ‘Stufenmodells’ erläutert, um einen Einblick in die Methoden und Ziele der geschlossenen Unterbringung zu erlangen, und um diese anschließend mit den Handlungsprinzipien der Jugendhilfe vergleichen zu können. Im darauffolgenden Abschnitt soll die Diskussion um die geschlossene Unterbringung dargelegt werden, um aufzuzeigen, dass schon seit Jahrzehnten um Alternativen gerungen wird, die geschlossene Unterbringung aber trotzdem noch immer einen Bestandteil in der Jugendhilfe bildet, der sich durchaus weiterentwickelt hat.

Die Frage, ob sie pädagogisch zu rechtfertigen ist, wird noch immer diskutiert. Es wird die kontroverse Diskussion seit den 1970er Jahren aufgegriffen, um die Argumente der Befürworter sowie der Gegner der geschlossenen Unterbringung in einem kurzen Überblick darzulegen. Anschließend sollen Kritikpunkte aus neueren Untersuchungen dargestellt werden, die noch immer diskutiert werden und dazu beitragen, dass die geschlossene Unterbringung in der Jugendhilfe weitestgehend nicht akzeptiert wird. Hierbei soll schwerpunktmäßig die Frage nach der Trennschärfe der Indikationen sowie die Frage nach den rechtlichen Standards und deren Umsetzung behandelt werden, denn hier zeigt sich deutlich, in welchem Zwiespalt die pädagogische Rechtfertigung im Hinblick auf die geschlossene Unterbringung steht. Im letzten Abschnitt soll nun in Bezug auf die Fragestellung, ob geschlossene Unterbringung in pädagogischer Verantwortung stehen kann, überprüft werden, inwieweit die Grenzen der geschlossenen Unterbringung Chancen aufweisen können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Aufgabenfeld der Jugendhilfe

2.1 Aufgaben und Ziele der Jugendhilfe

2.2 Handlungsprinzipien der Jugendhilfe

3. Die geschlossene Unterbringung

3.1 Gesetzliche Grundlagen

3.2 Begriffsklärung

3.3 Die Konzeption des ‘Stufenmodells’

4. Die Diskussion um freiheitsentziehende Maßnahmen in der Jugendhilfe

4.1 Die Diskussion seit den 1970er Jahren

4.2 Das Problem der Trennschärfe der Indikationen in der Jugendhilfe

4.3 Die Problematik der gesetzlichen Grundlagen sowie deren Umsetzung

5. Grenzen als Chance?

5.1 Freiheitsentziehende Maßnahmen aus Sicht der Adressaten

5.2 „Freiheit hinter Mauern“ – Eine Möglichkeit für die Pädagogik?

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit die Freiheitsentziehung als pädagogische Maßnahme der Jugendhilfe – namentlich die geschlossene Unterbringung – unter Berücksichtigung rechtlicher Grundlagen und pädagogischer Prinzipien zu verantworten ist und welche Rolle sie als „ultima ratio“ spielt.

  • Rechtliche Grundlagen der Freiheitsentziehung im SGB VIII und BGB
  • Spannungsfeld zwischen pädagogischem Auftrag und sozialer Kontrolle
  • Analyse von Indikationsstellungen bei freiheitsentziehenden Maßnahmen
  • Betroffenenperspektive: Erfahrungen Jugendlicher in geschlossenen Einrichtungen
  • Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen pädagogischer Arbeit unter Zwang

Auszug aus dem Buch

3.2 Begriffsklärung

Der Begriff der geschlossenen Unterbringung ist heute nicht mehr eindeutig. Neuere Untersuchungen zeigen, dass es keine Polarisierung mehr zwischen offenen und geschlossenen Einrichtungen gibt. Vielmehr gibt es ein „[…] Kontinuum von Maßnahmen […], die von ‘offen’ über ‘offen mit Freiheitsbeschränkung’, ‘offen, aber mit Time-out-Raum’, ‘geografisch geschlossen’, ‘zu bestimmten Tageszeiten geschlossen’, ‘fakultativ […] geschlossen’ bis hin zu ‘teilgeschlossen’ reichen“ (HOOPS/PERMIEN 2006, S. 28). Einrichtungen, die ausschließlich freiheitsentziehende Maßnahmen vorhalten, sind nicht bekannt. Vielmehr bieten die Einrichtungen ein breites Spektrum von Angeboten an, worunter auch geschlossene Gruppen fallen können (vgl. BUNDESMINISTERIUM FÜR FAMILIE, SENIOREN, FRAUEN UND JUGEND 2002, S. 240).

Somit unterscheiden sich die Einrichtungen hinsichtlich ihrer baulichen Ausstattung, in Bezug auf die Sicherheitstechnologien, durch die zentralen Heimregeln (hierunter auch angesichts des Umgangs mit Entweichungen) sowie bezüglich der angestrebten Verweildauer. Es gibt Heime mit strengen Sicherheitsvorkehrungen und Isolierräumen, die zur Bestrafung genutzt werden, und Heime, die den baulichen Sicherheitsaufwand minimal halten und auf Isolierräume verzichten. Auch die zusätzlichen Angebote, wie z. B. im Bereich von Erlebnispädagogik, variieren von Heim zu Heim (vgl. HOOPS 2004, S. 22).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Kontroverse um die geschlossene Unterbringung „schwierigster“ Jugendlicher ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit nach der pädagogischen Vertretbarkeit dieser Maßnahmen.

2. Das Aufgabenfeld der Jugendhilfe: Das Kapitel erläutert die Aufgaben, Ziele und Handlungsprinzipien der Jugendhilfe, insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen helfendem Auftrag und der Funktion als soziale Kontrollinstanz.

3. Die geschlossene Unterbringung: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen (u.a. BGB, JGG, SGB VIII), die Begriffsklärung und das Konzept des „Stufenmodells“ detailliert dargestellt.

4. Die Diskussion um freiheitsentziehende Maßnahmen in der Jugendhilfe: Das Kapitel analysiert die historische und aktuelle Debatte, die Problematik der Indikationsstellung bei Jugendlichen sowie die Schwierigkeiten in der Umsetzung rechtlicher Anforderungen.

5. Grenzen als Chance?: Der Abschnitt beleuchtet die Erfahrungen der Adressaten mit der Unterbringung und diskutiert, ob und unter welchen Bedingungen pädagogische Arbeit hinter Mauern Fortschritte ermöglichen kann.

6. Schlussbetrachtung: Es werden die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst, wobei die Notwendigkeit von Verbesserungen bei den rechtlichen Standards und eine engere Kooperation zwischen Jugendhilfe, Psychiatrie und Justiz betont werden.

Schlüsselwörter

Jugendhilfe, geschlossene Unterbringung, Freiheitsentziehung, Kindeswohl, SGB VIII, Pädagogik, soziale Kontrolle, Indikation, Lebensweltorientierung, Stufenmodell, Jugendpsychiatrie, Partizipation, Rechtmäßigkeit, Adressatenperspektive, Erziehung unter Zwang.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Problematik der geschlossenen Unterbringung von Minderjährigen als „ultima ratio“ und hinterfragt deren Vereinbarkeit mit pädagogischen Prinzipien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen der Unterbringung, die Analyse pädagogischer Handlungsprinzipien, die Indikationspraxis und die Perspektive der betroffenen Jugendlichen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu klären, ob freiheitsentziehende Maßnahmen in pädagogischer Verantwortung der Jugendhilfe stehen können und unter welchen Bedingungen dies gegebenenfalls vertretbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine Literaturanalyse und zieht empirische Untersuchungsergebnisse aus verschiedenen Fachpublikationen und Aktenanalysen (insbesondere zum DJI-Projekt) heran.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen der Jugendhilfe, die juristische und pädagogische Verortung der geschlossenen Unterbringung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Praxis der Indikationsstellung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Jugendhilfe, geschlossene Unterbringung, Freiheitsentziehung, Kindeswohl, Indikation und pädagogische Verantwortung.

Welche Rolle spielt das Kindeswohl in der Debatte?

Das Kindeswohl dient als zentrale, jedoch vage definierte Rechtskategorie, die häufig als Begründung für den Eingriff in die Freiheit des Kindes herangezogen wird, was in der Fachwelt kritisch diskutiert wird.

Ist „Freiheit hinter Mauern“ pädagogisch erfolgreich?

Die Arbeit zeigt ein ambivalentes Bild: Während manche Jugendliche Fortschritte berichten und die Grenzen als stabilisierend erleben, warnen andere Autoren vor pädagogischer Ohnmacht und einer Verletzung des Normalisierungsprinzips.

Wie bewerten die Jugendlichen selbst die Maßnahmen?

Die Bewertung ist ambivalent; viele Jugendliche kritisieren die Sanktionen und das Machtmittel des Entzugs, erkennen aber in der Retrospektive oft einen Nutzen durch den erzwungenen Rahmen.

Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit?

Es wird gefolgert, dass geschlossene Unterbringung keine „Lösung“ ist, sondern bei Unverzichtbarkeit strengen juristischen Standards unterliegen und stets durch eine gute Kooperation verschiedener Institutionen sowie eine reflektierte Indikationsstellung begleitet werden muss.

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Details

Titel
Kann die Freiheitsentziehung als 'ultima ratio' in pädagogischer Verantwortung der Jugendhilfe stehen?
Untertitel
Die geschlossene Unterbringung: Wenn Pädagogik an Grenzen stößt
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,0
Autor
Janine Pollert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
45
Katalognummer
V114950
ISBN (eBook)
9783640162765
ISBN (Buch)
9783640164295
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kann Freiheitsentziehung Verantwortung Jugendhilfe
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Janine Pollert (Autor:in), 2007, Kann die Freiheitsentziehung als 'ultima ratio' in pädagogischer Verantwortung der Jugendhilfe stehen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114950
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  45  Seiten
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