Die Arbeit konzentriert sich auf eine strukturelle Langzeittheorie, die „Path dependence theory“, welche die institutionelle Beständigkeit von Wohlfahrtsregimen betont. Wie sich diese Theorie auf die kurzfristige Wohlfahrtspolitik in Krisen auswirkt, wurde in der Forschung bisher wenig untersucht.
Daher wird anhand der bestehenden Literatur bei den idealtypischen Wohlfahrtsregimen Deutschland (konservativ) und Großbritannien (liberal) die sozialpolitische Reaktion auf die Finanzkrise ab 2008 untersucht. Dabei lässt sich zeigen, dass die Reaktion weitestgehend durch den bisherigen sozialpolitischen Weg bzw. Regimetyp erklärbar ist. Bewährte Paradigmen und Politikinstrumente, wie z. B. die Kurzarbeit in Deutschland, wurden im kurzen Zeitraum der Krise verstärkt genutzt, anstatt die Krise als Möglichkeit zum fundamentalen Wandel zu nutzen. Ein Zurückfallen in das alte Muster scheint damit wahrscheinlich. Diese Erkenntnis hat Implikationen für die Prognose von Sozialpolitik in kommenden Krisen.
Inhaltsverzeichnis
- Abstract
- Einleitung
- Zugehörigkeit zum Wohlfahrtsregime
- Wohlfahrtsregime Deutschland
- Wohlfahrtsregime Großbritannien
- Path dependence theory
- Conclusion
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Hausarbeit setzt sich zum Ziel, die „Path dependence theory“ als Erklärungsmuster für die Reaktion von Wohlfahrtsstaaten auf die Finanzkrise 2008 zu analysieren. Im Fokus stehen die Länder Deutschland und Großbritannien, die als Vertreter des konservativen bzw. liberalen Wohlfahrtsregimes dienen. Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern die historisch gewachsenen Wohlfahrtsmuster die kurzfristige sozialpolitische Reaktion in der Krise prägten.
- Die Anwendung der „Path dependence theory“ auf die Reaktion von Wohlfahrtsstaaten in Krisen
- Der Vergleich der sozialpolitischen Maßnahmen in Deutschland und Großbritannien als Reaktion auf die Finanzkrise 2008
- Die Rolle der Wohlfahrtsregimetypen für die Gestaltung der Krisenpolitik
- Die Frage nach Kontinuität oder Abkehr vom alten Wohlfahrtsmuster in der Krise
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in das Thema und stellt die Forschungsfrage nach der Rolle der „Path dependence theory“ für die sozialpolitische Reaktion auf die Finanzkrise. Im zweiten Kapitel wird die Zugehörigkeit Deutschlands und Großbritanniens zu den jeweiligen Wohlfahrtsregimetypen erläutert, wobei die Charakteristika des konservativen und liberalen Modells aufgezeigt werden. Das dritte Kapitel analysiert die sozialpolitischen Maßnahmen, die Deutschland und Großbritannien als Reaktion auf die Finanzkrise ab 2008 ergriffen haben.
Schlüsselwörter
Path dependence theory, Wohlfahrtsregime, Finanzkrise 2008, Deutschland, Großbritannien, konservative Wohlfahrtspolitik, liberale Wohlfahrtspolitik, Sozialpolitik, Krisenreaktion, Kontinuität, Wandel, De-Kommodifizierung, Stratifizierung.
Häufig gestellte Fragen
Was besagt die „Path dependence theory“ (Pfadabhängigkeit)?
Die Theorie besagt, dass einmal getroffene institutionelle Entscheidungen den künftigen Handlungsspielraum einschränken. Staaten tendieren dazu, bei Problemen auf bewährte Muster zurückzugreifen, statt fundamentale Reformen zu wagen.
Wie reagierte Deutschland sozialpolitisch auf die Krise 2008?
Deutschland nutzte massiv das Instrument der Kurzarbeit. Dies entsprach dem konservativen Wohlfahrtsmodell, das auf den Erhalt von Beschäftigungsverhältnissen und Statusabsicherung setzt.
Wie unterschied sich die Reaktion Großbritanniens?
Großbritannien folgte seinem liberalen Modell und setzte stärker auf Marktmechanismen und weniger auf umfassende staatliche Absicherung der Beschäftigung, was zu anderen sozialen Auswirkungen führte.
Führte die Finanzkrise zu einem Wandel der Wohlfahrtsstaaten?
Die Arbeit zeigt, dass die Krise eher zur Verstärkung bestehender Muster führte als zu einem radikalen Kurswechsel. Bewährte Instrumente wurden intensiviert, was die Pathabhängigkeit bestätigt.
Was sind idealtypische Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen?
Er unterscheidet zwischen liberalen (z.B. UK), konservativen (z.B. Deutschland) und sozialdemokratischen Regimen (z.B. Skandinavien), die sich durch den Grad der De-Kommodifizierung unterscheiden.
- Quote paper
- Jannis Dannenberg (Author), 2021, Abkehr vom alten Wohlfahrtsmuster in der Krise? Sozialpolitische Maßnahmen als Reaktion auf die Finanzkrise 2008 in Deutschland und Großbritannien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146726