Im Zuge einer zunehmenden Globalisierung der Güter- und Kapitalmärkte befinden
sich die Rechnungslegungsnormen seit einigen Jahren im Umbruch. Shareholder, aber auch Stakeholder fordern in Folge dieser Internationalisierung schnell und einfach vergleichbare Abschlüsse, da der Entscheidungsprozess in den Unternehmen immer zügiger voranschreitet. Hierzu ist ein verlässliches und leicht zu handhabendes Informationsinstrument notwendig, wodurch die internationale Rechnungslegung zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Für deutsche kapitalmarktorientierte Unternehmen wurde dieser Bedeutung Folge geleistet, mit der Pflicht ihre Konzernabschlüsse ab dem 1. Januar 2005 bzw.
1. Januar 2007 nach den Vorschriften der International Financal Reporting Standards (IFRS) aufzustellen. Die Grundlage hierfür wurde durch die sogenannte IASVerordnung am 19. Juli 2002 geschaffen.
Für alle nicht kapitalmarktorientieren Unternehmen besteht diese Pflicht nicht, jedoch haben sie ein Wahlrecht zur freiwilligen Anwendung im Einzel- wie auch Konzernabschluss. Gründe für die Anwendung der IFRS-Standards liegen insbesondere in der Herstellung einer besseren Vergleichbarkeit mit anderen Konzernen und in den gestiegenen Anforderungen internationaler Eigen- und Fremdkapitalgeber. Ein erster Versuch sogenannte „IFRS-Light“ für kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland zu implementieren, ist am heftigen Widerstand der mittelständischen Gesellschaften gescheitert.
Diese Entwicklung lastet mehr und mehr auf den nationalen Rechnungslegungsnormen. Das erkannte auch der Gesetzgeber und steuert dem mit der Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes entgegen. Dabei steht nicht die vollständige Ersetzung des Handelsgesetzbuches (HGB) im Vordergrund, sondern lediglich die Überarbeitung unter Vorbildfunktion der IFRS. Jedoch stehen sich bei der Neufassung der nationalen Rechnungslegungsnormen zum einen der ursprüngliche Ansatz des HGB (Vorsichtsprinzip und Gläubigerschutz), zum anderen der Ansatz der internationalen Rechnungslegungsnormen (True and Fair View) gegenüber.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Allgemeines zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
- Grundlegendes zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
- Zielsetzung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes
- Übernahme der EU-Abänderungsrichtlinie
- Übernahme der EU-Abschlussprüferrichtlinie
- Wesentliche handelsrechtliche Änderungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes im Überblick
- Wesentliche Änderungen hinsichtlich Deregulierung und Modernisierung
- Buchführungs- und Bilanzierungspflicht
- Erhöhung der Schwellenwerte für Kapitalgesellschaften
- Zusätzlicher IFRS-Einzelabschluss
- Wesentliche Änderungen im Einzelabschluss
- Darstellungsänderungen der Bilanz
- Anlagevermögen
- Aktivierung von selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen
- Abgrenzung der Forschungs- von den Entwicklungsaufwendungen
- Ansatz und Bewertung
- Reformvorschläge
- Ausschüttungssperre
- Anhangsangaben
- Geschäfts- oder Firmenwert
- Bewertung nach bisherigem Handelsrecht
- Ansatz und Bewertung
- Wertminderungstest und Abschreibungsregelungen
- Aktivierung von selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen
- Umlaufvermögen
- Herstellungskosten
- Zu Handelszwecken erworbene Finanzinstrumente
- Einführung und Definition des Begriffes „Zeitwert“ in das Handelsrecht
- Definition von originären und derivativen Finanzinstrumenten
- Bewertung nach bisherigem Handelsrecht
- Definition des Begriffes „zu Handelszwecken erworben“
- Einführung des Dreistufenmodells
- Bewertung von Finanzinstrumenten und Derivaten
- Bildung stiller Reserven wird unterbunden
- Anhangsangaben
- Aktive latente Steuern
- Eigenkapital
- Ausstehende Einlagen
- Eigene Anteile
- Beteiligungserwerb an herrschenden Unternehmen
- Fremdkapital
- Pensionsrückstellungen
- Bilanzierung dem Grunde nach
- Bilanzierung der Höhe nach
- Auswirkungen auf die Pensionsrückstellungen aufgrund der Anwendung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes
- Allgemeine Rückstellungen
- Pensionsrückstellungen
- Wesentliche Änderungen im Konzernabschluss
- Konsolidierungskreis und Aufstellungspflicht
- Änderung bei der Beurteilung des Mutter-Tochter-Verhältnisses
- Größenabhängige Befreiungen
- Währungsumrechnung
- Kapitalkonsolidierung
- Verpflichtung zur Neubewertungsmethode
- Zeitpunkt der Erstkonsolidierung
- Verrechnungsverbot von Unterschiedsbeträgen aus der Kapitalkonsolidierung
- Konsolidierungskreis und Aufstellungspflicht
- GoB in der Zukunft
- Zusammenfassung
- Ausblick
- Anhang
- Alle handelsrechtlichen Änderungen im Überblick
- Literatur
- Verwendete Literatur
- Internetempfehlungen / Weblinks
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Diplomarbeit befasst sich mit den wesentlichen praxisrelevanten Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) auf den Jahresabschluss. Der Fokus liegt dabei auf dem Referentenentwurf vom November 2007. Die Arbeit analysiert die Zielsetzung des BilMoG, die Übernahme von EU-Richtlinien und die wichtigsten handelsrechtlichen Änderungen, die sich aus dem Gesetz ergeben.
- Deregulierung und Modernisierung des Bilanzrechts
- Änderungen im Einzelabschluss (z.B. Aktivierung immaterieller Vermögensgegenstände, Bewertung von Finanzinstrumenten)
- Änderungen im Konzernabschluss (z.B. Konsolidierungskreis, Kapitalkonsolidierung)
- Auswirkungen auf die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB)
- Praxisrelevante Implikationen für Unternehmen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes ein und erläutert die Relevanz der Arbeit. Kapitel 2 bietet einen Überblick über das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, seine Zielsetzung und die Übernahme von EU-Richtlinien.
Kapitel 3 beleuchtet die wesentlichen Änderungen hinsichtlich Deregulierung und Modernisierung, wie z.B. die Anpassung der Buchführungs- und Bilanzierungspflicht sowie die Erhöhung der Schwellenwerte für Kapitalgesellschaften.
Kapitel 4 befasst sich mit den wesentlichen Änderungen im Einzelabschluss. Hier werden die Darstellungsänderungen der Bilanz, die Aktivierung von immateriellen Vermögensgegenständen, die Bewertung von Geschäfts- oder Firmenwerten und die Bewertung von Finanzinstrumenten im Detail analysiert.
Kapitel 5 behandelt die wesentlichen Änderungen im Konzernabschluss, insbesondere die Anpassungen des Konsolidierungskreises, die Währungsumrechnung und die Kapitalkonsolidierung.
Kapitel 6 diskutiert die Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes auf die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) in der Zukunft.
Die Zusammenfassung fasst die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bilanzrecht.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), den Jahresabschluss, die Deregulierung, die Modernisierung, den Einzelabschluss, den Konzernabschluss, die Aktivierung von immateriellen Vermögensgegenständen, die Bewertung von Finanzinstrumenten, die Konsolidierung, die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) und die Praxisrelevanz für Unternehmen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Ziel des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG)?
Das BilMoG zielte darauf ab, das HGB zu modernisieren und an internationale Standards (IFRS) anzunähern, ohne das bewährte Vorsichtsprinzip und den Gläubigerschutz vollständig aufzugeben.
Welche Änderungen ergaben sich für immaterielle Vermögensgegenstände?
Unter dem BilMoG wurde ein Aktivierungswahlrecht für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens eingeführt, wobei zwischen Forschungs- und Entwicklungskosten unterschieden werden muss.
Wie änderte sich die Bewertung von Rückstellungen?
Rückstellungen müssen nach dem BilMoG mit dem nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrag bewertet und bei einer Laufzeit von über einem Jahr abgezinst werden.
Was bedeutet "Deregulierung" im Kontext des BilMoG?
Zur Deregulierung gehörten die Erhöhung der Schwellenwerte für Kapitalgesellschaften und die Befreiung kleinerer Unternehmen von bestimmten Buchführungs- und Bilanzierungspflichten.
Welche Auswirkungen hat das Gesetz auf den Konzernabschluss?
Es gab Anpassungen beim Konsolidierungskreis, der Währungsumrechnung und die Verpflichtung zur Anwendung der Neubewertungsmethode bei der Kapitalkonsolidierung.
Was sind latente Steuern nach dem BilMoG?
Das Gesetz führte neue Regelungen zur Bilanzierung von aktiven und passiven latenten Steuern ein, um Differenzen zwischen Handels- und Steuerbilanz besser abzubilden.
- Quote paper
- Frank Hoffmann (Author), 2008, Wesentliche praxisrelevante Auswirkungen auf den Jahresabschluss aufgrund des Gesetzes zur Modernisierung des Bilanzrechts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114662